Landwehrlinie Ispingrade-Horpetal

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Die Barmer Landwehrlinie

Lage

Vom südlichen Radevormwald bei Ispingrade nach Süden über Wipperfürth und Lindlar bis in das Horpetal kurz vor Engelskirchen verlaufend.

Einführung

Die Landwehrlinie Ispingrade-Horpetal, die in der Literatur aufgrund der Überschreitung von altbergischem Amtsgrenzen auch oft in die Landwehrlinien Ispingrade-Stoote und Stoote-Horpetal künstlich aufgeteilt wird, bildet eine Landwehr, die zwar mehr oder weniger parallel zu der bergischen-märkischen Grenze (bzw. der Grenze zwischen Berg und der Grafschaft Gimborn) angelegt wurde, aber bis zu zehn Kilometer im Landesinneren hinter der Territorialgrenze und den dortigen Landwehrlinien verläuft. Sie ist bislang nur abschnittsweise einer eigenen direkten Grenzziehung zuzuordnen und könnte nach Meinung einiger Forscher eine zurückgenommene, zweite Schutzlinie für das bergische Kernland gewesen sein. Abschnitte der Landwehrlinie sind aber nachweislich nach Gebietserweiterungen von einer Außengrenze des bergischen Territoriums zu einer Binnenlandwehr geworden.

Geodaten

Der Verlauf der Landwehr als Google Earth Datei, ermittelt nach Bodenfunden, kartografischen Werken, Literatur und Originalquellen als Google Earth KMZ-Datei.

Beschreibung

Diese Landwehr ist im Abschnitt Ispingrade-Stoote in einer Akte der bergischen Hofkammer von 1801/02 erwähnt und wird mit einem Ausmaß von 9,5 Morgen und 23,75 Ruthen angegeben. Dieses schmale Flurstück, das nach Angaben seines Pächters nur zur Gewinnung von Einstreu taugen würde, war in dieser Zeit an einen Philip Bockhacker zu Herweg verpachtet. Als 1809 das Stück an Bockhacker neu verpachtet werden sollte, bekam dieser die Auflage, es auf eigene Kosten vermessen zu lassen. So entstand eine detailierte Verlaufskarte des Herweger Landvermessers Johann Arnold Buchholz, die sich heute im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf befindet.

Der erste physische Nachweis der Landwehrlinie gelingt im Wiebachtal östlich des Radevormwalder Weilers Ispingrade. Ein erkennbarer Einzelwall endet dort abrupt an der südlichen Steilkante des Bachlaufs, der erkennbar Material des Erdwerks abgetragen und fortgepült hat. Genau an diesem Punkt mündet ein Rinnsal mit dem bezeichnenden Namen Landwehrsiepen in den Wiebach. Dieser Siepen war Grenzgewässer zwischen der bis 1260 unabhängigen Grafschaft Hückeswagen und dem kurkölnischen Radevormwalder Gebiet und nach Erwerb der Hückeswagener Grafschaft durch Berg die Grenze zwischen dem bergischen Amt Hückeswagen und dem 1301 ebenfalls von Berg annektierten Radevormwald. Radevormwald wurde gegen Ende des 14. Jahrhunderts schließlich Bestandteil des neu gegründeten Amtes Beyenburg. So verwundert es nicht, dass der erkennbare Landwehrwall am Siepen entlang dieser alten Territorialgrenze folgte, die aber später unter bergischer Herrschaft zu einer inneren Amtsgrenze herabgestuft wurde. Da in Gegenrichtung diese Grenze ab der Einmündung des Siepens dem Wiebach in Richtung Wupper folgte, liegt die Spekulation nahe, auch die Landwehr sei dem Bach am südlichen Ufer bis zur Wupper gefolgt. Es gibt aber bislang weder urkundliche noch archäologische Belege, die diese Vermutung stützen können.

Der als Bodendenkmal geschützte Wall überquert wenige Meter nach dessen Beginn einen Waldweg, verläuft ca. 200 Meter unmittelbar am Landwehrsiepen entlang durch den Wald und mündet in einer Weide oberhalb des Hofes Kirschsiepen, auf der der Wall naturgemäß eingeebnet wurde. Im gedachten weiteren Verlauf oberhalb der Weide kreuzt er eine kleine Anliegerstraße zwischen Radevormwald und Hückeswagen, auf die wir gleich noch näher eingehen werden. Engels berichtet noch von einer Wallhecke, die vom Waldrand über die Weide auf die Straße zugestrebt ist. Auch der Landwehrsiepen entspringt auf dieser Weide.

