Elberfelder Landwehr

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Die Elberfelder Landwehrlinie

Inhaltsverzeichnis

Lage

Vom Wuppertaler Norden südwärts bis nach Beyenburg, anschließend im nördlich und östlichen Radevormwald und dem östlichen Wipperfürth entlang der Grenze zu Breckerfeld und Halver bis nach Marienheide-Krommenohl.

Einführung

Die Elberfelder Linie ist eine der längsten durchgehenden Landwehrlinien im Bergischen Land. Sie trennte innerhalb von Wuppertal die bergischen Ämter Elberfeld und Beyenburg (heute Stadtteilgrenze zwischen Elberfeld und Barmen), durchquerte im Gebiet des Olscheids (heute Bereich Herbringhausen/Marscheid) das Kirchspiel Lüttringhausen bis zur Beyenburg und wechselte dort die Wupperseite. Nun entlang der bergischen-märkischen Grenze verlaufend schützte sie anschließend das bergische Radevormwald vor dem märkischen Kirchspielen Schwelm und Halver entlang Spreeler Bach, Borbach, Freebach und Ennepe. Bei Radevormwald-Kottmannshausen überquerte sie die Bever und verlief durch Wipperfürth-Kreuzberg bis zur heutigen Kerspetalsperre, wo sie bei Wipperfürth-Ohl wieder die Wupper überquerte. Auf der südlichen Seite folgte sie dem Fluss bis Marienheide-Krommenohl, wo sie nach bisheriger Kenntnis nördlich der Wupper blind auslief.

Ein Abzweig bei Wipperfürth-Dahl führte sogar weiter nach Süden bis zur Agger bei Engelskirchen.

Im Bereich Wuppertal verläuft sie westlich parallel zur Barmer Landwehrlinie und ab der Bever östlich parallel zur Landwehrlinie Ispingrade-Horpetal.

Geodaten

Der Verlauf der Elberfelder Landwehr als Google Earth Datei, ermittelt nach Bodenfunden, kartografischen Werken, Literatur und Originalquellen als Google Earth KMZ-Datei.

Verlauf

Der urkundlich gesicherte nördliche Beginn der Elberfelder Landwehr liegt im Bereich der Barmer Hofschaft Westen südlich dem Stübchensberg nördlich des Wuppertaler Wohnquartiers Ostersbaum. Aber wie bei der Barmer Landwehrlinie ist auch hier davon auszugehen, dass sie noch weiter in nördliche Richtung führte. Da keinerlei Bodenspuren mehr vorhanden sind und auch die Urkunden sich dazu weitgehend ausschweigen, haben sich drei Theorien herausgebildet, die zu Erläutern sind.

Theorien über den Verlauf nördlich von Westen

Theorie 1

Die erste Theorie geht davon aus, dass sich die Landwehr nördlich des Stübchensbergs (Weinberg) dem Lauf des Mirker Bachs in Richtung Nordosten folgte und bei Hatzfeld oder Horath auf die Barmer Linie traf. Gestützt wird diese Theorie vor allen durch die Etymologie. Mirker Bach ist eine Ableitung von Marker Bach, Markbach ( = Grenzbach), der Oberlauf heißt Hohenhagener Bach, ein weiterer Quellbach Hager Bach, dortige Wohnplätze Auf'm Hagen, In der Hagerbeck und Hohenhagen. Ein Hagen (vgl. Hecke, Hain) war ein umfriedeter Bereich, ist aber auch als Flur nahe einer Landwehr deutbar, die ja auch aus einer Hecke (dem Gebück und Gedörn) bestand und als Befestigungslinie zur Einfriedung eines Gebietes diente.

Historisch gestützt wird diese Theorie durch eine hochmittelalterliche Gerichtsgrenze. Hermann Kießling weist darauf hin, dass in einer Grenzbeschreibung aus dem 16. Jahrhunderts der westfälischen Freigrafschaft Volmarstein (hervorgegangen aus einem kölnischen, von der Burg Volmarstein seit 1100 verwalteten Gerichtsbezirks Wetter) der Verlauf der Grenze im Bereich von Kapellen auf den Wuppertaler Südhöhen bis zur Hofschaft Westen identisch mit dem nachgewiesenen Landwehrverlauf ist. Diese Grenzbeschreibung beschreibt den weiteren Grenzverlauf entlang dem Mirker Bach nach Horath oder zur Hohrather Schanze, möglicherweise ist die Landwehr auch nördlich von Westen dieser Grenze gefolgt.

Eine spätere (ungenaue) Abschrift dieses Textes lautet wie folgt:

... up tho der Capellen. Van der Capellen neder dem siepen aff in Köningshofffvart in die Wipper neder tegen dem Markenbergh over die Bredenstein tho Elverfelde achter Pampestes hus her, die Markenbecke up, dar die in die Wipper flut, und vort die Marke bit up dem Hamersbalken. Van der Hamersbalken bit up die Vladehardt den sipen neder in die Hintzbecke, die Hintzbecke up wenthe Hoerode

In heutiger Sprache und Topographie:

... hoch zu Kapellen (bei Lichtscheid). Bei Kapellen den Böhler Bach (anschließend Bendahler Bach) hinab zur Wupperfurt beim Köningshof (?, vielleicht auch Bönings Hof), nach der Hardt (Bergwald) über Bredt Richtung Elberfeld, hinter (achter (nd.) = hinter, vgl. das nautische achtern) dem Haus des Pampes her, dem Mirker Bach hoch, der in die Wupper fließt, und vor der Mirke nach Hamersbalken (vllt. Hammerkloth ?) hoch. Von Hamersbalken bis hoch nach Vladehardt (vllt. Flanhardt ?) , den Siefen herab zum Bach Hintzbecke (?, nicht identifizierter Bach), die Hintzbecke hoch nach Horath

Die Freigrafschaft Volmarstein ist ein bemerkenswertes Konstrukt. Zunächst für einen weiten Bereich im Umkreis zuständig für die Halsgerichstbarkeit in den kurkölnischen Einflussgebiet zwischen Elberfeld und Hagen, fiel sie mit der Eroberung der Burg Volmarstein 1324 endgültig in märkische Hände. Auch nachdem sich Berg und Mark das Gebiet an der mittleren Wupper untereinander aufteilten und nun dort genau definierte Territorien nun aneinander grenzten, so galt der Gerichtsbezirk der Feigrafschaft dennoch noch lange über die Territorialbildung hinaus, auch wenn sie nach und nach die Zuständigkeit als eigener Rechtsbezirk verlor. Eine Landwehr als Sicherung dieses Gerichtsbezirks ist dann noch vor der bergisch-märkischen Territorialbildung zu datieren und würde vermutlich auch die übrige Grenze der Freigrafschaft umfassen.

Theorie 2

Eine zweite Theorie von Wilhelm Engels geht davon aus, dass die Landwehr in Höhe des Haus Nummer 252 den Mirker Bach und die heutige Uellendahler Straße überquerte und nach Norden verlief. Das alte Fachwerkhaus an dieser Stelle könnte laut Engels ein Zollhaus mit Schlagbaum gewesen sein.

In leichter Abwandlung dieser Theorie wird daher auch eine Bachquerung weiter westlich in Höhe der Einmündung der Kohlstraße diskutiert. Dort ist eine Ortsbezeichnung Am Schlagbaum an der Einmündung der Kohlstraße in die Uellendahler Straße durch die Urkatasterkarte von 1824/25 und der Statistik und Topographie des Regierungsbezirks Düsseldorf des Johann Georg von Viebahn von 1836 belegt. Dieser Schlagbaum könnte wohl auch eine Wegsperre an dem alten Kohlenweg nach Elberfeld (die heutige Kohlstraße) oder an der damaligen Chaussee im Tal (heute die Uellendahler Straße) gewesen sein. In den Urkunden aus dem Jahr 1675 werden Wiesen "vom Haken (heute: Am Haken an der Uellendahler Straße) bis unten an die Bach und Landwehr daselbst" erwähnt. Diese Wiesen können aber im ganzen Bereich Uellendahl oder Mirke gelegen sein.

1624 ist von "ein Stück Holz ann Essgens Länderei bei der Landwehr am Schlagbaum" die Rede. Ob diese Ländereien bei dem Schlagbaum bei Ostersbaum oder dem an der Kohlstraße gelegen haben, bleibt unklar. Die Barmer Famile Esken oder auch Esgen besaß in der Mirke allerdings nachweislich Grund. Ein weiteres Indiz für einen Landwehrverlauf nördlich des Mirker Bachs ist auch der Wohnplatz/Kotten An der Lantert im oberen Bereich der Kohlstraße Höhe Einmündung Domagkweg. Das häufig vorkommende dialektische Toponym Lantert (Lante, Lanfert, etc.) ist unzweifelhaft eine Ableitung von dem Begriff Landwehr. Dieser Theorie nach soll die Landwehr die heutige Kohlstraße und den heutigen Westfalenweg auf dem Höhenrücken (Wasserscheide zwischen den Flusssystemen Wupper und Ruhr) überquert haben und talwärts in Richtung Untenrohleder / Obensiebeneick verlaufen sein. Als Indiz führt Engels den Ortsnamen Schneis nördlich des Westfalenwegs an, der für die Schneise stehen könnte, die die Landwehr in die Landschaft geschlagen hat. Möglicherweise verweisen beide Toponyme aber nur auf eine Höhensperre des heutigen, auf dem Höhenrücken verlaufenden Westfalenwegs.

Theorie 3

Eine dritte Theorie, die von Anton Fahne vertreten wurde, ist bis zum Kotten An der Lantert gleich der zweiten. Sie geht aber davon aus, dass die Landwehr weiter auf der Trasse der Kohlstraße und des Westfalenwegs nach Hohrath oder zur Hohrather Schanze verlief. Die Kohlstraße war spätestens ab dem 18. Jahrhundert Teil eines viel genutzten Kohlentransportwegs aus dem Sprockhöveler Raum nach Elberfeld mit der Trassenführung Kohlstraße, Westfalenweg und Hohlweg Hohenhagen-Hohrath (letzterer auch Franzosenweg genannt). Die auf der Preußischen Neuaufnahme verzeichneten, umfangreiche Bodenstrukturen an diesem Kohlenweg sind bis auf ein Stück südlich Am Langen Bruch und dem Franzosenweg längst überbaut, so dass es sich an vielen interessanten Stellen nicht mehr untersuchen lässt, ob es sich um Hohlwegspuren oder Landwehrwälle/-gräben handelte. Laut Kießling ergibt es sich aber durch den Vergleich mit dem Urkataster, dass es sich im Bereich der mittleren Kohlstraße dabei aber wohl eher um Hohlwegspuren einer ältere Trassenführung der Kohlstraße handeln wird, als um ein Landwehrwall/-graben.

