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Einführung
Bergisches Land
Elberfelder Landwehr
Barmer Landwehr
Ispingrade-Horpetal
Wiehagen
Wuppertal-Nord
Impressum
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Die Barmer Landwehrlinie
Lage:
Innerhalb des Stadtgebiets im Osten und Südosten von Wuppertal.
Einführung:
Die Barmer Linie trennte das Gebiet des heutigen Wuppertaler Stadtteils
Barmen in zwei Teile, Niederbarmen (Unterbarmen) und Oberbarmen. Im
Spätmittelalter bestand Barmen nur aus einem lockeren Verband von Einzelhöfen hauptsächlich
im Besitz der Grafen von Berg und von der Mark, die zu beiden Seiten
der Kirchspielgrenze Elberfeld zu Schwelm lagen. Die Grenze zwischen
Berg und Mark verschob sich aber im 14. Jahrhundert mehrfach, mehr dazu
im Abschnitt Enstehungszeit und -Zweck. Der spätere zentrale Siedlungskern,
Barmen-Gemarke, entstand erst in der späteren Neuzeit und wurde zuvor
von der Landwehr zerschnitten.
Dieser mittelalterlichen Kirchspielgrenze, die auch Dekanatsgrenze
zwischen den Dekanaten Lüdenscheid und Neuss war, folgte die Landwehr
von den Wuppertaler Nordhöhen durch das Tal der Wupper bis zu den Wuppertaler
Südhöhen. Dort endete auch das als Barmen bezeichnete Gebiet am Murmelbach.
Die Landwehr aber verlief entlang der Wupper weiter durch das Waldgebiet
Olscheid bis zur im dreissigjährigen Krieg zerstörten Beyenburg im
gleichnamigen Wuppertaler Ortsteil. Die Beyenburg war herzogliche Residenz
und Verwaltungssitz des Amts Beyenburg, zu dessen Gebiet auch überwiegende
Teile des heutige Barmens, sowie das Gebiet des Olscheids (heute Bereich
Herbringhausen/Marscheid) gehörte.
Verlauf:
Der nachweisliche Beginn liegt im Wuppertaler Ortsteil Hatzfeld in
der Nähe der Kreuzung Hatzfelder Straße / Uellendahler Straße. Hier
wird laut Engels auch eine Durchgangstelle mit Schlagbaum als Straßensperre
angenommen. Aufgrund der Beyenburger Amtsrechnung von 1806/07 ist bekannt,
dass die Landwehr sich nach Norden bis zur märkischen Grenze bei Horath
oder der Horather Schanze fortgesetzt hat, aber es gibt keinerlei Bodenfunde,
Flurgrenzen oder Toponyme, die den exakten Verlauf belegen. Aus Pachtunterlagen
von 1807 geht aber hervor, dass zwei Höfe nördlich der Hatzfelder
Straße 42 bzw. 14 Ruten der Landwehr gepachtet hatten. Bei Horath könnte
sie nach weiteren Spekulationen mit der Elberfelder Landwehr, einer
angeblichen Landwehrlinie Horath - Hasslinghausen und/oder einer Linie
entlang dem Deilbach zusammengetroffen sein. Über letztere Landwehrlinie
ist mir bis auf das Vorhandensein noch nicht konkretes bekannt, während
die Existenz der Landwehrlinie Horath - Hasslinghausen trotz einer Veröffentlichung
hinterfragt werden muss. Über den Verlauf der Elberfelder Landwehr
im Bereich des nördlichen Wuppertals gibt es drei nachvollziehbaren
Theorien, von denen zumindest eine ein Zusammentreffen ermöglichen
würde.
Der Verlauf nach Süden ist dagegen gesichert. Im Abstand von 40-80
Metern verlief die Barmer Linie westlich der Hatzfelder Straße nach
Süden. Dabei wird die Ortslage Lante durchschnitten. Der Name Lante
selbst ist sehr wahrscheinlich eine Ableitung von Lantert, das als mittelalterliche
Bezeichnung für den Begriff Landwehr bekannt ist. In Höhe der alten
Hatzfelder Schule bei Lante waren im 19. Jahrhundert noch Wall/Grabenreste
zu erkennen. Richtung Südosten verlief sie laut dem "Index über
die Morgenzahl in dem Hofesgericht Barmen" von 1642 zwischen den
Höfen der Rotte Carnap und der Rotte Leimbach. Oberhalb der Gutes Beesen
bei dem Hof Carnap sollen aber im 19. Jahrhundert ebenfalls noch Reste
eines Walls zu erkennen gewesen sein. Ist dem so tatsächlich gewesen
und waren diese auf alten Karten auch eingezeichneten Strukturen kein
Hohlweg, dann blieb die Landwehr bis dahin westlich der heutigen Hatzfelder
Straße und bog in Höhe der heutigen A46 nach Osten zum Unterlauf des
Leimbach ab. Dort folgte sie dem Westufer des Leimbachs bis zu dessen
Mündung in dem Seitenarm der Wupper, der später als Mühlengraben
genutzt wurde. Von dort führte die Landwehr weiter bis zur Wupper.
Dieser gesamte Bereich ist sehr stark bebaut und als einziges Indiz
der Landwehr am heute verdohlt verlaufenden Leimbach kann nur die Landwehrstraße,
eine Seitenstraße des Steinwegs, und der Landwehrplatz
dienen.
Nahe der Wupper stand der Oberhof Barmens, der das lokale Verwaltungszentrum
der bergischen Landesherrn für die umliegenden Hofschaften bildete.