Der Wall im Wiebachtal vor Ispingrade. Am Bach brichte er abrupt ab. Die Fotografie wurde von dem Waldweg gemacht, der den Wall unterbricht
Am Landwehrsiepen hat der Waldbesitzer bei den Aufräumarbeiten nach dem Sturm Kyrill das Bruchholz einfach in den Graben und gegen den Wall schieben lassen. Durch solcherart gedankenlosen Vandalismus gehen die Spuren unserer Kulturgeschichte mehr und mehr verloren


Hier waren es Naturgewalten in Form des Sturms Kyrill, die den Schaden am Landwehrsiepen anrichteten
Fallen die Bäume um, reißen die Wurzelballen große Stücke aus dem Wall


Auffallend ist beim Übergang vom Wald in die Weide das Vorhandensein eines weiteren kurzen, aber hohen Walls, der im spitzen Winkel auf die Landwehr zuläuft und diese auf der Weide theoretisch schneiden würde. Auch erscheinen südlich davon die Geländeformen mit drei absolut parallel verlaufenden Quellsiefen und den gleichmäßigen Erhebungen dazwischen als unnatürlich. Der zweite Wall und womöglich die Geländeformen sind wohl Teil eines besonders gesicherten Landwehrdurchgangs, auf dem heute die kleine Anliegerstraße verläuft. Im Mittelalter war der kleine Weg die Hauptverbindung zwischen den beiden Orten Radevormwald und Hückeswagen und, wie der Name des nahen Weilers Herweg auf Hückeswagener Seite belegt, ein Handels- und Heerweg.

(c) Bezirksregierung Köln Abteilung GEObasis.nrw

Die DGK5 zeigt die Situation am Kirschsiepener Landwehrdurchgang. Die Landwehr ist östlich der Straße als Wall deutlich eingezeichnet, aber nicht westlich davon am Landwehrsiepen, obwohl er genau so ausgeprägt am Waldrand wieder einsetzt. Wälle begleiten am Durchgang die Altstraße und sicherten sie zu beiden Seiten. Der Zweck des eingezeichneten Walls in südwestliche Richtung muss noch geklärt werden. Vermutlich begleitete er eine von dort kommende Straße. Nicht eingezeichnet sind die parallelen, in Nord-Süd führenden Strukturen westlich des Durchgangs (wohl aber die Wasserläufe in den Gräben dazwischen) und der auf die Landwehr spitz zulaufende Wall quer dazu
Nahaufnahme der parallelen, in Nord-Süd Richtung auf die Landwehr zuführenden Strukturen westlich des Durchgangs. Zwischen den breiten Erhebungen die Rinnsale


Die heutige Bundesstraße 483, die im südlichen Bereich teilweise auf dem alten Heerweg verläuft, umgeht heute diesen Abschnitt der Altstraße aber in östlicher Richtung, so dass der Landwehrdurchgang im Gegensatz zu anderen vergleichbaren Durchgängen nicht durch eine breite moderne Straßenführung überbaut wurde. So hat sich hier abseits der modernen Verkehrströme noch gut die umfangreiche Sicherung des Landwehrdurchgangs mit seinen zahlreichen, sternförmig in alle Richtungen abgehenden oder die Wege begleitenden Wällen erhalten. Das dieser Durchgang einen Schlagbaum besaß, belegt die Flur Am Schlagbaum, die östlich an den Durchgang angrenzt.

Der die Straße begleitende Wall Richtung Norden
Und der die Straße begleitende Doppelwall in Gegenrichtung


Östlich der Straße setzt sich der Wall der Landwehr zunächst mehr als Geländestufe, dann aber nach wenigen Dutzend Metern gut erkennbar durch den Wald fort und verläuft am Waldrand entlang eines Feldes. Mit dem Ende des Walds geht die Landwehr eingeebnet in das Feld über und läuft im spitzen Winkel auf die heute Bundesstraße 483 bei dem Flecken Marke zu, wo sie unkenntlich die Straße überquert. Das der Ortsname Marke, der von dem mhd. Wort marc, march (= Grenze) abstammt und auch in Form des Begriffs Grenzmark geläufig ist, auf die Landwehr oder die durch sie geschützte Grenze zurückzuführen ist, darf man wohl getrost annehmen. Da auch jenseits der Bundestraße Felder sind, ist der Verlauf auf der südlichen Seite nicht direkt erkennbar. Ein Blick auf eine Karte gibt schnell den entscheidenden Hinweis: Ein Siepen namens Rothlingsbeek, der in einem schmalen bewachsenen Geländestreifen in östliche Richtung verläuft, ist als Landwehrtrasse leicht zu identifizieren. Zum Beweis finden sich im angrenzenden Wäldchen (und dort an dessen östlichen Rand) im Bereich des Siepens oberhalb der Quelle auf ca. 15-20 Meter Länge gut erkennbare Reste des kurvigen Walls. Im sumpfigen Siepen selbst ist ein Wall nur ansatzweise oder gar nicht erkennbar, wozu auch die Anlage eines Fischteiches und einer Hütte beigetragen hat.