Bei Horath könnte die Landwehr nach weiterführenden Spekulationen bei mit der Barmer Landwehr, einer angeblichen Landwehrlinie Horath - Hasslinghausen und/oder einer Linie entlang dem Deilbach zusammengetroffen sein. Über letztere Landwehrlinie ist mir bis auf das Vorhandensein noch nicht konkretes bekannt, während die Existenz der Landwehrlinie Horath - Hasslinghausen trotz einer Veröffentlichung stark hinterfragt werden muss.

Verlauf südlich von Westen

Urkundlich gesichert ist der Verlauf der Landwehr nur südlich der Hofschaft Westen, allerdings auch dort nur ungenau. 1591 wird in einem ev. Taufbuch ein Everdt Deuppendreger und ein Jasper Bredmann verzeichnet, die "an der Landwehr bei dem Westen" wohnten.

1623 wird im Privileg der Stadt Elberfeld der Verlauf der Stadtgrenze wie folgt beschrieben:

... von Giesmann Teschemachers (vgl. Teschemacher Hof an der unteren Vogelsangstraße) erbschaft in der Mirckhen (Mirke) bis an Thewissen Ulendall (von Uellendahl abgeleiteter Herkunftsname) behausung in der Gaten (Gathe), und von dannen biss an dem Mostertzbaum (Ostersbaum), also die Landwöhr hinauf bis an des Heskskens seiffen (ein kleiner Siefen, vermutlich benannt nach einem Anwohner vllt. erneut Esgen, Esken), oben rechts wiederumb auf die Wupper

1619 und davon abgeleitet am 19. Juni 1806 folgten weitere Grenzbeschreibungen:

Von diesem [Grenzpfahl] geht die Scheidung (= Stadtgrenze) am Bredde (Auf dem Bredt, Bredter Straße) hinunter längs der Hecke bis unten an die rechte Seite der Landwehr, welche noch zur Stadt gehörte und an das Feld, das Rittershaus gehört ... Von diesem geht die Scheidung der Landwehr nach, längs des Feldes von Ritterhaus ... Von diesem geht die Scheidung gerade hinunter von der Landwehr, ferner vorbei und hinter bis an die Osterbaum'sche Straße ...

Laut der Beyenburger Amtsrechnung von 1775/67 verlief sie über dem Mostertsbaum, dass unzweifelhaft als Form des heutigen Quartiersnamen Ostersbaum zu deuten ist. Man darf einen Schlagbaum annehmen, der von der Familie Mosterts bewacht wurde. Diese Bezeichnung Am Mosterts (Schlag-)Baum verschliff sich später zu Am Ostersbaum. Hier befindet sich auch in Nord-Süd Richtung die kleine Straße Lantert (siehe Erklärung zu diesem Toponym im Abschnitt Theorie 2 weiter oben), die vom Namen her auf die Landwehr hinweist und zumindest eine ungefähre Bestimmung des Ortes des Verlaufs zulässt.

Die Elberfelder Amtsrechnung von 1771/72 erwähnt eine Teilstrecke vom Ophoff bis an die Hardt, die in zwei Parzellen zu 204 Ruten (eine bergische Rute war 4,6 Meter lang) 6 Fuß und 106 Ruten für je einen Reichstaler verpachtet war. Eine weitere Parzelle dort an einer bislang unbekannten Stelle namens Am Sommerplatz war 99,5 Ruten lang. In dem Bericht der herzoglichen Landwehrvermessung von 1696 wird dieser Abschnitt der Elberfelder Landwehr nicht erwähnt, so dass sie laut Engels schon zu dieser Zeit nicht mehr als Bauwerk oder Flurstreifen existent gewesen sein könnte. Es finden sich aber noch weitere urkundliche Belege aus dem 17. Jahrhundert.

Im Elberfelder Verzichtbuch heißt es:

14. September 1643 "... zwei stucken art Landerei uffen Enegelenberg (Engelnberg) oben negst der Straßen an der Kuhlen aneinander, an die Mordersgasse (Mördersgasse, laut Urkataster die heutige Weißenburgstraße) und Landtwehr, mit einer seidten an die stecke und Peters Kremers wie auch Leissgen Teschmechers Landerei schiessendt in der Burgerschaft Elverfeld gelegen" wechselten den Besitzer.

Laut diesen Angaben hat also die Landwehr von Westen zum Ophoff geführt, dann ist vermutlich über die östliche Flanke des Engelnbergs (auf dem Engelnberg liegt das Wohnquartier Ostersbaum) über die Bredt zur Hardt verlaufen und ist dort in einem Siefen bei der Haspeler Brücke zur Wupper abgestiegen. Bei Haspel war eine Wupperfurt, an denen die Further Höfe lagen. Die Flur Furth war im Besitz eben jener Barmer Familie Esgen, Esken, die wohl auch für den Siefennamen Pate gestanden hat. Dort querte die Landwehr den Fluss. Der Name Haspel ist ein weiteres Indiz für die Landwehr: Eine Haspel ist ein Drehgestell zum Wollspinnen, wird aber auch für ein Drehkreuz für einem Personendurchgang in einer Absperrung verwendet. Man kann hier also ein kontrolliertes Drehkreuz in der Landwehr annehmen.

Von der Wupper nach Dorn

Über den Verlauf südlich der Wupper von Haspel nach Dorn besteht aufgrund einer Elberfelder Gemarkenkarte des Johann von der Waye aus dem Jahr 1609 im Prinzip kein Zweifel. Von der Wupperfurt bei Haspel verlief sie als Gebück/Gedörn enige Meter westlich des Bendahler Bachs und nach dessen Einmündung des Böhler Bachs wenige Meter westlich von diesem nach Süden nach Freudenberg hinauf.

Ausschnitt aus der Elberfelder Gemarkenkarte des Johann van der Waye aus dem Jahr 1609. Man erkennt den Verlauf des Gebücks nordwestlich des Bendahler Bachs. Am Zulauf des Böhler Bachs folgt die Landwehr diesem hoch nach Freudenberg, wo die alte Kohlenstraße überquert wird. Dort ist ein Schlagbaum eingezeichnet. Bildnachweis: Landesarchiv Abteilung Rheinland, RW Karten Nr. 352


Beide Bäche sind abschnittsweise noch heute Stadtteilgrenze zwischen Elberfeld und Barmen. In Höhe des alten Straßenbahntunnels überquerte sie den Höhenrücken mit der heutigen Landesstraße L418. Die heutige L418 war früher ebenfalls ein Kohlenweg und auf der Waye-Karte ist dort an der Landwehr ein Schlagbaum (Lackbaum) verzeichnet. Bis dahin verzeichnet die Karte nur ein Gebück, keinen Wall/Graben. Tatsächlich sind vom Freudenberg bis zur Wupper auch keine Erdwerke zu finden gewesen, allerdings ist auch diese Landschaft durch die Anlage von Kleingärten, Zwei Schwimmbädern, Gewerbe- und Wohnbauten bis ins Wuppertal hinein bereits stark umgestaltet und bebaut.

Anmerkung: Auf dem von der Gemarkenkarte skizzierten Verlauf sind keine Erdspuren zwischen dem Bendahler Bach und Freudenberg zu finden. Allerdings zieht sich ein Bachtal weiter westlich ein deutlich erkennbarer Wallgraben oberhalb des Böhler Hofs den Hang zum Freudenberg hoch. Sollte die Gemarkenkarte hier ungenau sein?
Der mächtige Wall am Reitstall Dorner Weg
Auf dem Wall
Beeindruckend die Abmaße von mehren Metern Breite
Ein Schlagbaum? Nein, ein Sprunghindernis am einem Weg der Reitanlage Dorner Weg, für den der Wall durchbrochen wurde



Südlich der L418 wird die Elberfelder Landwehr erstmals als ca. 140 Meter lange Wall-/Grabenanlage sichtbar. Das als Bodendenkmal geschützte Erdwerk besteht aus einem mächtigen, 6 bis 7 Meter breiten, von beiden Seiten aufgeschütteten Breitwall mit den Gräben (aus denen die Erde des Walls stammt) links und rechts davon. Laut Denkmalbeschreibung beträgt die Höhe des Walles stellenweise nur 0,60 m, in anderen Bereichen bis zu 1,10 m. An den Seiten verlaufen stark erodierte und teilweise mit Laubabfällen angefüllte Gräben. Diese Gräben sind 0,80 m bis 1,30 m breit und bis zu 0,60 m tief. Im südlichen und mittleren Bereich der Landwehr wird der Wall durch mehrere Reit- und Waldwirtschaftswege geschnitten. An der Nordseite ist der Wall zur Schnellstraße hin ausgeräumt. Der in östlicher und später südöstliche Richtung verlaufende Wall endet an der Außenhalle der Reitanlage Dorner Weg, auf die Hofschaft Dorn am Bach Gelpe zulaufend.

Die Landwehr bei Dorn
Der Wall führt auch durch ein Privatgelände


Der Feldweg nach Kapellen war früher die Trasse der Straßenbahnlinie 23. In diesem Bereich, wie auch auf den Feldern zur Dorner Hof hin lassen nur die Flurgrenzen östlich des Dorner Wegs den exakten, den Bach Gelpe überschreitenden Verlauf der Landwehr erraten, erst bei dem Hof Dorn ist wieder ein ca. 40 Meter langer, denkmalgeschützter Wall zu finden, der auf der Südseite im rechten Winkel zur bisherigen Laufrichtung parallel zur Gelpe nach Osten verläuft. Der Wall ist 3,0 bis 4,0 m breit und 0,60 bis 0,80 m hoch mit erodierten Gräben. Der Name der Hofschaft Dorn ist ein Hinweis auf das die Landwehr begleitende Gedörn. Der Wall endet im Osten an landwirtschaftliche Flächen und ist heute dort vollkommen eingeebnet.