Dieser 1902 abgerissene Hof trug den Namen Dörner Hof, von
dessen Standort nur noch die Straßennamen Oberdörnen und Unterdörnen
zeugen. Der Name Dörner Hof ist ein deutlicher Hinweis auf
die Lage an der Landwehr und nimmt Bezug auf deren Gedörn. Ein weiterer
Hof an der Leimbachmündung, der Schlippenhof, markiert die
Stelle, wo sich ein Durchgang befand, da ein kleiner Personendurchgang
durch eine Landwehr nach Engels auch als Schlippe bezeichnet wurde.
Bis hierhin ist durch die dichte Bebauung im Zentrum Barmens und die
Umgestaltung des Geländes in den Barmer Anlagen kein erkennbarer Rest
der Landwehr erhalten geblieben. Nur aus Quellen wie dem herzoglicher
Kommissionbericht zur Vermessung und Verpachtung der Landwehrfluren
aus 1696 und anderen Verwaltungsakten (Beyenburger Rentmeistereirechnungen)
geht der Verlauf grob hervor. Als die herzogliche Kommission, ausgesandt
von Herzog Johann Wilhelm von Berg (Jan Wellem), die Landwehr vermessen
sollte (die Trasse war seit alters her ja herzoglicher Besitz), um sie
zum Füllen der stets knappen Staatskasse an die ansässigen Bauern
zu verpachten (bzw. nun Pacht von den Bauern zu fordern, die sie schon
längst selbst nutzten), stieß sie schon Ende des 17. Jahrhunderts
bei der Ermittlung des genauen Verlaufs auf Probleme. Es wurden von
der Kommission über 70 Jahre alte Zeitzeugen befragt, die den Verlauf
noch aus ihrer Jugend in der Zeit des dreißigjährigen Krieges kannten.
Bereits um 1500 war von der Landwehr im Bereich der Wupperquerung, wie
aus den Aussagen von Anliegern in der Beyenburger Rentmeistereirechnung
von 1559/60 hervorgeht, bis auf Reste (Grabenstück und Baumstümpfe
des Gebücks) nichts mehr vorhanden.
Die Landwehr endete in der sumpfigen Wupperaue und setzte sich südlich
des Flusses fort. Hier folgte sie auf westlicher Seite dem Lauf des
Fischertaler Bachs, der früher nach der im Tal an der Mündung gelegenen
Hofschaft Clef/Clev Clefbach oder Clever Bach genannt wurde, hinauf
zu den Wuppertaler Südhöhen. Aus Wegerechtsakten von 1803/04 geht
hervor, dass der Fischertaler (Clever) Bach teilweise selbst den Graben
der Landwehr als Bachbett nutzte. Bereits im 16. Jahrhundert ist laut
einem Bericht vom 18. Februar 1566 Wasser aus der Landwehr entnommen
worden - die Landwehr muss also sehr nahe am Bachlauf gelegen haben,
damit der Bach sein Bett in sie verlegen konnte. Auch im Fischertal
war laut Adolf Werth im 19. Jahrhundert noch ein Wallrest an der Einmündung
der Amalienstraße in die Fischertaler Straße zu finden. 1846 sollte,
wie aus einer Eingabe hervorgeht, ein Teil der Landwehr mit der heutigen
Fischertaler Straße überbaut werden. Durch die heutigen Barmer Anlagen
führte sie weiter hinauf zu der heutigen Lönsstraße zwischen dem
Ehrenfriedhof und dem Toelleturm.
Die Unkenntnis über den exakten Verlauf endet knapp südlich der Lönsstraße,
wo tatsächlich ein ca. 250 Meter langes Stück des Landwehrwalls im
Barmer Wald erhalten blieb. Dieses heute als Bodendenkmal geschütze
Stück setzt sich nach Süden fort und wendet sich in Kurven dem Murmelbach
(früher auch Marper Bach, Marpebach oder schlicht Marpe genannt) zu,
wobei der erhaltene Wall immer bruchstückhafter und verschliffener
wird, je weiter man sich dem Bach nähert. Der Bach war die Grenze zwischen
Barmen und dem Gerichtsbezirk Lüttringhausen, beide ab 1407 dem Amt
Beyenburg angehörend. Ca. 50 Meter vor dem Bachlauf endet dann jede
Spur des Walls. Unmittelbar hinter dem Adolf-Werth-Gedenkstein ist sie
mit am ausgeprägtesten. 1704 maß der Landvermesser Schophopf die "mit
Sträuchern und Blumen" bestandene Landwehrflur zwischen der Wupper
und dem Murmelbach auf vier Morgen und zehn kölnische Ruten. Zum Ausgleich
der Nutzung vergüteten die Barmer Markgenossen dem Landesherrn diese
Fläche mit drei Morgen Wald im Dickter Busch.
