Diese Landwehr ist im Abschnitt Ispingrade-Stoote in einer Akte der
bergischen Hofkammer von 1801/02 erwähnt und wird mit einem Ausmaß
von 9,5 Morgen und 23,75 Ruthen angegeben. Dieses schmale Flurstück,
das nach Angaben seines Pächters nur zur Gewinnung von Einstreu taugen
würde, war in dieser Zeit an einen Philip Bockhacker zu Herweg verpachtet.
Als 1809 das Stück an Bockhacker neu verpachtet werden sollte, bekam
dieser die Auflage, es auf eigene Kosten vermessen zu lassen. So entstand
eine detailierte Verlaufskarte des Herweger Landvermessers Johann Arnold
Buchholz, die sich heute im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf befindet.
Der erste physische Nachweis der Landwehrlinie gelingt im Wiebachtal
östlich des Radevormwalder Weilers Ispingrade. Ein erkennbarer Einzelwall
endet dort abrupt an der südlichen Steilkante des Bachlaufs, der erkennbar
Material des Erdwerks abgetragen und fortgepült hat. Genau an diesem
Punkt mündet ein Rinnsal mit dem bezeichnenden Namen Landwehrsiepen
in den Wiebach. Dieser Siepen war Grenzgewässer zwischen der bis 1260
unabhängigen Grafschaft Hückeswagen und dem kurkölnischen Radevormwalder
Gebiet und nach Erwerb der Hückeswagener Grafschaft durch Berg die
Grenze zwischen dem bergischen Amt Bornefeld-Hückeswagen und dem 1301
ebenfalls von Berg annektierten Radevormwald. Radevormwald wurde gegen
Ende des 14. Jahrhunderts schließlich Bestandteil des neu gegründeten
Amtes Beyenburg. So verwundert es nicht, dass der erkennbare Landwehrwall
am Siepen entlang dieser alten Territorialgrenze folgte, die aber später
unter bergischer Herrschaft zu einer inneren Amtsgrenze herabgestuft
wurde. Da in Gegenrichtung diese Grenze ab der Einmündung des Siepens
dem Wiebach in Richtung Wupper folgte, liegt die Spekulation nahe, auch
die Landwehr sei dem Bach am südlichen Ufer bis zur Wupper gefolgt.
Es gibt aber bislang weder urkundliche noch archäologische Belege,
die diese Vermutung stützen können.
Der als Bodendenkmal geschützte Wall überquert wenige Meter nach
dessen Beginn einen Waldweg, verläuft ca. 200 Meter unmittelbar am
Landwehrsiepen entlang durch den Wald und mündet in einer Weide oberhalb
des Hofes Kirschsiepen, auf der der Wall naturgemäß eingeebnet wurde.
Im gedachten weiteren Verlauf oberhalb der Weide kreuzt er eine kleine
Anliegerstraße zwischen Radevormwald und Hückeswagen, auf die wir
gleich noch näher eingehen werden. Engels berichtet noch von einer
Wallhecke, die vom Waldrand über die Weide auf die Straße zugestrebt
ist. Auch der Landwehrsiepen entspringt auf dieser Weide.
Auffallend ist beim Übergang vom Wald in die Weide das Vorhandensein
eines weiteren kurzen, aber hohen Walls, der im spitzen Winkel auf die
Landwehr zuläuft und diese auf der Weide theoretisch schneiden würde.
Auch erscheinen südlich davon die Geländeformen mit drei absolut parallel
verlaufenden Quellsiefen und den gleichmäßigen Erhebungen dazwischen
als unnatürlich. Der zweite Wall und womöglich die Geländeformen
sind wohl Teil eines besonders gesicherten Landwehrdurchgangs, auf dem
heute die kleine Anliegerstraße verläuft. Im Mittelalter war der kleine
Weg die Hauptverbindung zwischen den beiden Orten Radevormwald und Hückeswagen
und, wie der Name des nahen Weilers Herweg auf Hückeswagener
Seite belegt, ein Handels- und Heerweg.
Die heutige Bundesstraße 483, die im südlichen Bereich teilweise
auf dem alten Heerweg verläuft, umgeht heute diesen Abschnitt der Altstraße
aber in östlicher Richtung, so dass der Landwehrdurchgang im Gegensatz
zu anderen vergleichbaren Durchgängen nicht durch eine breite moderne
Straßenführung überbaut wurde. So hat sich hier abseits der modernen
Verkehrströme noch gut die umfangreiche Sicherung des Landwehrdurchgangs
mit seinen zahlreichen, sternförmig in alle Richtungen abgehenden oder
die Wege begleitenden Wällen erhalten. Das dieser Durchgang einen Schlagbaum
besaß, belegt die Flur Am Schlagbaum, die östlich an den
Durchgang angrenzt.
