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Landwehren, was ist das?

Landwehren gehören erstaunlicherweise zu den eher unbekannten Einrichtungen aus dem Mittelalter. Während jedes Kind Ritterburgen kennt und der Interessierte wohl auch die eine oder andere, weniger romantisierte früh- oder hochmittelalterliche Ringwallanlage zu benennen vermag, so ist die Existenz der großräumig angelegten Landwehren nur sehr wenigen bewusst. Dabei waren diese (Grenz-) Sicherungsbauwerke im ganzen Bereich des heutigen Deutschlands seit dem Hochmittelalter eine alltägliche Einrichtung und noch heute finden sich mehr oder weniger gut sichtbare Spuren. Ein einfaches Indiz sind die Orts-, Flur- und Straßennamen wie (Am) Schlagbaum, (An, Auf, Hinter, Vor der) Landwehr, Dorn, Dörner, Dörnen, Landfer Landwehrbusch, Landwehrfeld, Landwehrwiese, Vor dem Baum, Vorm Baum, Lante, Lanfert, Laak, Lachbaum, Hölzerne Klinke, (Am) Knick, (Am) Grengel usw., die fast immer auf eines der alten Bauwerke hindeuten. Zahlreiche weitere Toponyme, die im einzelnen noch zu erläutern sind, weisen auch nach hunderten von Jahren als Flur- oder Ortsnamen auf eine nahe Landwehr oder eines ihrer integralen Bestandteile hin.

Zur Verwirrung führt vielleicht die Tatsache, dass es hauptsächlich im 19. Jahrhundert auch militärische Verbände namens Landwehr gegeben hat. Wir beschäftigen uns hier aber ausschließlich mit den als Landwehr, Landgraben, Landhege, Landhecke, Landhagen, Lantert, Stadtgraben, Stadthege oder auch Stadthagen bezeichneten Bauwerken und dies zunächst speziell in dem Bereich des historischen Herzogtums Berg, dem heutigen Bergischen Land, das für den Landwehrforscher recht ergiebig ist.

Der Schutzzweck ergab sich aus der mittelalterlichen Form der Kriegsführung, der Fehde. Konflikte zwischen Territorialherrscher wurden seltener mit massiven Truppeneinsatz in offenen Feldschlachten ausgetragen, üblich waren eher schnelle Vorstöße kleinerer berittener Gruppen, die in das Nachbarterrritorien einfielen und dort soviele Bauernhöfe wie möglich brandschatzten, die Ernte raubten oder vernichteten und das Vieh stahlen. Durch solche Aktionen wurde versucht dem Gegner die wirtschaftliche Grundlage zu entziehen. Die Ernte fehlte, der Landesherr musste den Wiederaufbau leisten und die überlebenden Hörigen anschließend bis zu deren wirtschaftlichen Erholung versorgen, denn dies war seine Verpflichtung gegenüber den Leibeigenen als Gegenleistung für deren Fron-, Hand- und Spanndienste. Formal reichte die zeitnahe Überbringung des sogenannten Fehdebriefs, um diese Raubzüge zu legalisieren.

Die mittelalterlichen Städte besaßen daher zum Schutz ihrer Bewohner meist eine Stadtmauer, die verläßlich die sich auf Fehde befindlichen Adeligen mit ihren Hilfstruppen, sowie sonstige vagabundierende, brandschatzende Räuber- und Mörderbanden (der Übergang zwischen beiden Gruppen war fließend und sie besaßen den gleichen verheerenden Effekt auf die Bevölkerung) auf Abstand hielt. Die Landbevölkerung dagegen, deren einzelne Gehöfte, wenn auch in Bauern- oder Honschaften organisiert, weit in der Landschaft verteilt waren, besaßen solch einen starken passiven Schutz zunächst nicht. Mit dem Aufkommen von Territorien im Hochmittelalter und des Fehdewesens sorgten aber die Territorialherrscher, meist Grafen, Herzöge oder Kirchenfürsten, systematisch für die Absicherung ihrer ländlichen Gebiete und Rechtsbezirke gegenüber dem häufig nicht wohlgesonnenen Nachbarn: Sie legten Lantweeren an.