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| Der als Bodendenkmal geschütze Wall an der Lönsstraße beim Toelleturm. Foto (jm) |
Der Wall ist im weiteren Verlaut von Brombeeren und anderen bodendeckenden Pflanzen überdeckt und kaum zu erkennen. Foto (jm) |
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| Blickrichtung Lönsstraße. Foto (jm) |
Blickrichtung Lönsstraße. Der in Kurven verlaufende Wall setzt sich in unterbrochener Form auf der anderen Seite bis ca. 50 Meter vor den Murmelbach fort. Foto (jm) |
Nach Überquerung des Murmelbach wendet sich die Landwehr der Siedlung
Konradswüste zu. Der genaue Verlauf ist nicht bekannt, es existiert
aber die Annahme, dass die Geländestufe oberhalb der Pilgerheim Murmelbachtals
Teil der Landwehr war. Ein andere Theorie geht von einem geraden Verlauf
die Flanke der Scharpenacker Berge hinauf bis zur Siedlung. Dort durchlief
die Landwehr das Zentrum des heutigen Siedlungsbereiches und wendete
sich dem Blombachtal zu. Sie tritt heute unterhalb der Bahnstrecke
Wuppertal-Remscheid (rund 50 Meter südlich der Eisenbahnbrücke Hammesberger
Weg) nochmals als ca. 30 Meter langer Wall in Erscheinung. Er führt dort in südwestliche Richtung
in das Tal zur Autobahn. Auf der anderen Talseite verließ sie in Höhe
des ehemaligen Schulhauses (1938: Blombacherbach 2) das Blombachtal
und stieg den steilen Hang in den heutigen Marscheider Wald hoch.
Ab hier bis kurz vor dem Herbringhauser Bach ist der Landwehrverlauf
eindeutig, da er sich in kompletter Länge als schlauchförmiges, sich
im Schnitt ca. 250 Meter südlich der Wupper befindendes Flurstück
durch das Waldgebiet zieht. Auf mehreren historischen Karten, aber auch
auf einer älteren DGK5 ist er gut erkennbar eingezeichnet.
Auf der Höhe wendete sie sich in einem geschwungenen Doppelbogen über
den Geländesporn oberhalb der Erbhöfe erst nach Norden, dann nach
Osten und verlief nun parallel zur Wupper auf halbes Höhe des zur Wupper
abfallenden Hangs bis zum Tief eingeschnittenen Tal des Eschensiepens,
das in gerader Linie zur gegenüberliegenden Seite hin überschritten
wurde. Beim Lauf in östlicher Richtung überquerte sie zuvor einen
alten, heute stark verschliffenen Hohlweg von den Erbhöfen den Marscheider
Berg hinauf , der laut Karten bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts in
Benutzung war. Vom Verlauf handelt es sich möglicherweise um einen
typischen alten Höhenweg, der unter Umständen auch einen Landwehrdurchgang
besessen haben könnte. Auf Karten des frühen 19. Jahrhunderts ist
der Weg bereits verzeichnet.
Am Beginn des Gefälles zu Eschensiepen, sowie an einer Stelle hundert
Meter davor sind noch stark verschliffene Reste des Walls zu erahnen.
Im rechten Winkel zu der Landwehr finden sich entlang dem Lauf des Eschensiepen
bis zum Gipfel des Marscheider Bergs folgend deutliche, mehrfache Wall-/Grabenstrukturen,
die genauer zu untersuchen sich als lohnend erweisen könnte. Für einen
reinen Hohlweg sind diese Strukturen im Vergleich zu dem Hohlweg Erbhöfe-Marscheider
Berg im Profil erheblich deutlicher ausgeprägt und weisen mehrere parallele
Wälle auf, die bei dieser Struktur nicht auszumachen sind. Auch ließen
sich die am Fleischsiepen gefundenen, zum Marscheider Bach hinführenden
Wall-/Grabenstrukuren, die Gerd Hellbeck wohl fälschlicherweise als
Teil der Elberfelder Landwehrlinie deutet, in gerader Linie den Strukturen
auf der Höhe des Marscheider Bergs verlängern. Aber zurück zur Barmer
Landwehr.
Die Landwehr verläuft nun im Abstand von ca. 20-30 Meter südlich
des Siedlungsrandes von Laaken zum katholischen Friedhof. Laaken wird
laut dem bergischen Ortsnamensforscher Heinrich Dittmaier als ein Toponym
von Landwehr gedeutet, nach Gustav Löns bedeutet Laak Grenzbaum,
Schanze, besonders befestigter Ort, vgl. auch Lackbaum (= Schlagbaum). So gesehen ist der
dortige Straßenname Laaker Landwehr, der auch auf das Bauwerk hindeutet,
eine Tautologie. Ihr Verlauf ab dem Friedhof entspricht im Großen und
Ganzen dem des dortigen Waldwegs, wobei sie an einem Siepen geradlinig
verläuft, während der Weg der Geländeform auf gleicher Höhenebene
folgt. Vorhandene Landwehrtrassen sind häufig als Weg genutzt und ausgebaut
worden, da mit ihnen bereits eine Trassierung durch das Gelände vorlag
und auch die Eigentumsrechte der anliegenden Grundstücksbesitzer durch
die neue Weganlage nicht berührt wurden. Die Trasse der Landwehr selbst
blieb bis in das 19. Jahrhundert zumeist im Staatseigentum.