Vom Durchgang führt die Landwehr nach Osten durch die Flur Am Schlagbaum erst als Geländestufe...
... dann als ausgeprägter Wall am Waldrand weiter


Hier waren es Naturgewalten in Form des Sturms Kyrill, die den Schaden am Landwehrsiepen anrichteten
Hier läuft der Wall vor dem Feld allmählich aus. In gedachter Richtung des Walls liegt der "Grenzort" Marke


Der Siepen mündet im Scheuerbach, die Landwehr überwand das Gewässer und setzte sich in Ost-Nord-Ost Richtung den Hang des Röthlingsbergs hinauf fort. Im Hang ist der Wall schon wenige Meter hinter dem Scheuerbach sehr gut zu erkennen und bald mehr als einen Meter hoch. Es hat auch den Anschein, als ob es sich an dieser Stelle um einen Doppelwall gehandelt haben könnte, wobei der zweite Wall heute - falls dem tatsächlich so war - bis beinahe zur Unkenntlichkeit verschliffen ist. Gut erkennbar jedenfalls ist nur ein einzelner Wall, der sich durch den Wald zieht und abrupt von einem breiten Waldweg durchbrochen wird. Diese Waldweg ist für die Belange der modernen Forstwirtschaft unlängst verbreitert worden, wobei ausgerechnet in Höhe des Walls wohl mittels schweren Maschinen die vom Weg weggeschobene Erde seitlich aufgehäuft wurde.

Etwas verschliffen wendet sich der Wall östlich von Marke dem Siefen Rothlingsbeek zu ...
... und steigt jenseits des Scheuerbachs wieder an


Hinter dem Waldweg macht die Landwehr einen Richtungswechsel nach Südosten, setzt sich aber auch hier als deutlicher Wall fort. Von dieser Stelle an ist die Landwehr auch Stadtgrenze zwischen Radevormwald und Hückeswagen, die anliegende östliche Flur trägt den bezeichnenden Namen An der Landwehr. Auffallend ist, dass der Wall auch hier nicht geradlinig verläuft, sondern sich in kleinsten Kurven durch den Wald windet, obwohl das Gelände einen solchen Verlauf nicht erzwingt. Nach ca. 250 Metern wendet sich der Landwehrwall nach Süden, verläuft dort weitere 250 Meter durch den Wald und wendet sich scharf nach Westen um dem kleinen Bruchfelder Siefen zu überqueren, der den Wall kurz unterbricht. Hinter dem Siefen wendet sie sich wieder nach Süden, überquert einen schmalen Waldweg und verläuft an der östlichen Flanke des Scheuerbergs in Richtung Lichteneichen bzw. Stoote. Wenige Metern hinter dem Waldweg zweigt ein zweiter Wall in westlicher Richtung ab, wendet sich anschließend ebenfalls nach Süden und endet nach 200-300 Metern an einer Weide. Dieser Abzweig wird in der Literatur bislang noch nicht erwähnt und verdient daher später eine gesonderte Betrachtung. Die Hauptlinie veräuft derweil parallel westlich des Waldwegs auf die selbe Weide zu, wo der Wall am Waldrand in Höhe von Hönderbruch endet.

Gut erkennbarer Wall an der Flur An der Landwehr
Die Landwehr ist an dieser Stelle heute Grenze zwischen Radevormwald und Hückeswagen


Vor ...
... und nach dem Bruchfelder Siefen


In der rechten Bildmitte zweigt der bislang undokumentierte Wall nach Westen ab
Bald darauf endet der Wall in Höhe Hönderbruch an einer Weide. Der genaue Verlauf bis zur Bever ist mir bislang nicht bekannt


Von Hönderbruch bis Stoote an der Bevertalsperre fällt das Gelände ab. Die nun folgenden Weideflächen und Felder werden nur von zwei kleinen Wäldchen unterbrochen, aber weder in diesen noch auf den agrarisch genutzten Flächen sind mir Landwehrreste bekannt. Auf Luftaufnahmen aus den dreissiger Jahren des 20. Jahrhunderts lässt sich vermutlich der Verlauf über die kurze Weide ab dem Waldrand als Geländemerkmal noch nachvollziehen. Ob die Landwehr nun in direkter Line auf Stoote zulief oder der heutigen Stadtgrenze, die zunächst einen kleinen Bogen nach Westen schlägt und sich dann Richtung Stoote wendet, folgte, bleibt zunächst unklar. Bei der Stooter Mühle überquerte die Landwehr jedenfalls die Bever und zog sich den gegenüberliegenden Hang hinauf. Die Bever war hier die Grenze zu dem bergischen Amt Steinbach, so dass aufgrund der anderen Quellenlage nun häufig von einer eigenen Landwehrlinie Stoote-Horpetal die Rede ist. Nach Engels ist sie aber zweifelsfrei die Fortführung der Landwehrlinie Ispingrade-Stoote.

