Barmer Landwehr

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Die Barmer Landwehrlinie

Lage

Innerhalb des Stadtgebiets im Osten und Südosten von Wuppertal.

Einführung

Die Barmer Linie trennte das Gebiet des heutigen Wuppertaler Stadtteils Barmen in zwei Teile, Niederbarmen (Unterbarmen) und Oberbarmen. Im Spätmittelalter bestand Barmen nur aus einem lockeren Verband von Einzelhöfen hauptsächlich im Besitz der Grafen von Berg und von der Mark, die zu beiden Seiten der Kirchspielgrenze Elberfeld zu Schwelm lagen. Die Grenze zwischen Berg und Mark verschob sich aber im 14. Jahrhundert mehrfach, mehr dazu im Abschnitt Enstehungszeit und -Zweck. Der spätere zentrale Siedlungskern, Barmen-Gemarke, entstand erst in der späteren Neuzeit und wurde zuvor von der Landwehr zerschnitten.

Dieser mittelalterlichen Kirchspielgrenze, die auch Dekanatsgrenze zwischen den Dekanaten Lüdenscheid und Neuss war, folgte die Landwehr von den Wuppertaler Nordhöhen durch das Tal der Wupper bis zu den Wuppertaler Südhöhen. Dort endete auch das als Barmen bezeichnete Gebiet am Murmelbach. Die Landwehr aber verlief entlang der Wupper weiter durch das Waldgebiet Olscheid bis zur im dreissigjährigen Krieg zerstörten Beyenburg im gleichnamigen Wuppertaler Ortsteil. Die Beyenburg war herzogliche Residenz und Verwaltungssitz des Amts Beyenburg, zu dessen Gebiet auch überwiegende Teile des heutige Barmens, sowie das Gebiet des Olscheids (heute Bereich Herbringhausen/Marscheid) gehörte.

Verlauf

Der nachweisliche Beginn liegt im Wuppertaler Ortsteil Hatzfeld in der Nähe der Kreuzung Hatzfelder Straße / Uellendahler Straße. Hier wird laut Engels auch eine Durchgangstelle mit Schlagbaum als Straßensperre angenommen. Aufgrund der Beyenburger Amtsrechnung von 1806/07 ist bekannt, dass die Landwehr sich nach Norden bis zur märkischen Grenze bei Horath oder der Horather Schanze fortgesetzt hat, aber es gibt keinerlei Bodenfunde, Flurgrenzen oder Toponyme, die den exakten Verlauf belegen. Aus Pachtunterlagen von 1807 geht aber hervor, dass zwei Höfe nördlich der Hatzfelder Straße 42 bzw. 14 Ruten der Landwehr gepachtet hatten. Bei Horath könnte sie nach weiteren Spekulationen mit der Elberfelder Landwehr, einer angeblichen Landwehrlinie Horath - Haßlinghausen und/oder einer Linie entlang dem Deilbach zusammengetroffen sein. Über letztere Landwehrlinie ist mir bis auf das Vorhandensein noch nicht konkretes bekannt, während die Existenz der Landwehrlinie Horath - Haßlinghausen trotz einer Veröffentlichung stark hinterfragt werden muss. Über den Verlauf der Elberfelder Landwehr im Bereich des nördlichen Wuppertals gibt es drei nachvollziehbaren Theorien, von denen zumindest eine ein Zusammentreffen ermöglichen würde.

Der Verlauf nach Süden ist dagegen gesichert. Im Abstand von 40-80 Metern verlief die Barmer Linie westlich der Hatzfelder Straße nach Süden. Dabei wird die Ortslage Lante durchschnitten. Der Name Lante selbst ist sehr wahrscheinlich eine Ableitung von Lantert, das als mittelalterliche Bezeichnung für den Begriff Landwehr bekannt ist. In Höhe der alten Hatzfelder Schule bei Lante waren im 19. Jahrhundert noch Wall/Grabenreste zu erkennen. Richtung Südosten verlief sie laut dem Index über die Morgenzahl in dem Hofesgericht Barmen von 1642 zwischen den Höfen der Rotte Carnap und der Rotte Leimbach.

Oberhalb der Gutes Beesen bei dem Hof Carnap sollen aber im 19. Jahrhundert ebenfalls noch Reste eines Walls zu erkennen gewesen sein. Ist dem so tatsächlich gewesen und waren diese auf alten Karten auch eingezeichneten Strukturen kein Hohlweg, dann blieb die Landwehr bis dahin westlich der heutigen Hatzfelder Straße und bog in Höhe der heutigen A46 nach Osten zum Unterlauf des Leimbach ab. Dort folgte sie dem Westufer des Leimbachs bis zu dessen Mündung in dem Seitenarm der Wupper, der später als Mühlengraben genutzt wurde. Von dort führte die Landwehr weiter bis zur Wupper. Dieser gesamte Bereich ist sehr stark bebaut und als einziges Indiz der Landwehr am heute verdohlt verlaufenden Leimbach kann nur die Landwehrstraße, eine Seitenstraße des Steinwegs, und der Landwehrplatz dienen.