Von Dorn zum Disteltaler (Disseltaler, Disseldahler, Dusseldahler) Busch

Im Disteltaler (Disseltaler, Dussendahler) Busch wird die Situation zusehends unübersichtlich, da sich mehrere parallel und auseinanderlaufende laufende Wälle und Gräben erhalten haben, die nicht alle zwangsläufig mit der Landwehr zu tun haben müssen, aber nun mal als mehr oder weniger ausgeprägte Wall-/Grabenstruktur physikalisch vorhanden sind. Andere sind dagegen eindeutig als Landwehr identifizierbar, werden aber in Urkunden und in den Forschungen von Fahne (1863) über Engels (1938) bis hin zu Helbeck (2007) nicht behandelt. Zu unterscheiden haben wir auch die Elberfelder Landwehr von der Barmer Landwehr, die nördlich bis zur Beyenburg parallel verlief und der Elberfelder vorgelagert ist.

Auch die urkundlichen Belege sind alles andere als eindeutig, alte Ortsbezeichnungen sind zum Teil nur schwer identifizerbar. Bald werden mutmaßlich mit dem vierspurigen, autobahnähnlichen Ausbau der Landesstraße L419 (Parkstraße), dem Bau einer Fernwärmeleitung, der Umgestaltung der Kasernen in ein Gewerbegebiet und dem Neubau des 30 Hektar großen komplexes Justizvollzugsanstalt, Bereitschaftspolizei und Justizvollzugsschule ab 2009 bei Erbschlö noch einige vorhandene, vielleicht auch bislang unentdeckte Erdwerke vernichtet werden, so dass ich hier eine vollständige Situationsbeschreibung aus dem Stand Dezember 2008 abgeben möchte.

Zu dem unklaren Verlauf trägt bei, dass in Urkunden mehrfach von einer zweiten Landwehr zu einem Marscheider Fuderplatz die Rede ist, die im Disteltaler Busch von der Hauptlinie abzweigte. Der Bericht über den Verlauf der Landwehren im Amt Beyenburg aus dem Jahr 1763/64 weiß hierzu zu sagen:

Item gehet noch eine Landwehr auf die Blombacher Bach (Blombach) durch den Kastenberg (östlich von Erbschlö) und nechst den Erbschloer Felder herrauff und schließes an den Disteldahl zu voriger Landwehr. Diese Landwehr ist 1749 auf 24 Jahre verpachtet

In weiteren Urkunden wird diese zweite Landwehr in Pachtunterlagen mehrfach erwähnt. Am 10. Februar 1796 machten Johann Platte, Witwe Platte und Arnold Erbschloe folgende Eingabe an die kurfürstliche Regierung in Düsseldorf:

Die im Kirchspiel Lüttringhausen gelegene Landwehr sei bereits im Jahre 1711 an Eingesessene von Erbschloe in Erbpacht gegeben, im Jahre 1750 aber die Erbpacht in Jahrpachts verwandelt, und ihnen unter dieser Form 1775 gegen Zahlung von 6 Reichstalern jährlich an die Rentei in Beyenburg übertragen. Die Pacht laufe 1799 zu Ende. Da nun aber diese Landwehr bereits von ihren Vorfahren gerottet und zu dem angrenzenden Lande geschlagen sei, so könne sie davon nicht folglich unterscheiden, auch nicht mehr getrennt weren. Sie bitten daher um fernere Ueberlassung in Erbpacht.

Offenbar war die verpachtete zweite Landwehr im Bereich Erbschlö bereits vor 1796 nicht mehr als eigenständiger Landschaftsbestandteil erkennbar. Der Beyenburger Rentmeister Wülfing erstattete daraufhin der Hofkammer 1799 Bericht:

Sie ist ein Streifen beginnend am Marscheider Fuderplatz, erstreckt sich a.) durch das Disseldahl bis an den Lichtscheider Busch in Barmen, dann b.) von dem sogenannten Bauerschlagbaum bis an den sogenannten Dorn im Kirchspiel Elberfeld. Die Strecke a.) enthält 10 ⅓ Morgen, b.) 4 ½ Morgen.

Wülfing gibt in seinem Bericht die fiskalisch (für die Pacht) wichtige Flächengröße der beiden Teilabschnitte vor und nach dem Landstraßendurchgang an. Am 20. August 1799 beschreibt er die Landwehr als schmalen, mit Holz bewachsenen Streifen von 2 - 3 Ruthen ( 9 bis 14 Meter) Breite und etwa 15 Morgen Größe. Nach Aufforderung der Hofkammer ihr eine figurative Karte zukommen zu lassen, schickte Wülfing am 12. Februar 1800 folgende Situationsskizze:

Disteltal.png Situtionsskizze des Beyenburger Amtmanns Wülfing aus dem Jahr 1800 mit nebenstehenden Erläuterungen. Das abgebildete Gebiet erstreckt sich vom Blombachtal (oben) bis knapp vor Lichtscheid (unten). Quelle (Anton Fahne, Die Landwehr oder der Limes Imperii Romani am Niederrhein; Skizze nach Originalurkunde Verpachtungen und sonstige Nachrichten über die Landwehr im Amt Beyenburg 1790- 1807 (1836); Sig. 140.30.00 Großherzogtum Berg Nr. 1370; Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland)
  1. Marscheider Fuderplatz
  2. Der Blombach
  3. Landwehr
  4. Erben Platte und Erbschlöhe Büsche
  5. Der Kastenberg und Disteltal
  6. Schmalenhofer Erbbüsche
  7. Landstraße von Ronsdorf zum Barmer Lichtenplatz
  8. Lichtenscheider Erbbüsche in Barmen
  9. Der Schlagbaum oberhalb Ronsdorf
  10. Die Erbbüsche der Bauergüter


In der Skizze beginnt die Landwehr bei dem Marscheider Fuderplatz am Blombach, führt in westliche Richtung über den Kastenberg zur alten Ronsdorf-Barmer Landstraße, deren Trasse ungefähr der heutigen oberen Staubentaler Straße und dem bis Lichtscheid führenden Teil der Oberbergischen Straße entsprechen dürfte (vgl. Karte Amt Beyenburg aus der Topographia Ducatus Montani von Erich Phillip Ploennies, 1715) und schwenkt nach Süden. Bei dem Schlagbaum oberhalb Ronsdorfs an den Lichtenplatzer und Baurer Erbbüsche dürfte es sich somit um den Bauerer Schlagbaum gehandelt haben. Die Skizze entspricht dem Text der Landwehrbeschreibung von 1763/64, die oben wiedergegeben wurde. Auch an der Kreuzung der Landstraße mit der Landwehr bei der heutigen Kreuzung Staubentaler Straße / Oberbergische Straße ist ein Schlagbaum anzunehmen.

Diese alten Beschreibungen sind teilweise nur sehr schwer in heutige Orte zu übertragen; so ist der Standort des Fuderplatzes bislang unbekannt und konnte bereits von Wilhelm Engels oder zuvor Anton Fahne nicht bestimmt werden. Der vermutlich gemeinte Kastenberg wiederum liegt östlich von Erbschlö zwischen Schmalenhofer Bach, Blombach und Erbschlöer Bach. Die extrem vereinfachende Situationsskizze des Beyenburger Amtmanns Wülfing ist nur bedingt hilfreich, da sich seitdem Wegverläufe, Flur- und Waldgrenzen und Bezeichnungen geändert haben und auch die Generalisierung der Skizze viel zu grob ist. Eine intensive Forschung mit dem Versuch der geografischen Zuordnung unter Berücksichtigung der damaligen Besitztümer steht noch aus.

Die in der Skizze eingezeichnete Landwehr endet im Osten an dem bislang nicht identifizierten Marscheider Fuderplatz östlich des Blombachs, vermutlich ein Platz zum Sammeln von im Marscheider Wald geschlagenen Holz. Neben dieser zweiten Landwehr hat es gemäß dem Bericht über den (gegenläufigen) Verlauf der Landwehren im Amt Beyenburg aus dem Jahr 1763/64 die bis Beyenburg und darüber hinaus führende Hauptlinie gegeben. Von dem Bauerer Schlagbaum bis zum Disteltal handelt es es sich aber bereits laut dieser Urkunde um die Hauptlinie. Wenn der obere Teil vom Disteltal bis zum Blombach die zweite, am Marscheider Fuderplatz endende Landwehr sein soll, so fehlt in der Skizze also die im Disteltal abzweigende Hauptlinie, deren Verlauf gänzlich ungeklärt bleibt.

Zusammenfassend geht aus den Urkunden also hervor: Es gab eine durch den Disteltaler Busch führende und an Erbschlö vorbeilaufende Landwehr von Dorn bis zum Blombach, die ich als Hauptlinie bezeichnen möchte. Daneben gab es eine weitere Blindlandwehr vom Disteltaler Busch über den Kastenberg zum Blombach / Marscheider Fuderplatz. 1711 wurde diese Blindlandwehr an die bereits seit 1591 sogenannten Disseltaler Erben (Familie Platte und Familie Erbslö) in Erbpacht gegeben, die 1749 mit der Aufhebung aller Erbpachten in Jahrespacht umgewandelt wurde. Diese wurde nun auf 24 Jahre festgeschrieben, das Holzgeld (Pacht) betrug laut den Bayenburger Rentmeisterrechnungen 32 Albus. 1775 wurde die Pacht für jährlich 6 Reichstaler um weitere 24 Jahre verlängert. Auf die Bitte an die Landesregierung 1796, diese Pacht wieder in Erbpacht umzuwandeln, musste der Beyenburger Amtmann Wülfing über die Situation der Hofkammer Bericht erstatten. Am 20. August 1799 beschreibt Wülfing die zweite, verpachtete Landwehr als schmalen, mit Holz bewachsenen Streifen von 2 - 3 Ruthen ( 9 bis 14 Meter) Breite und etwas 15 Morgen Größe. Nach Aufforderung der Hofkammer eine figurative Karte zukommen zu lassen, schickte Wülfing am 12. Februar 1800 die obigen Skizze der Blindlandwehr und lässt sie dort an dem Marscheider Fuderplatz enden. Wir werden aber sehen, dass eine Karte des Landvermessers Johann Peter Pauls aus dem Jahr 1811 neue Erkenntnisse bringen wird.