Der Grund des Bevertals ist nun von der Bevertalsperre überflutet, aber zwischen einen Waldweg am Südufer und der darauf folgenden Höhe ist die Landwehr als deutlich ausgepägter, nach Süden verlaufender und am Waldrand endender Doppelwall sehr gut zu erkennen. Auf der Höhe ist ein Weg zwischen den beiden Wällen angelegt worden, der den westlichen Wall kurz darauf druchbricht. Im anschließenden Feld westlich von Müllensiepen verschwindet der Doppelwall in einem Feld, wobei Engels zumindest einen Wall 1938 noch ca. 110 Meter links eines Wegs weiter folgen konnte. Später wurde der Wall wie auch der Weg im Feld spurlos untergeflügt.

Südlich der Bever nahe Müllersiepen setzt sich die Landwehr als Doppelwall fort
Auf der Höhenlagen ist sie hervorragend erhalten. Das Bild zeigt einen der beiden Wälle, links davon ein Wirtschaftsweg und links von dem Weg der zweite Wall (nicht im Bild). Kurz darauf enden beide Wälle an einem Feld, das während dieser Aufnahmen samt Weg gerade vollständig gepflügt wurde (ein Wall war aber bereits zuvor nicht mehr dort vorthanden)


Der exakte weitere Verlauf ist mir aus eigener Anschauung zum Großteil noch unbekannt. Das amtliche Verzeichnis der Landwehren im Amt Steinbach von 1772 gibt über den groben Verlauf Aufschluss. Demnach verlief sie folgendermaßen: Stooter Busch, Müllensieper Busch, Breitenweg, Piefershaus-Siepen, Lütgenauerer Bach, Hasenburger Büsche, Stepgenshoffs Busch, Weyerhoffs Busch, Neyer und Löher Vikarienbüsche, Fuschsiepen, Wilhlem Kausemann Heidenbickenbusch, Birkensche Wiesen (Kausemannsbirken), Lütgenauer Fußsteg am Neyefluß, Kleinblumberger Büsche, Landstraße (heute Wanderweg), Hambüchener Kirchweg, Krautwiese, Hallesbicker Feld (heute Hassebick), Voßkuhler Hof, Hönnigebach, Wupper, Weiher des Gerichtsschreibers Fuhr, Stillinghauser Grund, Rönsahler Landstraße (heute die Stillinghauser Straße in Wipperfürth), Stillinghauser Büsche, Nagelsbücheler Felder, Vosbach, Scherkenbacher Grund, Voshofer Feld, Fasenbachs Wiese, Oelchens Weiher, Oehlchens Wiese, Sonnenberger Wiese, Alter Weiher bei Sommerhaus, Voshofer Busch, Bommerhauser Feld, Stüttener Büsche, Grassser Hof (heute Graben), Wald "in der breiten Heid", Oberkemmerischer Feld, Dörrenbacher Wiese, Bühlstal, Sülztal, Hammer des Wilh. Frielingsdorf (1769), Brochhagener Büsche, Felder Wiese, Felser Busch, Müllerhofer Busch, Sülz, Hammachers Scheune, Wendelin Brochhagens Feld, Brochhagener Mühlenschlacht, Holler Busch, Holler Wiese, Holler Feld, Rübiger Büsche, Büsche von Weyer, Labicker Gründe, Schlagbaum an der Fuhrstraße (Lindlar-Horpe-Remshagen), Horper Wiese, Horper Siefen.

Text wird fortgesetzt ...

Mir sind weitere Wälle erst wieder zu beiden Seiten der Kreisstraße 13 in der Löher Heide zwischen Schneppenstock und Schäferslöh bekannt
Der Wall erreicht eine stattliche Höhe von über einem Meter


Literatur

  • Wilhelm Engels: Die Barmer Landwehr, In: Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins, Band 63, 1935, S. 87-90

Kartenwerke

  • Urkatasterkarten von 1805-1835
  • Vermessungskarte des Johann Arnold Buchholz

Quellen

  • Akten Jülich-Berg: Hofkammer, Domänen, Generalia Nr. 17 II
  • Akten Jülich-Berg: Hofkammer, Marken, usr. Nr.14: Amtliches Verzeichnis der Landwehren im Amt Steinbach von 1772

Weblinks