Rest des Walls der Elberfelder Landwehr bei der Blombachtalbrücke in Wuppertal
Buchenrain auf der Elberfelder Landwehr bei Gangolfsberg bei Wuppertal-Beyenburg. Die Geländestufe ist der Rest des Landwehrwalls. Ob der heutige Bewuchs ein über Jahrhunderte gepflegter Rest des Gebücks ist, ist aber fraglich


Landwehren waren meist langläufige, im Einzelfall mehr als hundert Kilometer lange Befestigungslinien entlang den Grenzen mittelalterlicher Rechtsbezirke, Kirchspiele, Ämtern, Bauernschaften, Gehöften und/oder Territorien. Sie bestanden in der Regel aus einem oder mehreren mehrere Meter hohen Wällen. Davor, dahinter und dazwischen befanden sich tiefe Gräben, aus deren Aushub die Wälle aufgeschüttet wurden. Im flachen Land waren die Gräben auch mit Wasser gefüllt, teilweise wurden auch natürliche Fließgewässer verwendet oder umgestaltet. Wo es ging, wurden natürliche Bachläufe oder sonstige Geländemerkmale wie Hänge, Siepen oder Felsen als sogenanntes Annäherungshindernis an die Landwehr ausgenutzt. So wurde sie z.B. im oberen Bereichen eines Hangs angelegt, damit eine Annäherung aus dem Tal durch den Aufstieg erschwert wurde. Gleiches gilt auch für Wasserläufe, die zuerst überwunden werden mussten, bevor die dahinter stehende Landwehr erreicht werden konnte.

Der Verlauf einer Landwehr richtete sich so meist nicht nach einer auf dem Reissbrett definierten Linie, sondern nach den vorteilhaften natürlichen Gegebenheiten. Diese für Pferde und gestohlenes Vieh nur sehr unwillig überwindbare Wall-Graben-Systeme waren aber nicht das Haupthindernis einer Landwehr. Dieses bestand in einer Einrichtung, die auch Gartenbesitzer als Einfriedung ihre Grundstückes noch heute gerne verwenden: Eine Hecke. Der Kern dieser Hecke bestand meist aus Buchen, die ein Stück wachsen gelassen wurden und dann mit der Spitze zur Erde gebogen und eingegraben wurden - das sogenannte Gebück. Die Spitzen bildeten Wurzeln und es entstand ein "Skelett" aus knorrigen Buchenholz. Zwischen diesem Skelett wurde Dornengestrüpp gesetzt, meist Schwarz- oder Weißdorn, Heckenrosen, Brombeeren oder auch Ilex - das sogenannte Gedörn.

Die Fortsetzung der Elberfelder Landwehr im Grenzgebiet von Radevormwald und Ennepetal als gut ausgeprägter Dreifachwall
Der vermutlich um das Jahr 1300 aufgeschüttete Wall erreicht noch heute trotz Erosion eine Höhe von über einen Meter


Diese Hecke aus "Verbundmaterial" (festes Holzskelett und dichtes Dornengestrüpp) konnte bis zu 20 Meter breit werden und wurde neben oder auf den Wällen gepflanzt. Die Hecke war bei guter Pflege nahezu undurchdringlich und bot so den Schutz, den eine Mauer einer Stadt bot. Wie man sich leicht vorstellen kann, war die Anlage einer Landwehr eine sorgfältig geplante, langfristige Angelegenheit: Erst nach ca. 10 Jahren intensiver Pflege (Hege) war die Landwehr so dicht und hoch bewachsen, wie es für den Schutzzweck notwendig war. War ihre Anlage beschlossen, so mussten die ortsansässigen Bauern die Anlage und Pflege im Rahmen ihrer Dienstpflicht (Hand- und Spanndienste) gegenüber ihrem Landesherrn übernehmen. Wer sich die teils Kilometer langen heute noch erhaltenen Wall-Graben-Systeme betrachtet, kann sich leicht die Mühe vorstellen, die es gekostet haben wird, diese Erdbewegungen mit hölzernen Hacken, Spaten und Schaufeln vorzunehmen. Dennoch wird der Bau von der bäuerlichen Bevölkerung wohl nicht nur als Belastung gesehen worden sein, denn die Landwehr war gerade in unsicheren Grenzbereichen ein effizienter Schutz für ihr Leib, Leben und Eigentum.