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| Im Marscheider Wald oberhalb den Erbhöfen. Der Wall kreuzt einen alten Hohlweg und ist daher im Profil noch auszumachen. Foto (jm) |
Nahaufnahme des Walls. Das lose verteilte Gestein im Erdwerk ist ein deutliches Indiz dafür, dass diese Struktur nicht natürlich gewachsener Boden ist, sondern aufgeschüttet wurde. Auch hier der typische Moosbewuchs auf dem Wallrücken. Foto (jm) |
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| Hier der stark verschliffene Wall im Marscheider Wald oberhalb Laakens. Die Blickrichtung geht nach Osten zum Tal des Eschensiepens hin. Foto (jm) |
Zur Verdeutlichung des auch in der Natur kaum sichtbaren Wallverlaufs hier mit Markierung. Foto (jm) |
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| Ungeklärt: Was sind das für Strukturen, die im rechten Winkel zur Landwehr dem Bach Eschensiepen aus dem Wuppertal hoch auf den Marscheider Berg folgen? Man erkennt eine breite Struktur mit drei Wällen und vier Gräben. Foto (jm) |
Hier von der Seite aufgenommen (Verlauf: Links unten nach rechts oben). Foto (jm) |
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| Am Rande des Waldwegs bei Laaken findet sich dieser Wall. Auch hier zeigt der Aufbau eine künstliche Aufschüttung. Da der Waldweg an dieser Stelle auf der alten Landwehr angelegt wurde, ist der Wall wahrscheinlich ein letzter Rest derselbigen. Foto Frank Baldus |
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Hinter dem Siepen sind an dem talwärts gelegenen Rand des Weges auf
kurzer Länge ausgeprägte Wallstrukturen auszumachen, die unter Umständen
auch der Landwehr zugeordnet werden können. Während sich der Weg in
einem Bogen nach Süden in das Herbinghauser Bachtal wendet, kürzte
die Landwehr über den Bergsporn ab. Dieser Sporn wird von Nordosten
kommend von einem Waldweg durchschnitten, dessen Kreuzungspunkt mit
der Landwehr laut der Urkatasterkarte von 1815-25 Frankenbaum genannt
wurde. Dieses würde auf eine Altstraße mit einen Landwehrdurchgang
mit Schlagbaum hindeuten.
Die Landwehr überquert denselben Waldweg, der bei Laaken eine zeitlang
auf der Trasse verlief, und fiel südlich des Laaker Hammers steil zum
Herbringhauser Bach ab . Der Herbringhauser Bach hieß früher Olpebach
und gab auch dem großen Waldgebiet, das er durchfließt, den Namen
Olscheid. Hier soll sich auch an der Landwehr eine Wolfskuhle befunden
haben. Auf der anderen Talseite stieg die Landwehr ebenso steil wieder
den Hang des Paulsberg hinauf. Das Fehlen von Wallresten kann darauf
hindeuten, dass hier die Sicherung nur aus dem Gebück/Gedörn bestand,
da die steilen Hänge sowieso keine einfache Begehung zuließen. In
einem weiteren Doppelbogen wendete sich die Landwehr nach Norden und
wieder nach Osten. In der Nähe mehr oder weniger parallel laufend,
aber nicht genau auf dem Landwehrflurstück liegend, findet sich auf
mehreren hundert Metern eine deutlich ausgeprägte Doppelwall-/Grabenstruktur.
Es ist unklar, ob diese sehr deutlich im Gelände sichtbaren Strukturen
mit der Landwehr in Zusammenhang stehen, denn es könnte sich auch um
ein von Oberste Laaken den Paulsberg hinaufführenden Hohlweg handeln,
dessen nördlicher Serpentinenteil noch heute von Waldwegen genutzt
wird. Allerdings führt der heutige Waldweg als Hohlweg direkt zu dem
Gipfel des Paulsbergs, während sich die Wall-/Grabenstruktur wieder
in Richtung des Herbringhauser Bachtals wendet und zu diesem wieder
abfällt, was als Wegführung nur begrenzten Sinn macht. Diese Struktur
verliert sich in einem dichten Jungwald und ist nicht ganz deckungsgleich
mit dem Flurstück der Landwehr.
Die Struktur trifft an deren nördlichen Ende im spitzen Winkel auf
die Landwehrtrasse und mündet dort in den heute als Waldweg genutzten
Hohlweg zum Gipfel des Paulsbergs. Kurz vor der Einmündung der Struktur
in den heutigen Waldweg findet sich auf der Ostseite des Waldweges im
rechten Winkel dazu ein verschliffener, aber noch auf einer Länge von
wenigen Metern erhaltener Einzelwall, der exakt auf der Landwehrtrasse
liegend, vermutlich zu der Landwehr gehören dürfte. Ist dieses der
Fall, so kann die ausgeprägte Doppelwall-/Grabenstruktur nicht zu der
Landwehr gehören, es sei denn, die Landwehr hätte dort einen deutlicheren
Richtungswechsel nach Südwesten durchgeführt, als das Landwehrflurstück
andeutet. Auch ist es nicht einleuchtend, warum sich ein verschliffener,
kaum erkennbarer Wall nach einem abrupten Richtungswechsel unvermittelt
als gut erkennbarer Doppelwall fortsetzen sollte. Diese Situation muss
also noch erforscht werden.
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Auf dem Paulsberg zwischen dem Marscheider und dem Herbringhauser Bach. Auf dem Landwehrflurstück ist ein kurzes Stück dieses Walls mit dazugehörigen Graben zu finden. Foto (jm) |
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| Dieser Wall und Graben ist ein paar Meter weiter schon als längliches Erdwerk deutlicher erkennbar. Foto (jm) |
Der Wall endet auf hier wieder an einem Hohlweg, so dass auch das ausgeprägte Profil im Schnitt deutlich wird. Foto (jm) |
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| Die oben angesproche ausgeprägte Wall-/Grabenstruktur auf dem Paulsberg, die nahe dem, aber nicht auf dem Landwehrflustück zu finden ist und dieses im sehr spitzen Winkel schneidet. Unklar: Hohlweg oder Landwehr? Foto (jm) |
Der Wall dieser Struktur ist gut einen Meter hoch. Zum Größenvergleich hier ein Landwehrforscher. Unklar bleibt dennoch: Hohlweg oder Landwehr? Foto (jm) |
In östlicher Richtung setzte sich das Landwehrflurstück von dem Zusammengang
von Doppelwall-/Grabenstruktur und Hohlweg noch ca. 200 Meter fort,
und endet dort. Der weitere Verlauf bis zur Beyenburg ist zur Zeit vollkommen
unklar. Es ist bislang nicht gelungen, weitere Bodenspuren zu finden,
auch die bislang hilfreiche Urkatasterkarte aus dem beginnenden 19.