Vor weiterführenden Schlussfolgerungen hier erstmal eine Beschreibung der Ende 2008 noch vorhandenen Erdwerke, die eine neue Betrachtung der Situation notweding erscheinen lasen. All diese Wälle (und weiterführende Betrachtungen) habe ich in dieser Google Earth Datei mit folgender Legende zusammengefasst:

Blaue Linie Durch Bodenfunde vorort nachgewiesene Wälle/Gräben
Gelbe Linie Durch zweitgenössische Karten unzweifelhaft belegter Landwehrverlauf
Orange Linie Untypische langgezogene, linienförmige und durchgängige Flurstücke im Urkataster und/oder heutigem Kataster

Wall Nr. 1 (Ronsdofer Anlagen südlich der L419)

Da ist zunächst mal ein nicht allzu ausgeprägter, ca. 120 Meter langer und ca. 30-50 cm hoher Wallgraben, der von der ehemaligen Trasse der Waldstrecke der Straßenbahn in süd-ost-ost schnurrgerade durch den Wald auf die Dr.-Köster-Hütte zuläuft und ein paar Schritte nördlich dieser am Waldweg endet. Auf der anderen Seite des Wegs setzt er sich, soweit erkennbar, nicht weiter fort; dort quert aber eine Vertiefung, die wahrscheinlich ein Hohlweg war im rechten Winkel. Ob dieser Wall etwas mit der Elberfelder Landwehr zu tun hat, Teil einer möglichen dortigen Höhen-/Wegsperre war oder gänzlich anderen Ursprungs ist, ist vollkommen unklar.

Wall/Graben in den Ronsdorfer Anlagen südlich der L419 (Parkstraße)
Nicht sehr stark ausgeprägt, aber dennoch gut zu erkennen


Wall Nr. 2 (Ronsdofer Anlagen südlich der L419)

In Höhe der ehemaligen Standortverwaltung beginnt ein stark verschliffener Wall südlich der L419 unmittelbar hinter dem Straßengraben. Dieser insgesamt ca. 150 Meter lange Wall folgt dem Straßenlauf in süd-ost-ost, wendet sich im Bogen nach 50 Metern von der Straße in Richtung süd-süd-ost ab und nimmt erkennbar große Form an. Er wird von dem Waldweg parallel zur L419 in den Ronsdorfer Anlagen durchbrochen und setzt sich anschließend ein paar Meter bis zum nächsten Weg fort. Dort endet der ca. 1,5 m breite und 60-80 cm hohe Wall ohne sich weiter erkennbar fortzusetzen. Funktion und Herkunft ist ebenfalls unklar, die Form lässt aber auf eine landwehrartigen Ursprung schließen. Eine weitere Suche im gedachten Verlauf in den südlichen Ronsdorfer Anlagen im Bereich Waldfrieden war bislang erfolglos.

Zweiter Wall in den Ronsdorfer Anlagen südlich der und parallel zur L419 (Parkstraße)
An der ausgeprägtesten Stelle endet der Wall an einem Waldweg


Wall Nr. 3 (Ronsdofer Anlagen südlich der L419)

Etwa in Höhe des Endes des Walls Nr. 2 beginnt ca. 70 Meter weiter östlich an dem Waldweg parallel zur L419 ein weiterer, ebenfalls stark ausgeprägter Wall, der in ca. 70 Meter geradlinig in Richtung süd-süd-ost läuft und dort an Bolzplatz endet. Dieser auch ca. 1,5 m breite und 60-80 cm hohe Wall ist fast vollständig mit Dornengestrüpp uberwuchert und nur schwer auszumachen.

Der dritte Wall/Graben in den Ronsdorfer Anlagen südlich der L419 (Parkstraße)
Er ist stark mit Dornengestrüpp bewachsen und daher schwer zugänglich


Wall Nr. 4 (Ronsdofer Anlagen nördlich der L419)

Ein recht stark verschliffener, ca. 70 Meter langer Wallgraben beginnt in Höhe der Fußgängerampel ca. 20 Meter nordöstlich der L419. Dieser Wallgraben führt geradewegs auf das Gelände der ehemaligen Standortverwaltung und zukünftigen Bereitschaftspolizei zu und endet dort nach 90 Metern am Zaun. Dahinter ist das Gelände eingeebnet und bebaut, so dass eine weitere Spurensuche zwecklos ist. Dieser Wallgraben ist Anfang 2009 akut von der Verlegung der Fernwärmetrasse bedroht.

Wall/Graben in den Ronsdorfer Anlagen nördlich der L419 (Parkstraße). Er läuft direkt auf die alte Standortverwaltung zu
Blick in Gegenrichtung. Der leichte Graben neben dem Wall ist nur aufgrund des leichten Schneefalls brauchbar fotografisch zu dokumentieren


Wall Nr. 5 (Ronsdofer Anlagen / Sportplatz nördlich der L419)

Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ist gehört der ca. 80 Meter lange Wall entlang dem südlichen Zaun des Sportplatzgeländes am östlichen Rand des Kasernen- bzw. bald Technologieparkgeländes zu einer Landwehr. Er beginnt in Höhe der Parkplatzausfahrt, führt am Zaun entlang nach ost und wendet sich a Ende des Sportplatzes in Richtung nord-ost und verschleift sich dort. In Verlängerung hält er genau auf den kleinen Stauteich des Platte (nach diesem Platte sind auch die Platte Felder bei Erbschlö benannt) im Quellbereich des Hadberger Siefen. Quer zu diesem Wall befindet sich ebenfalls in Höhe der Parkplatzausfahrt ein mächtiger Wallrest; Möglicherweise Teil einer dortigen Wegsperre oder sogar der Landwehrlinie selbst, die ja schon zuvor plötzliche und scharfe Richtungswechsel vollzog.

Die Landwehr am Sportplatz Parkstraße, hier sich schon dem Hadberger Siefen zuwendend
Gegenrichtung am Zaun des Sportplatzes
Teil der Landwehr oder einer dazugehörigen Wegsperre? Vermutlich schon. Anfang 2009 wurde dieser Erdwall wegebaggert
Aus anderer Perspektive


Vom nordöstlichen Ende von Wall Nr. 5 bis zu dem Stauteich fällt das Gelände ab und ist zu beiden Seiten des Siepens stark bewachsen. Wir befinden uns dort in dem Bereich, der zum ehemaligen Standortübungsplatz Scharpenacken zählt. Durch die üblichen militärischen Übungen (Schützenlöcher, Unterstände, Beobachtungsposten) fanden überall auf diesen Gelände Grabungsarbeiten und Erdbewegungen statt, so dass die Einordnung der Erdwerke sehr schwer und unbestimmt bleiben muss. Die mutmassliche geradlinige Fortsetzung des Walls Nr. 5 bleibt vermutlich zunächst auf der westlichen Seite des zunächst flach ausgeprägten und trockenen Siepens, der erst ab den Stauteich von Hadberger Siefen durchflossen wird. Vor dem Stauteich wird sie vermutlich auf die östliche Seite des Siepen gewechselt sein, um seine später ausgeprägtere Form als Annäherungshindernis nutzen zu können.

Auf der östlichen Seite des trockenen Siepens finden sich im rechten Winkel im Abstand von ca. 250 Meter tiefe Grabenstrukturen, die erst an dem Rand des Sportplatzes zwischen der ehemaligen Standortverwaltung (bald dem Gelände der JVA und der Justizschule) und Erbschlö enden. Die ausgeprägtere, südlichere dieser Strukturen ist auf der DGK5 als Graben verzeichnet. Da an den Seiten keine Wälle aufgehäuft sind und der Graben bis zu 1,5 Meter breit ist, wird es sich vermutlich um Hohlwege handeln. Gestützt wird diese Vermutung dadurch, dass sich in nordwestlicher Richtung zwischen den Wüstungen Schmalenhof und Delle der südliche der beiden Gräben fortsetzt. Es befinden sich weitere, sehr schwer zugängliche kleinere Erdveränderung in diesem Waldstück, die sich einer Einordnung oder Interpretation entziehen.

Südlicher Graben ohne Wälle, vermutlich Hohlweg, von dem Sportplatz Ebschlö hinab zum Hadberger Siefen. Ein paar hundert Meter weiter in gedachter Fortführung finden sich ähnliche Strukturen kurz vor Delle

Wall Nr. 6 (Doppelwall entlang dem Hadberger Siefen)

Fündig wird man erst wieder ein paar Meter unterhalb dem Quellteich des Hadberger Siefens, ein Nebenbach des Schmalenhofer Bachs. Dort setzt ein Doppelwall ein, der sich östlich des Wasserlaufs das gesamt Siepental bis kurz vor der Einmündung in dem Schmalenhofer Bach fortsetzt. Ein Wall verläuft dabei unmittelbar am Hadberger Siefen, der andere im Abstand von ca. 10 bis 15 Meter östlich davon am schon ansteigenden Hang. Der östlichere Wall besitzt eine Länge von beinah 850 Metern und ist ausgeprägter, als der direkt am Bach verlaufende. Am unteren Ende des Siepens kurz vor dem Schmalenhofer Bach überquert ein gepflasterter Weg den Hadberger Siefen. Unmittelbar davor endet der westliche, direkt am Bach verlaufende Wall. Der östliche wendet sich aber vom Schmalenhofer Bach ab, schwenkt nach Osten und läuft auf einen Trampelpfad zu, der nach Osten den Berg zu der alten Munitionsniederlage hinaufführt. Ein paar Meter verläuft er neben dem Pfad und verliert sich dann. Festzuhalten ist hier, dass er sich von dem Schmalenhofer Bach deutlich abwendet.