Eine Landwehr war, wie oben schon erwähnt, häufig eine Grenzsicherung - der Begriff ist allerdings keinesfalls streng auszulegen. Landwehren markierten oft (aber nicht ausschließlich) Grenzen, dienten aber immer der Sicherung eines Objekts (z.B. Straßen, Siedlungen) oder Gebietes auch ohne dass es eine dazugehörige Grenze gab. Sie folgten oft einer Grenze, waren aber nicht eine solche, sondern verliefen unter Ausnutzung von Geländevorteilen nach hinten zurückgenommen parallel zu ihr. Wenn heute ein historischer Landwehrverlauf mit einer konkreten kommunalen Grenze identisch ist, dann liegt das meist daran, dass für die Definition dieser "modernen" Verwaltungsgrenzen in der späten Neuzeit der Landwehrverlauf als sich anbietend einfach übernommen wurde. Dennoch gilt: Erst durch die Kenntnis historischer Grenzen erschließt sich der Verlauf einer gebietsschützenden Landwehr. Man ist oft erstaunt, wie gut sich mittelalterliche Grenzen bis in die heutige Zeit erhalten haben. Vor tausend Jahren beispielsweise Kirchspielgrenze, heute eine deckungsgleiche Stadt- oder Stadtteilgrenze.

Dreifachwall am Freebach in Radevormwald. So stark befestigt waren die Landwehren nur bei den Durchgängen von bedeutenden Altstraßen. In diesem Fall die heutige B483 zwischen den Orten Ennepetal-Schlagbaum (sic!) und Radevormwald-Landwehr (sic!)
Auch auf dem Paulsberg bei Wuppertal-Herbringhausen befindet sich ein Doppelwall. Der Graben zwischen den Wällen ist schon fast vollständig verfüllt. Auf beiden Wällen wachsen wie fast immer Bäume. Werden diese durch die moderne Waldwirtschaft gefällt, erleiden die Erdwerke oft große Schäden.


Landwehren dienten auch dem fiskalischen Interessen der Territorialherrscher, denn sie verhinderten das unkontrollierte Betreten des Landes auch derjenigen Leute, die nichts Böses im Schilde führten. Die Durchgänge durch eine Landwehr an den alten Handels-, Pilger- und/oder Heerwegen waren mit Schlagbäumen gesichert, an denen Personen und Waren kontrolliert und Zoll erhoben wurde. Daneben dienten sie auch der Kontrolle des Weideviehs, das so nicht zur Freude des Nachbarn den Rechtsbezirk verlassen konnte. Eine weitere, später wohl dankbar angenommene Nutzungsmöglichkeit bestand z.B. in der Wolfs- oder Bärenjad, wo die Landwehr die Fluchtmöglichkeit des gejagten Tieres beschränkte und zu einer vorbereiteten Falle leitete. Man beachte in diesem Zusammenhang die Einrichtung von sogenannten Bären- oder Wolfskuhlen, die häufig an Landwehren angelegt wurden. Vermutlich trat der Nutzen bei der "normalen" Jagd auf Wild ebenfalls zu Tage.

Weitere Formen waren wegbegegleitende Landwehren, Höhensperren oder Städte und Gehöfte umgebende Landwehren.

Wegbegleitende Landwehren erfüllten je nach Ort einen mehrfachen Zweck. Zum einen schützten sie Reisenden vor Wegelagerern, die sich in den Wäldern links und rechts der Straße verbergen konnten. Hauptsächlich schützte sie aber umgekehrt Siedlungsplätze vor Reisenden, die keine friedliche Dinge im Sinn hatten oder eine gute Gelegenheit zum beiläufigen Plündern, Rauben und Brandschatzen zu nutzen wussten. Auch neigten Altstraßen dazu sich im mehreren parallelen Trassen durch das Gelände zu ziehen, meist an Steigungen, wo sich rasch Hohlwegbündel ausbildeten, deren einzelne Äste je nach Passierbarkeit abwechselnd genutzt wurden. Die Landwehr sorgte hier dafür, dass die Straße von den Siedlungsplätzen fern blieb. Deren bester Schutz lag ja darin, gar nicht erst von durchreisenden Banden oder militärischen Verbänden wahrgenommen zu werden. Ein Stück weit vor Landwehrdurchgängen (Schlagbäumen) begleiteten Landwehren ebenfalls Straßen, kanalisierten so den Verkehr zu der Kontrollstelle und verhinderten das Umgehen einer solchen zumindest für Fuhrwerke.