Jahrhundert versagt hier ihre Dienste. Erschwert wird die Suche auch
dadurch, dass hier umfangreiche Erdbewegungen vorgenommen wurden: Einmal
im Tal durch der Anlage der ehemaligen Unteren Herbringhauser Talsperre
und anschließend auf der Höhe des der Wupperschleife bei Dahlhausen
zugewandten Bergsporns namens Zur guten Hoffnung.
Der Bergsporn wurde durch die Anlage eines Steinbruchs stark abgetragen
und später durch die Nutzung als große kommunale Mülldeponie Kemna
wieder verfüllt. Heute ist das umgestaltete Gelände mit Wald bepflanzt.
Auch eine Karte des Waldgebiets aus dem 17. Jahrhundert, das nach seinen
herzoglichen, also besonderen Eigentümer Sondernbusch genannt wurde, gibt keinen Aufschluss
über den Verlauf.
Erst in schriftlichen Quellen (Lagerbuch des Amts Beyenburg, dort Eintrag
vom 19. Juli 1566) wird die Landwehr als zur der Burg Beyenburg führend
auf den letzten Metern zwischen Beyenburger Brücke und Beyenburg wieder
erwähnt, als ein Anlieger zum Hochwasserschutz der Wupper eine Mauer
vervollständigen wollte, die von der Landwehr unterbrochen war. Der
Streit über die Nutzung der Landwehrparzelle, die sich unter Verwaltung
des Beyenburger Pfandherren Graf Franz II. von Waldeck befand, fand
seine Niederschrift in dem besagten Lagerbuch. Im Gegenzug zur Genehmigung
des Lückenschlusses wurde dem Antragsteller Kasper von den Bruggen
(= Beyenburger Brücke) auferlegt, diese Mauer als Ersatz für die Landwehr
in Richtung der Beyenburg bis zu dem dortigen Schlagbaum fortzuführen.
Die Landwehr verlief also nahe der Wupper in östlicher Richtung auf
den Wuppermäander in Beyenburg zu, auf dem sich die Beyenburg und die
dazugehörende Freiheit befand.
In der Rentmeisterrechung Beyenburg 1749/50 wird ebenfalls eine seit
1720 verpachtete Landwehr zwischen Beyenburger Brücke und Beyenburg
erwähnt und der Eintrag von 1566 damit bestätigt. Engels und auch
zuvor Fahne deuten an, dass die Landwehr eventuell bis Hengsten weiterführte,
wo sie auf die Elberfelder Linie traf. Gesichert ist diese Annahme aber
bislang nicht. Helbeck hält diese Annahme ebenfalls für möglich und
deutet passende Bodenstrukturen an.
Durchgänge:
Landwehrdurchgänge sind überliefert auf Hatzfeld und beim Schlippenhof
beim heutigen Alten Markt. Mit Sicherheit wird es einen Durchgang bei
Beyenburger Brücke gegeben haben, wo die bedeutende mittelalterliche
Heer-, Handels- und Pilgerstraße zwischen Dortmund und Köln die Wupper
überquerte. Ein in der Urkatasterkarte namens Frankenbaum eingezeichnete
örtlichkeit auf dem Marscheider Berg könnte auf einen Schlagbaum (also
Landwehrdurchgang) hinweisen. Bei Wuppertal-Herbringhausen existiert
eine Flur Vor dem Baum an der parallel laufenden Elberfelder
Landwehr, die auch auf einem Schlagbaum hinweist. Vermutlich gab es
ein Pendant zu diesem Durchgang in der nur wenige hundert Meter weiter
nördlich verlaufenden Barmer Landwehr am gleichen Weg. An der Beyenburg
selber ist ein Schlagbaum durch im dem Lagerbuch von 1566 niedergeschriebenen
Streit über den Hochwasserschutz belegt.
Bodenfunde:
Erkennbar erhaltene, denkmalgeschützte Wallreste mit Unterbrechungen
befinden sich im Barmer Wald zwischen der Lönsstraße und dem Murmelbach.
Im Marscheider und Herbringhauser Wald sind ebenfalls noch vereinzelt
stark verschliffene Wallreste vorhanden.
Entstehungszeit und -zweck:
Die sich im Laufe der Zeit verändernden spätmittlelalterlichen
Besitzverhältnisse Bergs, Marks und Kurkölns innerhalb des Barmer
Hofesverbandes lassen vielfältige Deutungen über Entstehungszeit und
-Zweck zu. Aber auch eine Entstehung vor der bergisch-märkischen
Territorialbildung im Früh- oder Hochmittelalter wurde diskutiert.
Da sie am Westufer von Leimbach und Fischertaler Bach bzw. am Südufer
der Wupper verlief, war sie den gegen Osten bzw. Norden gerichtet, die
Bedrohung wurde dort her kommend gesehen. Das führt zu der Annahme,
dass der territoriale Besitzer Unterbarmens sie zum Schutz des Gebietes westlich/südlich
davon erbaute. Innerhalb Barmens liegt sie an der alten Kirchspielgrenze,
die schon vor dem Bergisch-Märkischen Einflussnahme vorhanden war und
es liegt weiterhin die Vermutung nahe, dass eben diese Grenze mit der
Landwehr gesichert wurde.