Oberhalb vom Wall Nr. 6 befinden sich zwei tiefe, künstlich angelegte und in der DGK5 gut verzeichnete Einschnitte im oberen Hangbereich. Die mit einer Breite und Tiefe von 15 bis 25 Meter in den Hang gegrabenen Strukturen sind vollkommen unbestimmter Herkunft. Der Aushub wurde auf der dem Tal zugewandten Seite angeschüttet, so dass sich ein Plateau ergibt. Denkbarer Ursprung wären: Eine militärisch zu Übungszwecken begründete Ausschachtung, alte Steinbrüche (dageben spricht, dass keine Felsen im Einschnitt oder Bruchsteine davor zu finden sind), möglicher Abbau von Eisenerz (nicht unweit habe ich mal zufällig auch eine Schlackehalde gefunden) oder möglicherweise auch eine Warte zwecks Beobachtung des Hügellands auf der anderen Seite der Landwehr. Der Ursprung lässt sich vermutlich nicht mehr klären, für eine Warte wäre aber diese Position mit weiten Blick auf die Scharpenacker Hochflächen - denkt man sich den Wald weg, den es vor Jahrhunderten vermutlich dort im Hang nicht gegeben hat - hervorragend geeignet.

Schwer zu fotografieren: Der Doppelwall an Hadberger Siefen zwischen dem Schmalenhofer Bach und Plattes Teich
Hier der Wall direkt am Bach
Oberer Wall/Graben
Hier läuft der obere Wall allmählich im Schmalenhofer Bachtal, sich dem Pfad zur ehemaligen Munitionsniederlange hinwendend, allmählich aus
Detailansicht oberer Wall/Graben
Im oberen Bereich des Hadberger Siefens. Wall/Graben auf Foto nur aufgrund der leichen Schneeschicht im Graben zu erkennen


Wall Nr. 7 (Wallfeld nördlich von Erbschlö, ab 2011 von der JVA überbaut)

Nördlich von Erbschlö auf der Höhe befand sich bis Januar 2009 ein ca. 250 Meter langes und 80 Meter breites Tannenwäldchen, dass Anfang Februar 2009 abgeholzt wurde und in den Folgewochen für den Bau der JVA vollkommen planiert wurde. Auf der ganzen Fläche dieses Wäldchen befand sich ein Feld von 15 parallelen, bis zu einem Meter hohen Wällen. Der Ursprung oder Zweck dieses Wallfelds ist mir unklar. Landwehr oder ein Wölbacker?

Einer der 15 Wälle am Rande des (damals noch existieren) Wäldchen
Einer der 15 Wälle am Rande des (damals noch existieren) Wäldchen
Hier ist die Kaskade der Wälle aus der Randsicht
Dito
Nach der Abholzung liegen die Wälle teilweise frei
Leider ist das Hauptfeld mit den gefällten Tannen bedeckt, daher die Randsicht am Ende, wo die Wälle verschliffen sind


Wall Nr. 8 (Doppelwall südöstlich der Mauer des Langwaffenschießstands, ab 2009 am Rand des JVA Geländes)

Südöstlich des Schießstands ist auf dem Kastenberg ein Wäldchen, in dem ein sehr gut erkennbarer Doppellwall mit ca. 10-15 Meter Abstand zueinander auf einer Länge von ca. 100 Meter im Bogen von ost-ost-süd in Richtung süd-süd-ost verläuft und sich dem Erbschlöer Bach zuwendet. Der Wall wird von einem Querweg unterbrochen, setzt sich aber weitere 100 Meter in weniger gutem Zustand parallel zu einem weiteren, in das Tal führenden Weg fort. An der Stelle, wo der Parallelweg im rechten Winkel abknickt quert der nunmehr verschliffene Wall auch diesen Weg und endet an der Kante zum steil abfallenden Erbschlöer Bachtal. Die heutigen Flurgrenzen (Andeutung eines langen und schmalen Flurstücks) auf Karten unterstützen die Annahme, dass es sich um eine Landwehrflur handelt. Mit dem sich anschließenden Wall Nr.8 lässt sich diese Landwehreigenschaft auch urkundlich belegen.

Östlicher der beiden Landwehrwälle an dem Schießstand bei Erbschlö.
Andere Perspektive
Aus anderer Perspektive. Südlich davon setzt sich einer der beiden Wälle parallel zu einem Weg fort und verliert sich im Erbschlöer Bachtal
Aus anderer Perspektive. Der östliche Wall des Doppelwallsystems ist deutlich besser erhalten


Wall Nr. 9 (Wallreste im Bereich der Blombachtalbrücke)

Der Wall Nr. 8 endet im Erbschlöer Bachtal wenige Meter oberhalb der dortigen Straße. Schaut man sich auf alten Karten diese Stelle an, so erkennt man ein schmales, 500 Meter langes Flurstück, das sich auf der südlichen Talseite im Bogen in Richtung Blombach wendet, dann sich in einem weiteren Bogen nach Süden vom Erbschlöer Bach abwendet, die heutige Blombachtalbrücke noch vor den Schienen der Eisenbahnstrecke unterquert, parallel zu ihnen verläuft, sie dann in einem weiteren flachen Bogen quert und südlich der Blombachtalbrücke in Höhe der alten Weggabelung (vor dem Bau der Autobahn A1) am Blombach endet. In dem Bereich nördlich der Blombachtalbrücke lassen sich im recht steilen Hang innerhalb dieser Flur mehrere, meist stark verschliffene Wallreste erkennen. Die Flur nördlich der Brücke trägt auf der Liegenschaftskarte den Namen Unter der Landwehr. Der Beweis, dass es sich um die Landwehr (und somit auch Wall Nr. 8 als direkte Verlängerung des Flurstückes), erbringt die bereits oben erwähnte Karte des Landvermessers Johann Peter Pauls aus dem Jahr 1811. Diese zeigt diese eben beschriebene Flur zwischen Erbschlöer Bach und Blombach und weist sie damit eindeutig als Landwehr aus. Auch gab es an deren Ende am Blombach ein sich anschließendes Flurstück hinauf zum Jägerhaus, das aber heute Autobahn und anschließend bis zur Höhe von Einfamilienhäusern überbaut ist.

Stark verschliffene Wallreste am rechten Hang des Erbschlöer Bachs
Wallrest nahe der Blombachtalbrücke. Im Hintergrund die Bahnstrecke ud die Autobahn A1 im Blombachtal


Karte des Landvermessers Johann Peter Pauls aus dem Jahr 1811 mit Landwehrverlauf in diesem Bereich. Links der Erbschlöer Bach, rechts der Blombach. Quelle (Landesarchiv Düsseldorf)

Wall Nr. 10 (Zwischen der L419 und dem Erbschlöer Bach in Höhe Schießstand / JVA)

Von der Straße im Erbschlöer Bachtal zieht sich ein gut ausgeprägter Wall durch den Wald den Hang zur L419 (Parkstraße) hinauf. Der Wald ändert entlang dieser Wallgrenze auch seine Bepflanzung von Laubmischwald zu einem Fichtenwald, laut alten Messtischblättern endete an diesem Wall zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Wald und eine Wiese begann. Vermutlich handelt es sich um einen ausgeprägten Feldrain oder eine Wallhecke zum Schutz der Anbaufläche. In den Landwehrverlauf der beiden oben beschriebenen Landwehren lässt sich der Wall nicht einordnen. Eine Höhensperre ist ebenfalls unwahrscheinlich, da auf der Höhe erst in der Mitte des 20. Jahrhunderts mit der Blombachtalbrücke eine Straße (die heutige L419) gebaut wurde und die nachgewiesene Altstraße in Grund des Erbschlöer Bachtals verlief.

Breitwall im Wald Im Eichelskamp. Am südlichen Ende ist auf alten Karten eine "Wegspinne" zu finden
Erstaunliche Ausmaße und m.W. noch nicht in der Literatur erwähnt


Wall Nr. 11 (Breitwall im Eichelskamp)

In keiner der mit bekannten Landwehrliteratur wurde bislang über einen Wall berichtet, der sich im Wäldchen Im Eichelskamp südlich der Otto-Hahn-Straße (und damit südlich der L419 und des Gewerbegebietes Blombach) befindet. Von seinem Dimensionen ist der 250 Meter lange Wall durchaus mit dem mächtigen Wall zwischen Dorn und der L418 auf dem Freudenberg zu vergleichen; aus zwei tiefen Gräben links und Rechts wurde die Erde auf 6 bis 8 Meter Breite bis zu einem Meter beidseitig aufgeschüttet. Dieser Wall verläuft in Richtung süd-süd-ost und wendet sich kurz vor seinem ende an der Lohsiepenstraße nach süd-süd-west. Wenn er Teil einer Landwerlinie ist, dann könnte er durchaus eine Fortsetzung der Wälle Nr. 2 und 3 sein. Ein Indiz für die Landwehreigenschaft findet sich auf der Preußischen Uraufnahme von 1824. An der Stelle, wo heute der Wall an der Straße Lohsiepen endet, trafen fünf Wege zusammen. Solche "Wegspinnen" sind typisch für einen zentralen Landwehrdurchgang, an dem sich die Wege aus allen Richtungen trafen, gemeinsam den Durchgang passierten, und dann wieder in andere Richtungen verzweigten.

Diese Struktur kann aber möglicherweise auch der Rest eines Hohlwegs sein. Hier steht eine nähere Erforschung noch aus.

Breitwall im Wald Im Eichelskamp. Am südlichen Ende ist auf alten Karten eine "Wegspinne" zu finden
Erstaunliche Ausmaße und m.W. noch nicht in der Literatur erwähnt


Flurstück am nördlichen Kastenberg

In Höhe der ehemaligen Munitionsniederlage in der Flur Auf dem Gleichen am östlichen Kastenberg ist in Alten Karten ein in ost-west verlaufendes schlauchförmiges Flurstück auszumachen, das im Blombachtal endet und auch noch durch heutige Flurgrenzen verfolgbar ist. Dieser Flurstück beginnt im Norden der Munitionsniederlage, Spuren von Erdwerken waren aber trotz mehrfacher Suche von mir oder anderen Forschern nicht zu entdecken. Da das Flurstück nördlich vom Kastenberg verläuft und am Blombach endet, ist es nicht unwahrscheinlich, dass es sich um die vom Rentmeister Wülfing und dem Bericht über den Verlauf der Landwehren im Amt Beyenburg aus dem Jahr 1763/64 beschriebene zweite Landwehr handelt, die in den Pachtvorgängen mehrfach thematisiert wurde.