Häufige Formen sind Höhensperren, die in bestimmten Regionen auch Grengel genannt wurden. Eine Altstraße verlief meistens auf Höhenzügen, da die Täler mit ihren Wasserläufen und Auen oft morastig und somit unpassierbar waren. So verliefen die meisten Altstraßen auf den Höhen und stiegen nur dann in ein Tal ab, um es zur gegenüberliegenden Höhe hin schnell zu queren. Zur Kontrolle des Verkehrs auf einer derartigen Höhenstraße, wurde häufig von dem links des Höhenzugs gelegenen Seitental eine Landwehr hinauf zur Straße angelegt, die dort nur den Durchlass frei ließ und dann wieder auf der anderen Straßenseite in das rechte Seitental hinabführte. Auch hier gab es keine Möglichkeit für Fuhrwerke die Kontrollstelle zu umgehen, ein Ausweichen in die Täler war wegen den morastigen Bodenverhältnissen so gut wie ausgeschlossen. Der umgekehrte Fall, eine Landwehr als Talsperre, ist als Letzi besonders im Schweizer Raum bekannt. Auch hier wurde der Durchgang zwischen zwei Bergen (Pass) verhindert oder auf einen zentralen Durchlass kanalisiert.

Auch Städte besaßen vor der Stadtmauer eine Landwehr, der Stadthagen, der sie und die zur Stadt gehörigen Gemarkungen großräumig umschloss - auch dazu später mehr.

Wann der systematische Landwehrbau begonnen wurde, ist unklar. Es existieren dafür, dass eine Landwehr im Bewusstsein des mittelalterlichen Lebens allgegenwärtig war, erstaunlicherweise nur wenige mittelalterliche Quellen über den Bau und die Erhaltungsmaßnahmen. Es ist aber anzunehmen, dass schon in der Antike eine solche Einrichtung in Germanien bekannt war. Tacitus beschreibt z.B. im Jahre 16 n.Chr. den Angrivarierwall der die Gebiete der germanischen Volksstämme der Angrivarier von denen der Cheruskern trennte. Als bekannteste Landwehr auf deutschen Boden dürften die unterschiedlichen Linien des römischen Limes gelten, der in seiner Bauausführung und Elementen mit einer mitelalterlichen Landwehr eine große Übereinstimmung besitzt. Auch der Zweck als eine Grenzsicherung gegenüber den benachbarten Gebiet und als Möglichkeit die unkontrollierte Einreise zu verhindern ist vergleichbar.

(Vermutliche) Reste eines Gebücks bei Wuppertal-Herbringhausen. Gut erkennbar die knorrige Gehölzform, die auf den manipulierten Wuchs hinweist
Die Elberfelder Landwehr setzt sich bis tief in das Oberbergische Land fort, hier im Neyetal auf dem Abschnitt Kottmannshausen - Krommenohl


Es mag diese Ähnlichkeit - gepaart mit einer gehörigen Portion Lokalpatriotismus - gewesen sein, die die ersten Landwehrforscher im 19. Jahrhundert häufig zu der Annahme verführten, eine in ihrem Ort gefundene Landwehr sei römischen Ursprung. Dementsprechend waren die ersten hobbywissenschaftlichen Beiträge in den lokalhistorischen Reihenwerken gespickt mit Vermutungen, Fehlinterpretationen und Übertreibungen. Dennoch sind auch diese Beiträge eine gewisse Hilfe bei der heutigen Landwehrforschung, denn diese Forscher hatten einen Vorteil: Sie konnten noch Anlagen in Augenschein nehmen und beschreiben, die durch den stetigen Flächenverbrauch seit Mitte des 19. Jahrhundert schon längst überbaut oder in Agrarflächen verwandelt worden sind. Die ernsthafte Geschichtswissenschaft behandelt das Thema auch eher stiefmütterlich, auch wenn im einzelnen archäologische Grabungen und vor allen Untersuchungen bei der Unterschutzstellung einzelner Relikte als Bodendenkmal vorgenommen wurden. Es erfolgt dankenswerterweise zur Zeit eine systematische Erforschung der Landwehren im Münsterland durch Dr. Cornelia Kneppe (Westfälisches Amt für Bodendenkmalpflege), die das Thema unter anderem in einer Broschüre und einem Buch auch einen allgemeineren Interessentenkreis nahebringt.