In Folge der fränkischen Landnahme der rechtsrheinischen Hochflächen
ab den 8./9. Jahrhundert gehörte die Wuppertaler Region zu den Randgebieten
der fränkischen Gaugrafschafen (auch Gografschaften, kurz Gaue) Ruhr-,
Deutz- und Keldachgau, die im Herrschaftsbereich der Ezzonen lagen.
Ab dem 10. Jahrhundert war die Region kirchenrechtlich in die Dekanate Neuss
und Lüdenscheid unterteilt, deren Untereinheiten, die Kirchspiele Elberfeld
und Schwelm, hier aneinander grenzten. Die Dekanate unterstanden den
Kölner Erzbischöfen, die bis in das 11. Jahrhundert als kaiserliche
Beamte für die Verwaltung des Gebietes zuständig waren, während die
Gografen (Gaugrafen) das oberste Richteramt inne hatten. Der Erzbischof
von Köln bzw. seine Pfarreien waren darüber hinaus auch Grundbesitzer
einiger der in Barmen befindlichen Höfe (Allodialbesitz) - andere Höfe
waren Freigüter und gehörten den dortigen Bauern, denn teilweise bestanden
schon Besiedlungen durch sächsische oder den Sachsen untergeordnete
bzw. sich ihnen angeschlossene Volkstämme aus dem 8. und 9. Jahrhundert.
Die Ravensberger Grafen besaßen als Nachfahren der Ezzonen Barmer
Höfe zu beiden Seiten der Kirchspielgrenze. 1244 erwarben die Bergischen
Grafen, die als Vögte dem Dienstadel der Kölner Erzbischöfe entstammten,
die Barmer Villikation mit diesen Höfen und waren nun neben dem Erzbischof von Köln dort ebenfalls
Grundbesitzer. Nach der Schlacht von Worringen 1288 und der militärischen
Auseinandersetzung auf der Seite des Königs Albrecht
I. gegen den Kölner Erzbischof Wigbold
von Holte verlor Kurköln sukzessive Gebiete und Allode an Berg
und Mark; so das gesamte Kirchspiel Schwelm an Mark in der Zeit zwischen
1301 und 1324. Die bergischen Grafen sahen sich nun folgender Situation
ausgesetzt: Das Kirchspiel Elberfeld gehörte noch dem Erzbischof, war
aber an dessen Ministeriale verpfändet. Das Kirchspiel Schwelm war
bis spätestens 1324 kurkölnisch, ab dann aber märkisch. Mitten drin
lag der eigene bergische Allodialbesitz, der sich auf Elberfelder und
Schwelmer Kirchspielgebiet verteilte und rechtlich zur ebenfalls 1324 von Mark eroberten Freigrafschaft Volmarstein gehörte. Die zweite große Barmer Villikation unter dem Oberhof Wichlinghausen wurde erst 1384 von Mark erworben, so dass es ab diesem Zeitpunkt auch Allodialbesitzer in diesem Bereich war, auch mit einzelnen Höfen im hauptsächlich zu Berg gehörenden Bereich Unterbarmens.
Mit dem Allodialbesitz war aber noch kein Territorialbesitz verbunden und erst irgendwann ab 1301
wurde Berg im Bereich zwischen Elberfeld und der Kirchspielgrenze, also
Unterbarmen, vermutlich auch der Territorialbesitzer. Unter der Annahme,
die Ober- und Unterbarmen teilende Landwehr wäre bergischen Ursprungs,
so könnte sie frühestens ab 1300 gebaut worden sein, als Berg den
Grund hatte sich territorial von dem kurkölnischen oder märkischen
Schwelm abzugrenzen. Dafür spricht auch, dass die Elberfelder Landwehr,
die Unterbarmen von Elberfeld schied, dem Anschein nach gegen das kurkölnische
Elberfeld gerichtet gewesen war; da sie an der Ostgrenze der Freigrafschaft Volmarstein verläuft, kann sie aber auch eine Grenzsicherung der Freigrafschaft gewesen sein.
Der Landwehrbau könnte das ab 1301
bergisch beherrschte Unterbarmen also nach beiden Seiten abgesichert
haben. Spätestens ein paar Jahre nach der bergisch-märkischen Auseinandersetzung
in Folge der Schlacht von Kleverhamm 1397 wurde die Landwehr zumindest
als bergisch-märkische Grenzlinie obsolet - die Territorialgrenze verschob
sich aufgrund von militärischen Erfolgen oder aufgrund einer Einigung dauerhaft ab 1400
nach Osten an die Bäche Schellenbeck und Schwarzbach. Das könnte der
Zeitraum gewesen sein, wo die Landwehr innerhalb von Barmen aufgegeben
sein könnte. Eine neue Landwehr entlang der neuen Grenze ist nicht gesichert, daher ist eine weitere Nutzung als zurückgenommene Grenzsicherung
bis in das 16. Jahrhundert nicht unwahrscheinlich, wobei sie laut der
Urkundenlage aber bereits zu dieser Zeit lückenhaft war und nicht mehr
allzu gut Instand gehalten wurde. Gerd Helbeck ist allerdings der Auffassung, das an der Schellenbeck auch ein Landgraben bestanden hat.
Im Abschnitt vom Murmelbach zur Beyenburg müssen wir andere Verhältnisse
betrachten. Das Gebiet südlich der Landwehr ist schon seit dem 12.