Auf der anderen Seite des Blombachs setzt sich dieses Flurstück eine kurze Streck fort und endet in Höhe des Bruchsteinhauses nördlich von Werbsiepen. Wenn es sich nicht um eine Blindlandwehr gehandelt hat, dann wäre ein möglicher Verlauf über den Marscheider Berg und dem Fleischsiefen zum Marscheider Bach oder ein Lückenschluß mit der etwas weiter nördlich verlaufenden Barmer Landwehrlinie denkbar.

Fazit und Schlussfolgerungen

Aus dem Bericht über den Verlauf der Landwehren im Amt Beyenburg aus dem Jahr 1763/64 geht hervor, dass im Bereich Disseltaler Busch zwei Landwehren exisitierten, die Hauptlinie und eine zweite Linie, die als Blindlandwehr gedeutet wird. Eindeutig aus Flurgrenzen und Quellen als Hauptlinie belegbar sind die Wälle Nr. 8 und Nr. 9 am Kastenberg und im Blombachtal, denn sie können problemlos mit dem weiteren und eindeutigen Verlauf nach Beyenburg verknüpft werden.

Da das erstmals 1312 erstmals erwähnte Erbschlö im Kirchspiel Lüttringhausen als Haupthof der gleichnamigen Honschaft seit jeher auf Bergischer Seite lag und erst zum Bergischen Amt Bornefeld, ab 1407 zum Bergischen Amt Beyenburg gehörte, ist davon auszugehen, dass die Landwehr nördlich von Hof verlief und ihn gegen das gegnerische kurkölnische, später märkische Schwelm schützte. Auch der Bericht von 1763/64 spricht von der Landwehr längs Erbschlö. Also ist die Landwehr im Norden vom Erbschlö zu vermuten, auch da der Wall Nr. 8 östlich von Erbschlö in Höhe des Wohnplatzes endet. Nordwestlich hat sich der Dopelwall Nr. 6 am Hadberger Siefen erhalten - auch der Wall Nr. 8 ist doppelter Natur.

Möglichkeit 1: Eine Möglichkeit wäre, die Hauptlinie beginnt am Sportplatz (Wall Nr. 5), führte entlang dem Hadberger Siefen (Wall Nr. 6, Bach und Hanglage als Annäherungshindernis nutzend), schwenkte dann wieder zur Höhe, überquerte die ehemalige Munitionsniederlage und den Schießstand und ging mittels Wall Nr. 8 in das Erbschlöer Bachtal. Erbschlö wäre somit vollständig umschlossen und geschützt gewesen, ohne viel nutzbare landwirtschaftliche Fläche in Anspruch zu nehmen. In diesem Szenario ließe sich auch die zweite Landwehrlinie (Blindlandwehr) einbauen, die dann im Schmalenhofer Bachtal vom Wall Nr. 6 abzweigte und mittels dem Flurstück an nördlichen Kastenberg in das Blombachtal führte. Einen Abzweig im Bereich des Schmalenhofer Bachs lässt sich nicht mehr ausmachen, auch da loses Material aus dem Steinbruch auf dem Gelände der ehem. Munitionsniederlage der Hang großvolumig aufgeschüttet wurde und sich so die Geländeform im großen Umfang änderte.

Möglichkeit 2: Eine andere Möglichkeit wäre die, dass der Wall Nr. 4 bei der ehemaligen Standortverwaltung die Hauptline war, die über das heute vollkommen umgestaltete Gelände der Platte Felder von der ehem. Standortverwaltung/ zukünft. Bereitschaftspolizei über den ehem. Sportplatz bei Erbschlö/zukünft. Justizvollzugsschule, den Fichtenwäldchen (Wallfeld Nr. 7) und dem ehem. Schießstand /zukünft. JVA zu Wall Nr. 8 am Schießstand verlief. Daraufhin bildete bereits der Wall Nr. 5 am Sportplatz Parkstraße zusammen mit dem Wall Nr. 6 am Hadberger Siefen und dem Flurstück am nördlichen Kastenberg die zweite Landwehr (Blindlandwehr).

Möglichkeit 3: Gerd Helbeck führte 2007 eine weitere Möglichkeit ein. Er läßt, um ein Erdwerk am Fleischsiefen im Marscheider Bachtal in seinem Verlauf einbinden zu können, die Landwehr den Werbsiepen absteigen und dem Blombach überqueren, um dann den Kastenberg erklimmen zu lassen. Danach lässt er Wall Nr. 8 und Wall Nr. 6 Teil der Hauptlinie sein. Aufgrund der Landvermesserkarte Bereich Erbschlöer Bach / Blombach von Johann Peter Pauls aus dem Jahr 1811 ist es aber ausgeschlossen, dass die Linie den Werbsiepen herabkam. Sie hätte dazu im Blombachtal nach Norden bis auf die Höhe Jägerhaus verlaufen müssen, um dann dort den Bach zu queren und auf der anderen Bachseite wieder nach Süden auf Höhe des Erbschlöer Bachs zu verlaufen - ein sehr unwahrscheinlicher Verlauf. Zur Blindlandwehr kann aber das in der Karte verzeichnte Landwehrstück nicht gehören, der Kastenberg liegt ja nicht östlich davon, wie es aus der Beschreibung von 1763/64 hervorgeht. Das Erdwerk am Fleischsiefen, so es sich denn überhaupt um ein Landwehrstück handelt, lässt sich auch mit zwei anderen Thesen erklären; dazu mehr im Abschnitt Blombachtal-Marscheider Bachtal. Auch geht Helbeck nicht auf die Blindlandwehr und deren möglichen Verlauf ein.

Möglichkeit 4: Diese drei Möglichkeiten lassen die Wälle südlich der L419 (Parkstraße) aber alle außen vor. Eine weitere, bislang noch nicht diskutierte Theorie ist, dass die Blindlandwehr nach Süden abzweigte. Unter Nutzung der Wälle Nr. 2, 3 und 10 könnte sich südlch des Hofes Oberblombach auf das Quellgebiet des Blombach gestoßen sein. Kritiker könnten einwenden, dass nach dem Plan des Wülfing und des Verlaufsberichts von 1763/64 diese Landwehr ja nördlich des Kastenbergs verlief. Das ist soweit nicht zu widerlegen, nur ob der Kastenberg bei Erbschlö dieser Kastenberg ist, ist damit noch nicht gesagt. Auch die Erbschlöer Felder müssen nicht zwangsläufig am Hof selbst gelegen sein, sondern können sich im ganzen Umkreis befunden haben. Die Benennung Erbschlöer Felder bezieht sich wie die meisten mittelalterlichen oder neuzeitlichen Ortsbezeichnungen nicht auf eine konkreten Ort, sondern personenbezogen auf deren Besitzer.

Die Anhöhe südlich Blombachs bei Rehsiepen trägt auf den Flurkarten ebenfalls den Namen Kastenberg und somit ist der Plan des Wülfing und die Beschreibung 1763/64 auch mit dieser Möglichkeit in Übereinstimmung zu bringen. Auch gibt es dort die Fluren Entepot und Wolfshagen. Die Etymologie des Namens Tente oder Ente ist nicht abschließend geklärt, Dittmaier deutet es aus von lateinischen übernommenen Begriff für Zelt, andere wie Leithäuser als eine Bezeichnung für eine bestimmte Ackerform. Auffallend ist nur, dass erstaunlich viele Tentes oder Entes an Landwehren zu finden sind, so z.B. die Wegsperre bei Wermelskirchen-Tente, die bei Lante auf Wuppertal-Hatzfeld an der Barmer Landwehr oder das Wipperfürth-Ente an der dortigen Höhensperre. Diese Aufzählung ist nicht abschließend. Die Endung -pot (= Pforte) tritt im späteren Verlauf der Elberfelder Landwehr durch die Flur An der Landfuhrpot bei Wipperfürth-Gardeweg ebenfalls in Erscheinung. Wolfshagen könnte auf eine Wolfsfalle an einer Landwehrhecke hindeuten.

Möglichkeit 5: Möglicherweise verlief aber die Landwehr zunächst südlich von Erbschlö und wurde erst mit der Besiedelung oder dem Ausbau des Hofs nachträglich umschlossen. Das würde die Existenz zweier Landwehrlinien zu erklären helfen. Die früh aufgegebene südliche Linie geriet außer Nutzung, wurde aber noch in den Akten geführt, und die von Engels als Blindlandwehr gedeutete zweite Linie war daraufhin die Hauptlinie, die dann auch nicht blind am Blombach endete, sondern über Jägerhaus und Marscheid, wo der Fuderplatz zu suchen wäre, weiterfführte.

Von all diesen Möglichkeiten halte ich die Möglichkeit 1 für die schlüssigste.

Vom Blombach zum Marscheider Bach

Am Blombach endet die Landwehrkarte des Johann Peter Pauls. Auf der anderen Bachseite finden wir in alten Karten einen sich direkt anschließenden schmalen Flurstreifen, der an dem namenlosen Siepen entlang den Berg direkt nach Jägerhaus hinaufführt. Im Blombachtal verlief eine Altstraße, die noch deutlich durch Hohlwegspuren erkennbar nach Linde hochlief und das Gelände des 2008 erbauten Hochregallagers durchschnitt. Möglicherweise war auch hier ein Landwehrdurchgang.

Da im Tal die breite Autobahn A1 verläuft und der Flurstreifen durch eine Straße und Wohnbebauung nicht mehr in ursprünglicher Form vorhanden sind, sind hier keine weiterführende Bodenfunde mehr zu erwarten. Zwischen Jägerhaus und dem in der Landwehrbeschreibung von 1763/64 erwähnten Marscheid ist ebenfalls kein Verlauf belegbar, es existiert auch kein passendes Flurstück. Dieses findet sich erst wieder nordöstlich Marscheids in einem entlang dem dortigen Siefen nach Osten verlaufenden, neben Hilgersfeld beginnenden und kurz vor dem Marscheider Bach endenden Flurstreifens, der etwas oberhalb des Stauteichs der abgegangenen Walkmühle in der Wiese ausläuft. Dieser Flunamen trägt den Namen Im Strang und Marscheider Bauern besaßen laut den Urkunden bis 1710 Büsche "im strang bis ahn die Landtwehr". Ein paar Meter weiter setzt der Landwehrwall unmittelbar am Marscheider Bach wieder ein und ist in schöner Form einige hundert Meter erhalten.