Östlich der Straße setzt sich der Wall der Landwehr zunächst mehr
als Geländestufe, dann aber nach wenigen Dutzend Metern gut erkennbar
durch den Wald fort und verläuft am Waldrand entlang eines Feldes.
Mit dem Ende des Walds geht die Landwehr eingeebnet in das Feld über
und läuft im spitzen Winkel auf die heute Bundesstraße 483 bei dem
Flecken Marke zu, wo sie unkenntlich die Straße überquert.
Das der Ortsname Marke, der von dem mhd. Wort marc, march
(= Grenze) abstammt und auch in Form des Begriffs Grenzmark geläufig
ist, auf die Landwehr oder die durch sie geschützte Grenze zurückzuführen
ist, darf man wohl getrost annehmen. Da auch jenseits der Bundestraße
Felder sind, ist der Verlauf auf der südlichen Seite nicht direkt erkennbar.
Ein Blick auf eine Karte gibt schnell den entscheidenden Hinweis: Ein
Siepen namens Rothlingsbeek, der in einem schmalen bewachsenen Geländestreifen
in östliche Richtung verläuft, ist als Landwehrtrasse leicht zu identifizieren.
Zum Beweis finden sich im angrenzenden Wäldchen (und dort an dessen
östlichen Rand) im Bereich des Siepens oberhalb der Quelle auf ca.
15-20 Meter Länge gut erkennbare Reste des kurvigen Walls. Im sumpfigen
Siepen selbst ist ein Wall nur ansatzweise oder gar nicht erkennbar,
wozu auch die Anlage eines Fischteiches und einer Hütte beigetragen
hat.
Der Siepen mündet im Scheuerbach, die Landwehr überwand das Gewässer
und setzte sich in Ost-Nord-Ost Richtung den Hang des Röthlingsbergs
hinauf fort. Im Hang ist der Wall schon wenige Meter hinter dem Scheuerbach
sehr gut zu erkennen und bald mehr als einen Meter hoch. Es hat auch
den Anschein, als ob es sich an dieser Stelle um einen Doppelwall gehandelt
haben könnte, wobei der zweite Wall heute - falls dem tatsächlich
so war - bis beinahe zur Unkenntlichkeit verschliffen ist. Gut erkennbar
jedenfalls ist nur ein einzelner Wall, der sich durch den Wald zieht
und abrupt von einem breiten Waldweg durchbrochen wird. Diese Waldweg
ist für die Belange der modernen Forstwirtschaft unlängst verbreitert
worden, wobei ausgerechnet in Höhe des Walls wohl mittels schweren
Maschinen die vom Weg weggeschobene Erde seitlich aufgehäuft wurde.
Hinter dem Waldweg macht die Landwehr einen Richtungswechsel nach Südosten,
setzt sich aber auch hier als deutlicher Wall fort. Von dieser Stelle
an ist die Landwehr auch Stadtgrenze zwischen Radevormwald und Hückeswagen,
die anliegende östliche Flur trägt den bezeichnenden Namen An der
Landwehr. Auffallend ist, dass der Wall auch hier nicht geradlinig
verläuft, sondern sich in kleinsten Kurven durch den Wald windet, obwohl
das Gelände einen solchen Verlauf nicht erzwingt. Nach ca. 250 Metern
wendet sich der Landwehrwall nach Süden, verläuft dort weitere 250
Meter durch den Wald und wendet sich scharf nach Westen um dem kleinen
Bruchfelder Siefen zu überqueren, der den Wall kurz unterbricht. Hinter
dem Siefen wendet sie sich wieder nach Süden, überquert einen schmalen
Waldweg und verläuft an der östlichen Flanke des Scheuerbergs in Richtung
Lichteneichen bzw. Stoote. Wenige Metern hinter dem Waldweg zweigt ein
zweiter Wall in westlicher Richtung ab, wendet sich anschließend ebenfalls
nach Süden und endet nach 200-300 Metern an einer Weide. Dieser Abzweig
wird in der Literatur bislang noch nicht erwähnt und verdient daher
später eine gesonderte Betrachtung. Die Hauptlinie veräuft derweil
parallel westlich des Waldwegs auf die selbe Weide zu, wo der Wall am
Waldrand in Höhe von Hönderbruch endet.