Jahrhundert als bergischer Besitz beurkundet und gehörte zum Bergischen
Amt Bornefeld, ab 1407 zum vermutlich zwischen 1355 und 1399 gegründeten Amt Beyenburg,
zu dem auch Barmen gehörte. Mit ihr konnte das bergische Kernland entlang
der Wupper gegenüber dem kurkölnischen, später märkischen Schwelm
jenseits der Wupper geschützt werden. Allerdings ist der Wall im Gegensatz
zu der nur wenige hundert Meter dahinter parallel verlaufenden Elberfelder
Landwehr weitaus schlechter erhalten, so dass man geneigt ist, eine
frühe Anlage und auch Aufgabe der Linie anzunehmen.
Der Theorie, dass die Landwehr ein bergisches Bauwerk ist, wird vor
allen von früheren Forschern nicht geteilt, aber auch Justus Bockemühl meldete Ende des 20. Jahrhunderts Zweifel an. Die Landwehr als
fränkisch-sächsische Grenzlinie anzunehmen geht aber von der
Vorraussetzung aus, deren Gebiete wären durch eine wohldefinierte
Grenze getrennt gewesen. Tatsächlich handelte es sich im Frühmittelalter
um einen Grenzsaum innerhalb größtenteils unbesiedelten Raumes,
in den vereinzelte Angehörige sächsischer und fränkischer
Volksstämme als Pioniere Siedlungsplätze gegründet hatten.
Der notwendige Organisations- und Besiedlungsgrad für den Landwehrbau
bildete sich erst im 10. Jahrhundert aus.
Hier springt Bockemühl in die Kerbe und regt eine Entstehung im 10. oder 11. Jahrhundert an, und zwar in Form als Grenzsicherung der Landdekanate. Diese Absicherung soll gegenseitig erfolgt sein, zwei parallele, sich gegenüber stehende Landwehren mit einem breiten Niemandsland dazwischen an den Dekanatsgrenzsäumen verhinderten den Angriff sowohl von der einen, als auch von der anderen Seite. Mit dieser Annahme erklärt er das Vorhandensein der parallelen Landwehrlinien am Ostrand des Bergischen Landes wie z.B. hier die Barmer Landwehr und die Elberfelder Landwehr. oder weiter südlich der Elberfelder Landwehr und der Linie Ispingrade-Horpetal. Mit seiner Theorie ließen sich die bislang zu unbekannten Zweck errichtete Landwehr östlich von Solingen-Ohligs als Dekanatsgrenze zwischen Deutz und Neuss, aber auch zahlreiche andere Landwehren im westfälischen Raum erklären. Laut Bockemühl lief die Barmer Landwehr auch nicht nach Beyenburg, sondern übersprang beim Herbringhauser Bach die Wupper und verlief dann auf der rechten Flussseite weiter parallel zur Elberfelder Landwehr. Die kurze Landwehr bei der Hölzernen Klinke oberhalb der Beyenburg deutet er als mögliches Teilstück dieser Linie an.
Ein starkes Argument für
einen vor-bergischen Bau liefert der Name Barmen selbst. Das erstmals
1070 als Barmon in einer Abgabenliste des Klosters Werden erwähnte
Barmen wird von einigen etymologisch als Wall, Erdhaufen gedeutet. Der
altsächsische Wortstamm Berm, Barm findet sich auch im Begriff
Heubarme (Hauhaufen) wieder, so das hier von den Höfen am Erdwall
die Rede sein könnte. Als Berg 1244 die Bona de Barme erwarb
könnte die Übersetzung ebenfalls statt Güter in Barmen auch Güter am Erdwall lauten. Bockemühl deutet die Etymologie anders: Ahd. brama; mhd. brame = Dornstrauch (vgl. Brombeere; engl. broom) wurde nach einer Lautumstellung (vgl. auch Bronnen (Brunnen) zu Born) zu Barme. Auch bei dieser Herleitung steht die Landwehr als namensgebendes Element (Gedörn) im Mittelpunkt.
Hermann Hinz gibt weiterhin zu bedenken,
dass die Barmer Höfe offenbar bereits vor 1244 zu beiden Seiten
der Landwehr lagen, so dass eine spätere Grenzziehung, die dann
die östlichen Höfe außerhalb des Schutzes gelassen hätte,
nicht so recht vorstellbar sei. Die Markgenossenschaft des Hofesverbands
war 1244 längstens durchorganisiert und wäre so künstlich
geteilt worden. Die Landwehr ist seiner Meinung nach vor der Bildung
des Hofesverbands somit um 750 in die Zeit der fränkisch-sächsichen
Grenzziehung zu sehen und schützte somit den fränkischen Tafelhof
Elberfeld. Dem gegenüber steht die Tatsache, dass der urkundlich
nachweisbare Landwehrbau sämtlich zur Zeit der Territorialwerdung
im Spätmittelalter stattfand und auch andere, benachbarte Bauwerke
nur in diesem Kontext Sinn machten.
Fazit: Wenn man die unbelegbare Theorien außen vor läßt, die Barmer
Landwehr könnte bereits ein Grenzbollwerk zwischen den Franken und
den Sachsen aus dem 7. bis 10. Jahrhundert oder ab dem frühen Hochmittelalter
eine Trennlinie der beiden kurkölnisch beherrschten Dekanaten gewesen
sein und annimmt, die Landwehr sei wie andere mit nachweisbarer Bauzeit
in Deutschland in der Zeit der Territorialbildung ab dem 13. Jahrhundert
entstanden, so kann sie nur von den bergischen Herzögen angelegt worden
sein, die sich entweder gegen Kurköln oder Mark absichern wollten.