In dieser Höhe hat sich ein Wohnplatz namens Trotzhaus erhalten. Wer hier wem trotzte und ob der Name mit der Landwehr in Zusammenhang steht, ist unklar.

Gerd Helbeck nimmt dem gegenüber an, dass die Landwehr einen größeren nördlichen Bogen um Marscheid schlug und unter Nutzung von Wall-/Grabenstrukturen zwischen dem Fleischsiefen, ein Nebenfluss des Marscheider Bachs in Höhe des Diederichshammers, und einer südlich davon gelegenen Wiese über den Marscheider Berg verlief und dem Werbsiepen entlang in das Blombachtal hinabstieg. Ich halte diese These für nicht haltbar, da mehr - vor allen die oben erwähnten schmalen Flurstreifen im Blombachtal und bei Marscheid - für den oben skizzierten Verlauf spricht. Die gut erhaltenen Strukturen am Fleischsiefen könnten aber in der Verlängerung zu der möglicherweise dann gar nicht so blind auslaufenden zweiten Landwehr (Blindlandwehr) gehört haben. Sie könnten aber genauso gut die Verlängerung der umfangreichen Wallgräben das Tal des Eschensiepen den Marscheider Berg hinauf sein, die bislang ungeklärt sind oder in gar keinen Zusammenhang mit beiden stehen. Leider enden diese von Eschensiepen kommende Strukturen ohne weitere Befunde auf dem Berg, einen Abstieg zum Fleischsiefen oder Marscheider Bach ist nicht belegbar. Eine Altstraße ist dort auch nicht auf Karten ersichtlich.

Bodenstrukturen zwischen dem Fleischsiefen und der klenen Wiese im Marscheider Bachtal
Ob zweite Landwehr, Altstraße oder Fortsetzung der ähnlichen Strukturen am Eschensiepen inst unklar


Vom Marscheider Bach zum Herbringhauser Bach

Am Marscheider Bach ist der Landwehrwall gut auszumachen. Er zieht sich in süd-ost-ost einen recht steilen Hang dem Steinberg hinauf und verschleift sich zunächst auf der Höhe. Etwas später setzt er als hervorragend erhaltener, etwas 500 Meter langer Doppelwall in west-ost wieder ein und durchläuft hier denkmalgeschützt, zweimal von modernen Forstwegen durchbrochen den Fichtenwald und eine umzäunte Schonung und endet auf dem Gipfel des Höhenzugs Paulsberg an einem Feld in Laufrichtung des Weilers Herbringhausen, nachdem er kurz zuvor von einem Waldweg in Höhe eines Wetterpilzes durchbrochen wurde. Der Denkmaleintrag lautet im Wortlaut:

Im Westen besteht die Landwehr aus einem 6 m breiten Damm mit beiderseitigen Randwällen von 2-2,5 m Breite und 0,4-0,8 m Höhe. Vor den beiden Randwällen jeweils ein Graben von 2-2,5 m Breite und 0,5-0,7 m Tiefe.

Unmittelbar neben dem zum Steinberg führenden Waldweg, da wo dieser die Landwehr durchbricht, ist ein bogenförmig an die Landwehr anschließender Wall von 12 m Länge feststellbar. In dem von dem Weg, der Landwehr und dem Wall gebildeten Zwischenraum liegt ein Hügel von 4,5 m Durchmesser und ca. 1 m Höhe; vielleicht eine Warte. Im Osten, 40 m westlich vom östlichen Ende der Landwehr und 15 m östlich eines modernen Wegedurchbruches ein offenbar älterer Durchgang mit Hohlwegresten; Gewanname: Am Schlagbaum.

Westlich des älteren Durchganges zeigt der Damm der Landwehr zwischen den beiden Randwällen nur noch eine Breite von 1,5 m, östlich des Durchbruches verschwinden die Randwälle ganz in die Breite des Walles beträgt an der Basis nur noch 6 m, an der Krone 3 m.

Der Denkmalschutz hat aber den Förster oder Jagdpächter nicht daran gehindert auf dem Steinberg einen Hochsitz in den Wall hinein zu bauen. Neben der möglichen Warte ist durch den Gewannflurnamen Am Schlagbaum ein Landwehrdurchgang belegt. Er gehörte vermutlich zu der Altstraße aus dem Tal der Wupper auf die Höhenlage des Paulsberg hinauf. Der heute Herbringhauser oder Marscheider Wald genannt Forst hieß im Spätmittelalter und der Neuzeit Olscheid oder auch Olpscheid, der Herbringhauser Bach daher Olpebach. Die Bodenfunde entsprechen also auch der Verlaufsbeschreibung von 1763/64.

Auf der anderen Seite des Wegdurchbruchs auf dem Paulsberg ist der Doppelwall in schon ramponierter, aber gut sichtbarer Form bis zu dem Rand der Wiese / des Feldes erhalten. Die Flure nördlich davon heißen Welbernbusch, was vermutlich auf den Wall (Busch/Wald am Wall) zurückzuführen ist, sowie Am Schlagbaum und Im tollen Anschlag, was auf eine Zollstelle hinweist (Die Etymologie Tolle Anschlag = Zoll veranschlagen = Zollstelle mit Schlagbaum ist bei dem Halveraner Ort Anschlag nachgewiesen, der früher ebenfalls Tolle Anschlag hier und eine Zollstelle besaß). Über das Feld lief die Landwehr in gerader Linie fortlaufend nach Osten. Zwei kurze, bewachsene Geländestufen markieren den Verlauf. Der Boden ist im Luftbild von Google Earth auf exakt dieser Linie leicht anders gefärbt, wahrscheinlich das Resultat unterschiedlicher Wachstumsbedingungen aufgrund der abweichenden Bodendichte. Eine der beiden Geländestufen weist einen stark knorrigen Wuchs aus, möglicherweise ein Überbleibsel des Gebücks. Ein Feldweg quert den Verlauf, die Flur dahinter heißt Vor dem Baum. Von anderen Stellen ist bekannt, dass solche eine Flur fast immer auf einen nahen Schlagbaum hinweist. Die Flur zwischen Herbringhausen und der Landwehr trägt den Namen Landwehrfeld.

Steil ansteigender Doppelwall vom Marscheider Bach den Steinberg hinauf
Blick zurück in das Marscheider Bachtal


Hochsitz mitten im Wall auf dem Steinberg
Ab der Wiese mit dem Hochsitz ist die Landwehr gut erhalten


Doppelwall im Wald auf dem Paulsberg
Doppelwall im Waldauf dem Paulsberg


Auf der Höhenlage des Paulsberg ist der Doppellwall hinter dem Wegdurchgang nicht gleich als Landwehr erkennbar. Hier endet er auch zunächst
Eine von zwei bewachsenen Geländekanten auf der Wiese zwischen Wallende und Herbringhausen. So wie dieser Baum knorrig wuchs, so kann man sich das Gebück vorstellen. Vielleicht ist es sogar noch ein Rest davon



Die Situation auf der Herbringhauser Hochfläche in einer Luftaufnahme von Google Earth. Von Osten kommt der denkmalgeschützte, gut erhaltene Doppelwall über den bewaldeten Paulsberg und endet am Waldrand. Die Fortsetzung ist in Form zweier kurzer Geländestufen und vor allen als Bodenverfärbungen auch in eingeebneten Feld noch auszumachen.
(Luftaufnahme: (c) Google Earth et al., veröffentlicht unter der generellen Erlaubnis von Google für nicht-kommerzielle Webauftritte)


Knapp nördlich des nördlichsten Gebäude des Weilers Herbringhausen wendete sich die Landwehr in einem kleinen Bogen nach süd-ost-ost dem dortigen unbenannten bewaldeten Siepen zu und folgte an der Südseite dessen Verlauf zunächst nach nord-ost-ost und dann im weiten Boden nach Osten auf den Herbringhauser Bach zu. Im mittleren Drittel des Siepens ist der Wall noch am Rand eines Weges erhalten.

Wallrest am Trampelpfad im namenlosen Siefen zwischen Herbringhausen und dem Herbringhauser Bach
Hier in seiner am besten erkennbaren Form


An ungeklärter Stelle überquerte die Landwehr den Herbringhauser Bach. Der Wuppertaler Landwehrforscher Martin Lücke nimmt an, der Herbringhauser Bach selbst sei als Bestandteil der Landwehr an einer Stelle verlegt worden. Diese Stelle wird von einen plötzlichen, etwas 60 Meter langen Richtungswechsel des Bachs von süd-nord nach ost-west und dann wieder nord-süd markiert.

Vom Herbringhauser Bach zur Wupper

In Höhe des dem Bachrichtungswechsels mündet von Beyenburg-Sondern (aus Osten) kommend ein weiterer Siepen im Herbringhauser Bachtal, der auf halber Höhe in eine Wiese übergeht. Auf der Südseite ist wieder bis zur Wiese der Landwehrwall zu sehen. Er kommt ca. 150 Meter den Siepen in nord-ost hinauf und wendet sich vor der Wiese im Bogen nach nord-ost-ost. Hiesige Flurnamen besitzen einen gewissen Wiedererkennungswert: Mit An der Wolfskuhle und Der Baßhagen sind wieder typische, an Landwehr vorkommende Fluren der Grundform Wolfskuhle und Hagen zu vermerken.