Nahe der Wupper stand der Oberhof Barmens, der das lokale Verwaltungszentrum der bergischen Landesherrn für die umliegenden Hofschaften bildete. Dieser 1902 abgerissene Hof trug den Namen Dörner Hof, von dessen Standort nur noch die Straßennamen Oberdörnen und Unterdörnen zeugen. Der Name Dörner Hof ist ein deutlicher Hinweis auf die Lage an der Landwehr und nimmt Bezug auf deren Gedörn. Ein weiterer Hof an der Leimbachmündung, der Schlippenhof, markiert die Stelle, wo sich ein Durchgang befand, da ein kleiner Personendurchgang durch eine Landwehr nach Engels auch als Schlippe bezeichnet wurde.

Bis hierhin ist durch die dichte Bebauung im Zentrum Barmens und die Umgestaltung des Geländes in den Barmer Anlagen kein erkennbarer Rest der Landwehr erhalten geblieben. Nur aus Quellen wie dem herzoglicher Kommissionbericht zur Vermessung und Verpachtung der Landwehrfluren aus 1696 und anderen Verwaltungsakten (Beyenburger Rentmeistereirechnungen) geht der Verlauf grob hervor. Als die herzogliche Kommission, ausgesandt von Herzog Johann Wilhelm von Berg (Jan Wellem), die Landwehr vermessen sollte (die Trasse war seit alters her ja herzoglicher Besitz), um sie zum Füllen der stets knappen Staatskasse an die ansässigen Bauern zu verpachten (bzw. nun Pacht von den Bauern zu fordern, die sie schon längst selbst nutzten), stieß sie schon Ende des 17. Jahrhunderts bei der Ermittlung des genauen Verlaufs auf Probleme. Es wurden von der Kommission über 70 Jahre alte Zeitzeugen befragt, die den Verlauf noch aus ihrer Jugend in der Zeit des dreißigjährigen Krieges kannten. Bereits um 1500 war von der Landwehr im Bereich der Wupperquerung, wie aus den Aussagen von Anliegern in der Beyenburger Rentmeistereirechnung von 1559/60 hervorgeht, bis auf Reste (Grabenstück und Baumstümpfe des Gebücks) nichts mehr vorhanden.

Die Landwehr endete in der sumpfigen Wupperaue und setzte sich südlich des Flusses fort. Hier folgte sie auf westlicher Seite dem Lauf des Fischertaler Bachs, der früher nach der im Tal an der Mündung gelegenen Hofschaft Clef Clefbach oder Clever Bach genannt wurde, hinauf zu den Wuppertaler Südhöhen. Aus Wegerechtsakten von 1803/04 geht hervor, dass der Fischertaler (Clever) Bach teilweise selbst den Graben der Landwehr als Bachbett nutzte. Bereits im 16. Jahrhundert ist laut einem Bericht vom 18. Februar 1566 Wasser aus der Landwehr entnommen worden - die Landwehr muss also sehr nahe am Bachlauf gelegen haben, damit der Bach sein Bett in sie verlegen konnte. Auch im Fischertal war laut Adolf Werth im 19. Jahrhundert noch ein Wallrest an der Einmündung der Amalienstraße in die Fischertaler Straße zu finden. 1846 sollte, wie aus einer Eingabe hervorgeht, ein Teil der Landwehr mit der heutigen Fischertaler Straße überbaut werden. Durch die heutigen Barmer Anlagen führte sie weiter hinauf zu der heutigen Lönsstraße zwischen dem Ehrenfriedhof und dem Toelleturm.

Die Unkenntnis über den exakten Verlauf endet knapp südlich der Lönsstraße, wo tatsächlich ein ca. 250 Meter langes Stück des Landwehrwalls im Barmer Wald erhalten blieb. Dieses heute als Bodendenkmal geschütze Stück setzt sich nach Süden fort und wendet sich in Kurven dem Murmelbach (früher auch Marper Bach, Marpebach oder schlicht Marpe genannt) zu, wobei der erhaltene Wall immer bruchstückhafter und verschliffener wird, je weiter man sich dem Bach nähert. Der Bach war die Grenze zwischen Barmen und dem Gerichtsbezirk Lüttringhausen, beide ab 1407 dem Amt Beyenburg angehörend. Ca. 50 Meter vor dem Bachlauf endet dann jede Spur des Walls. Unmittelbar hinter dem Adolf-Werth-Gedenkstein ist sie mit am ausgeprägtesten. 1704 maß der Landvermesser Schophopf die "mit Sträuchern und Blumen" bestandene Landwehrflur zwischen der Wupper und dem Murmelbach auf vier Morgen und zehn kölnische Ruten. Zum Ausgleich der Nutzung vergüteten die Barmer Markgenossen dem Landesherrn diese Fläche mit drei Morgen Wald im Dickter Busch.