Ein bergischer Territorialschutz war aber erst kurz nach der Wende zum
14. Jahrhundert nötig, da bis dahin die bergischen Grafen keine Territorialherrschaft
über Barmen ausübten, sondern nur im Besitz einzelner Höfe waren.
Etwas differenzierter ist das Bild im sich anschließenden Abschnitt
vom Murmelbach zur Beyenburg. Zwar war das Gebiet der angrenzenden Honschaft Erbschlö
seit 1189 nachgewiesenermaßen Teil des bergischen Kerngebiets und lag
im Amt Bornefeld, aber ob dieser Landwehrabschnitt früher als oder
zeitgleich mit dem in Barmen errichtet worden ist, ist damit noch nicht
geklärt. Eine Besiedlung des Gebietes fand vermutlich erst ab dem 16. Jahrhundert statt, da es keine früheren Belege der dortigen Höfe gibt. Da die Beyenburg (1304, bzw. 1336 erstmals erwähnt), der
Endpunkt der Linie, erst relativ spät errichtet worden ist und es auch
keine Hinweise auf eine Landwehr am Murmelbach entlang der Grenze zu
Barmen in Richtung Elberfeld bekannt sind, wird sie vermutlich nicht
vor dem Abschnitt durch Barmen enstanden sein. Denn wenn es sich um
eine ältere Außenlandwehr des Amtes Bornefeld gehandelt hätte, dann
wäre auch ein Abschnitt entlang der gesamten Grenze zu den nordöstlichen
Nachbargebieten zu erwarten gewesen, der mit der Einverleibung Barmens
in das bergische Herschaftsgebiet dann aufgegeben wurde. Von einem solchen
Abschnitt entlang der Grenze zu Barmen ist aber nichts bekannt, so dass
die gesamte Barmer Landwehrlinie in einem Zeitraum erbaut worden sein
dürfte. Auch war der Schutz entlang der Wupper erst notwendig, als
nicht mehr der kurkölnische Dienst- und Lehnsherr der bergischen Grafen
im gegenüberliegenden Schwelmer Kirchspiel Territorialherrscher war
(bis 1324), sondern als ihre befeindete Seitenlinie, die Grafen von
der Mark, dort herrschten.
Literatur:
- Wilhelm Engels: Die Barmer Landwehr, In: Zeitschrift des Bergischen
Geschichtsvereins, Band 63, 1935, S. 87-90
- Wilhelm Engels: Die Landwehren in den Randgebieten des Herzogtums
Berg. In: Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins, Bd. 66,
1938
- Justus Bockemühl: Adelsüberlieferung und Herrschaftsstrukturen, Bergischer Geschichtsverein, Abt. Remscheid e.V., 1987, ISBN 3-924224-07-2, S. 64ff
- Walter Dietz: Barmen vor 500 Jahren - Eine Untersuchung der Beyenburger
Amtsrechnung von 1466 und anderer Quellen zur frühen Entwicklung des
Ortes Barmen, In: Beiträge zur Geschichte und Heimatkunde des Wuppertals,
Born-Verlag, 1966, S. 23ff
- Gerd Helbeck, Beyenburg - Geschichte eines Ortes an der bergisch-märkischen
Grenze und seines Umlandes, Band I (Das Mittelalter: Grundlagen
und Aufstieg), ISBN 978-3-9811749-1-5, S. 131ff
- Emil Wahl: Die Barmer Landwehr, Wuppertal, 1959
- Gottfried Dütschke: Barmen. An der Landwehr
- Gustav Löns: Landwehren in Wuppertal, 1968
- Anton Fahne: Die Landwehr oder der Limes Imperii Romani am Niederrhein.
In: Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins, Bd. 4, 1867, S. 30-32
Kartenwerke:
- Urkatasterkarten von 1805-1825
- Stadtplan von Wuppertal aus dem Jahr 1930 in dem Bergischen Städteatlas
2004 (Verlauf als Flurstück im Herbringhauser Wald)
- Stadtplan Wuppertal 1:10.000, Stand Oktober 1963 (Verlauf im Herbringhauser
Wald fälschlicherweise als existierende Landwehr eingezeichnet)
- DGK5 (Verlauf als Flurstück im Herbringhauser Wald)
Quellen:
- Rentmeistereirechnung Beyenburg-Barmen von 1559/60, 1771/72 und 1806/07
- Herzoglicher Kommisionsbericht zur Landwehrvermessung von 1696
- Barmer-Beyenburger Lagerbuch 1597-1743
- Akten Jülich-Berg: Hofkammer, Domänen, Generalia Nr. 17 II
- Index über die Morgenzahl in dem Hofesgericht Barmen von 1642
Weblinks:
Anmerkungen:
Geodaten:
| Rote
Linie: |
Durch Bodenfunde oder Kartierung nachgewiesener Verlauf. |
| Gelbe
Linie: |
Durch Quellen und Urkunden belegter, wahrscheinlicher
Verlauf. |
| Grüne
Linie: |
Mögliche Spuren eines Gebücks. |
| Orange
Linie: |
Aus dem Luftbild erkennbare Boden- oder Vegetationsveränderungen
aufgrund von Bodenverdichtungen. |
| Lila
Linie: |
Vermuteter, bislang nicht belegter Verlauf. |
(jm)
|