Von Hönderbruch bis Stoote an der Bevertalsperre fällt das Gelände
ab. Die nun folgenden Weideflächen und Felder werden nur von zwei kleinen
Wäldchen unterbrochen, aber weder in diesen noch auf den agrarisch
genutzten Flächen sind mir Landwehrreste bekannt. Auf Luftaufnahmen
aus den dreissiger Jahren des 20. Jahrhunderts lässt sich vermutlich
der Verlauf über die kurze Weide ab dem Waldrand als Geländemerkmal
noch nachvollziehen. Ob die Landwehr nun in direkter Line auf Stoote
zulief oder der heutigen Stadtgrenze, die zunächst einen kleinen Bogen
nach Westen schlägt und sich dann Richtung Stoote wendet, folgte, bleibt
zunächst unklar. Bei der Stooter Mühle überquerte die Landwehr jedenfalls
die Bever und zog sich den gegenüberliegenden Hang hinauf. Die Bever
war hier die Grenze zu dem bergischen Amt Steinbach, so dass aufgrund
der anderen Quellenlage nun häufig von einer eigenen Landwehrlinie
Stoote-Horpetal die Rede ist. Nach Engels ist sie aber zweifelsfrei
die Fortführung der Landwehrlinie Ispingrade-Stoote.
Der Grund des Bevertals ist nun von der Bevertalsperre überflutet,
aber zwischen einen Waldweg am Südufer und der darauf folgenden Höhe
ist die Landwehr als deutlich ausgepägter, nach Süden verlaufender
und am Waldrand endender Doppelwall sehr gut zu erkennen. Auf der Höhe
ist ein Weg zwischen den beiden Wällen angelegt worden, der den westlichen
Wall kurz darauf druchbricht. Im anschließenden Feld westlich von Müllensiepen
verschwindet der Doppelwall in einem Feld, wobei Engels zumindest einen
Wall 1938 noch ca. 110 Meter links eines Wegs weiter folgen konnte.
Später wurde der Wall wie auch der Weg im Feld spurlos untergeflügt.
Der exakte weitere Verlauf ist mir aus eigener Anschauung zum Großteil
noch unbekannt. Das amtliche Verzeichnis der Landwehren im Amt Steinbach
von 1772 gibt über den groben Verlauf Aufschluss. Demnach verlief sie
folgendermaßen: Stooter Busch, Müllensieper Busch, Breitenweg, Piefershaus-Siepen,
Lütgenauerer Bach, Hasenburger Büsche, Stepgenshoffs Busch, Weyerhoffs
Busch, Neyer und Löher Vikarienbüsche, Fuschsiepen, Wilhlem Kausemann
Heidenbickenbusch, Birkensche Wiesen (Kausemannsbirken), Lütgenauer
Fußsteg am Neyefluß, Kleinblumberger Büsche, Landstraße (heute Wanderweg),
Hambüchener Kirchweg, Krautwiese, Hallesbicker Feld (heute Hassebick),
Voßkuhler Hof, Hönnigebach, Wupper, Weiher des Gerichtsschreibers
Fuhr, Stillinghauser Grund, Rönsahler Landstraße (heute die Stillinghauser
Straße in Wipperfürth), Stillinghauser Büsche, Nagelsbücheler Felder,
Vosbach, Scherkenbacher Grund, Voshofer Feld, Fasenbachs Wiese, Oelchens
Weiher, Oehlchens Wiese, Sonnenberger Wiese, Alter Weiher bei Sommerhaus,
Voshofer Busch, Bommerhauser Feld, Stüttener Büsche, Grassser Hof
(heute Graben), Wald "in der breiten Heid", Oberkemmerischer
Feld, Dörrenbacher Wiese, Bühlstal, Sülztal, Hammer des Wilh. Frielingsdorf
(1769), Brochhagener Büsche, Felder Wiese, Felser Busch, Müllerhofer
Busch, Sülz, Hammachers Scheune, Wendelin Brochhagens Feld, Brochhagener
Mühlenschlacht, Holler Busch, Holler Wiese, Holler Feld, Rübiger Büsche,
Büsche von Weyer, Labicker Gründe, Schlagbaum an der Fuhrstraße (Lindlar-Horpe-Remshagen),
Horper Wiese, Horper Siefen.
Text wird fortgesetzt ...