Steile Hänge waren kein Hindernis beim Landwehrbau. Hier die Elberfelder Linie in Wuppertal vom Marscheider Bach den Steilhang auf den Gipfel des Steinbergs hinauf
Oben auf dem Berg setzt sie sich als Doppelwall gut sichtbar im Wald Richtung Wuppertal-Herbringhausen fort


Für einzelne Landwehren im Nordwestdeutschland gibt es Hinweise auf einen Bau im 13. bis 16. Jahrhundert, ein Zeitraum, der wohl generell der Hochzeit des Landwehrbaus entspricht. Erst im 12. Jahrhundert festigte sich im Grenzgebiet vom heutigem Rheinland und Westfalen die Territorialbildung - auch wenn sich schon ab dem 7. Jahrhundert fränkische Gaue oder sächsische, später fränkisch beherrschte Verwaltungsbezirke ausbildeten, die aber häufig durch kirchliche Grenzziehungen (Dekanate) festgelegt waren. Das Gebiet der Kirchspiele eines Dekanats wurde oft für deckungsgleiche weltliche Gerichtsbezirke genutzt, in denen der Gograf (Gaugraf) das Richteramt innehatte. Daraus entwickelten sich sowohl die westfälischen Freigrafschaften, als auch der umfangreiche Besitz der Kölner Erzbischöfe als Kurfürsten. Ab dem 12. Jahrhundert erhob der sich emanzipierende Dienstadel vermehrt eigene Ansprüche, sicherte sich mehr und mehr Besitz und etablierte sich schließlich als gleichrangig - Grafschaften und Herzogtümer entstanden und damit wachsende Ansprüche auf geschlossene Territorien. Hier wären insbesondere die späteren Herzöge von Berg und die Grafen von der Mark zu nennen. Das Ende des systematischen Landwehrbaus kann man gegen Ende 15. Jahrhunderts datieren, als in Folge des brutalen, wie überbordenden Fehdewesens 1495 der "Ewige Landfrieden" ausgerufen wurde. Nun war es den Adeligen bei harter Strafandrohung nicht mehr erlaubt zur Durchsetzung vermeintlicher und realer Ansprüche nach formloser Ansage durch den Fehdebrief die Gehöfte und Städte des Nachbarn zu plündern und die Landwehren als Grenzsicherungen wurden dadurch nicht mehr essentiell benötigt. Auch machte die Militärtechnik in dieser Zeit, was sowohl Bewaffnung, als auch Strategie/Taktik angingt, rasante Fortschritte. Für ernst gemeinte massive Angriffe mit bewaffneten Truppen waren die Landwehren kein ernsthaftes Hindernis. Dennoch sind die Pflege und der Nutzen einer solchen Landwehr bis in das 18. Jahrhundert hinein beurkundet.

Auch hier ging es den Steilhang hoch. Diesmal die Elberfelder Landwehrlinie zwischen Hengsten und Gangolfsberg bei Wuppertal-Beyenburg
Dieser Dreifachwall der Elberfelder Landwehr nahe dem Schießstand auf dem ehemaligen Standortübungsplatz Scharpenacken in Wuppertal war zeitweise von dem Neubau einer JVA bedroht


Die Denkmalbehörden und die Landespfleger zeigen sich zunehmend sensiblisiert für diese alten Erdwerke und die Zahl der Bodendenkmaleintragungen steigt. Die Landwehrforschung ist aber nach wie vor ein Wettlauf gegen die Zeit. Bei Verkehrswegebauprojekten, Erschließung neuer Gewerbe- und Siedlungsgebieten oder sonstigen flächenverbrauchenden Vorhaben schwinden Tat für Tag ein weitere Stücke dieser Anlagen. Meist sind die Reste dieser Erdwerke sowieso nur noch in Wäldern vorhanden. Hier ist die moderne Waldbewirtschaftung mit Abstand der größte Feind. In Unkenntnis oder Ignoranz werden selbst unter Schutz gestellte Teile bei Waldarbeiten zerstört, sowohl von Privatwaldbesitzern als auch von der öffenlichen Hand. Wenn ein Fichtenwald mit den sogenannten Harvestern und anderen schweren Waldmaschinen abgerntet wird und zum Abtransport des Holzes durch Sattelschlepper breite Wege in den Wald geschlagen werden, dann haben die verbleibenden Erdwerke in diesem Wald kaum noch eine Überlebenschance.

Der Orkan Kyrill hat im Januar 2007 nicht nur Wälder zerstört, sondern bei den Aufräumarbeiten wurde so mancher Landwehrgraben verfüllt und Wall mit den Waldmaschinen zerstört. Hier wäre eine Sensibilisierung der Ausführenden wünschenswert, damit uns die wenigen Spuren mittelalterlichen Lebens erhalten bleiben. Es würde ja heutzutage - um den Bogen zum Anfang dieser Einführung wieder zu spannen - ohne Proteste ja auch keiner hinnehmen, dass einfach eine mittelalterliche Ritterburg abgerissen würde ...