Der Wald zwischen Sondern und dem Herbringhauser Bach wird Sondernbusch genannt. Es handelt sich um einen herzoglichen Kameralwald, also gegenüber dem Markenwald mit besonderen Rechten versehenen Wald. Eine Forstkarte aus dem Jahr 1799 des Sondernbuschs zeigt die Landwehr, wie sie vom Bach entlang eines Weges zu Höhenrücken bis zu einen Schlagbaum östlich der heutige Landesstraße L411 südlich von Sondern in Höhe der Steinhauser Straße führt. Diese Straße (und südlich davon die heutige L411) war im Mittelalter Teil einer bedeutenden Handels-, Pilger- und Heerstraße zwischen Köln und Dortmund und querte im nahen Beyenburg die Grenze zwischen dem Herzogtum Berg und der Grafschaft Mark. Dementsprechend aufwändig war die Sicherung, Kontrolle und Zollerhebung mittels der Beyenburg. Die auf der Forstkarte eingezeichnete Landwehrverlauf findet sich tatsächlich in dem Wall im Siepen wieder.

Die Landwehr im Sonderbusch zwischen dem Herbringhauser Bach und Sondern
Der weitläufige Bogen ist gut zu erkennen


An der L411, die an dieser Stelle etwas westlich von der Altstraße verläuft, ist durch neuere Wohnbebauung das Gelände ohne Spuren der Landwehr. Dort stand aber bis in die 1970er Jahre der Oberhof und alte Fotografien zeigen dort noch den Landwehrwall. Auch Engels beschrieb 1938 einen Damm und bis zu 10 Meter breite Erhöhung östlich bzw. westlich des Oberhofs als Landwehr, die sich anschließend als Wallhecke nach Osten mitten durch das heutige Wohngebiet am Siegelberg fortsetzte. Dann wendete sich im leichten Bogen nach Südost dem Hengstener Bach zu. Auf der Luftaufnahme von 1928 ist der Verlaufs der Wallhecke entlang eines Weges über das damals noch freie Feld gut auszumachen.

Auffallend ist, dass die bergischen Beyenburger Machtzentren, bis 1296 der erstmals 1189 erwähnte gräfliche Oberhof Steinhaus und ab dem 14. Jahrhundert die Beyenburg sowie Kloster und Freiheit, jenseits dieser Landwehrlinie lagen, also keinen Schutz durch diese genossen. Während die Burg und der Oberhof alleine wehrhaft genug waren, so waren die Bauern hier nur durch die Barmer Landwehrlinie an der Wupper entlang geschützt, die im gesamten Verlauf innerhalb des Amtes Beyenburg nur wenige Kilometer oder gar hundert Meter nördlich parallel verlief. Ob sich die beiden Linien zeitlich ablösten oder als gestaffelter Schutz zeitgleich vorhanden waren, ist bislang aber ungeklärt. nach einigen Theorien (Fahne, Helbeck) könnte sich die Barmer Landwehr bei dem Hengstener Bach mit der Barmer Landwehr vereint haben.

Eine Flurgenze markiert den Abstieg der Landwehr von dem Siegelberg zum Hengstener Bach. Am anderen Ufer setzt der Landwehrwall wieder ein und zieht sich nach Osten den ganzen bewaldeten Steilhang, unterbrochen von einem Fahrweg, auf die Höhe zwischen Hengsten und Gangolfsberg hinauf. Auf der Höhe wendet sich der Wall nach süd-süd-ost und geht in mit Unterbrechung in eine Geländekante auf einer Wiese über. Entlang dieser Geländekante sind in Reihe Hainbuchen geplanzt, die eine Vorstellung davon geben, wie ein Gebück früher mal ausgesehen haben könnte. Die Kante verschleift sich nach ca. 150 Metern die Geländekante und der Bewuchs endet. Flurgrenzen lassen erahnen, dass die Landwehr in einem Bogen nach nord-nord-ost in einer Senke den Stoffelsberger Bach übertritt und in einen Wäldchen nördlich von Stoffelsberg eintaucht. In dem Wäldchen findet sich der Wall in stark verschliffener Form wieder und wendet sich im Bogen nach Südosten. Auch auf der anderen Seite des nun kommenden Fahrweg ist der Wall an Grenze zwischen Wald und Feld zu erahnen. Hinweise auf den Landwehrverlauf bieten auch hier wieder Flurnamen, hier der Landwehrbusch.

Wilhelm Engels nahm an, dass die auffallend große Dichte an Sattelhöfen entlang der Landwehr an der nördlichen Grenze des Kirchspiels Radevormwald im Bezug zu dieser steht. Er vertrat die These, dass die Bauern dieser Sattelhöfe im Gegenzug zu gewissen Privilegien für die Verteidigung gerüstet und verpflichtet waren. Folgt man dieser These, so findet sich im Nahbereich der 1411 belegte Sattelhof Kotthausen, der durchaus im Rahmen dieser Theorie diese Funktion erfüllt haben könnte.

Wall/Graben vom Hengstener Bach hinauf nach Gangolfsberg
Am oberen Hangende


Auf der anderen Seite der Kuppe
Gut ausgeprägter Wall/Graben


Die Landwehr verlief auf dieser Geländekannte. So wie hier kann man sich wohl das Gebück vorstellen
Ein paar Meter weiter


Im Wald bei Stoffelsberg ist der Wall/Graben schon stark verschliffen ...
... und mehr zu erahnen, als zu sehen


Von der Wupper bis Radevormwald-Landwehr

Die Landwehrlinie übersprang laut der Beyenburger Rentmeisterrechnung von 1759/1760 bei Mühlenfeld (Oege) die Wupper Der Verlauf ist laut der Rentmeisterrechnung: Kirchspiel Remlingrade - Feckinghauser Schlagbaum - Schiffahrt - Klütingen - Hürxtal - Altena - Hollermühle. Dieser Abschnitt ist für die Landwehrforschung besonders lohnenswert, das sich hier die Anlage in großen Teilen hervorragend erhalten hat. Glücklicherweise ist sie zudem auf großer Länge als Kulturdenkmal unter Schutz gestellt.

Nach der Wupperüberquerung folgte sie nun zunächst dem Ostufer des Spreeler Bachs (Spreeler Bach ist die amtliche Bezeichnung für das in die Wupper mündende Gewässer südlich des Zusammenflusses des Spreeler Bachs und des Brebachs bei der Spreeler Mühle. In der Literatur wird oft auch dieser Unterlauf als Brebach bezeichnet). Der Bach stellte im Mittelalter die Grenze zwischen dem ab 1301 bergischen Gerichtsbezirk und Kirchspiel Radevormwald und dem kurkölnisch, bis spätestens 1324 märkischen Gerichtsbezirks und deckungsgleichen Kirchspiels Schwelm. Heute trennt der Bach den Oberbergischen Kreis von dem Ennepe-Ruhr-Kreis, die Regierungsbezirke Köln und Arnsberg, sowie das Rheinland und Westfalen - ein Beleg für die Konstants, mit der eine mittelalterliche Grenze bis in die heutige Zeit nachwirkt. Gerd Helbeck führt aus, dass die Landwehr in diesem Bereich vermutlich im Spätmittelalter von bergischer Seite errichtet worden ist, da erst ab 1301 sich die Notwendigkeit ergab, Radevormwald gegen Schwelm abzusichern. Zuvor gehörten beide Kirchspiele zu Kurköln und erst nach der Eroberung des jenseits der Wupper als früheren Grenzfluss gelegenen "Brückenkopfes" Radevormwald (vgl. Peter Schöller: Die rheinisch-westfälische Grenze zwischen Ruhr und Ebbegbirge) ergab sich die Notwendigkeit dieser ausgeprägten Grenzsicherung.

Der Mündungsbereich des Spreeler Bachs in die Wupper ist im Laufe der Zeit vollkommen umgestaltet worden. Neben dem Aufstau der Wupper zum Beyenburger Stausee, der Eisenbahnstrecke und breiten Landesstraße ist vor allen der Industriekomplex der Firma Hindrichs am Mühlenfeld zu erwähnen, der wohl vermutlich (siehe Flurname Mühlenfeld) aus einem alten Wassertriebwerk am Spreeler Bach enstanden ist. Der Bach wurde verlegt, die Mündungsfläche großzügig bebaut, ein großer Stauteich wurde angelegt, so dass eine Spurensuche nach der Landwehr erfolglos bleiben muss. Auch der Landwehrdurchgang, der an der Altstraße Beyenburg-Remlingrade zu erwarten wäre, ist nicht mehr belegbar.

Oberhalb des Stauteichs zieht sich ein ca. 12 bis 15 Meter breites, bewaldetes Flurstück am Ostufer dem Bachlauf bis hinter dem einsamen Haus Im Wildental hinauf. Breite und dem Verlauf legen wie an anderer Stelle auch hier nahe, dass es sich um die Landwehrtrasse handelt - das Urkataster von 1825 betätigt dies. Ein Wallgraben ist aber nicht auszumachen. Da es aber am Rand des Flurstücks eine ausgeprägte Geländekante zur Bachaue gibt, stellt sich die Frage, ob die Landwehr hier mehr war als ein bloßes Gebück. Ein Wallgraben hätte auch kein besseres Hindernis dargestellt, als diese bis zu zwei Meter hohe natürlich Geländekante und die sumpfige Bachaue es ist.

Dieses Flurstück endet an einem rechtwinkligen Knick des Bachlaufs und zunächst helfen uns nicht mal heutige eindeutige Flurgrenzen weiter, einzig das Urkataster. Ein paar hundert Meter weiter bachaufwärts setzt ab der Einmündung des Pastoratshofer Bachs eine passend erscheinende Flurgrenze und noch etwas weiter unvermittelt ein mächtiger, zweistufiger Wallgraben ein, der den Bachlauf im schrägen Winkel verlässt und durch Wald den steilen Hang zur Hochfläche bei Vorm Baum erklimmt. Die Landwehr besteht aus einem kleineren, nach Norden gerichteten Wall, dann einem Zwischenraum von ca. 20 Metern und dahinter aus einem mächtigen, ca. 1 Meter hohen Wall. Das die Landwehr dort, wo der Spreeler Bach verlassen wird, in imposanter Erscheinungform noch vorhanden ist, während am Bachlauf selbst keine Reste eines Wallgrabens auszumachen sind, stützt die These, dass dort ein bloßes Gebück/Gedörn zusammen mit der Geländekante und dem Bach als hinreichendes Hindernis gesehen worden sein könnte. Dort, wo die Landwehr sich von dem Bach abwenden musste, war nun als Ersatz der Wallgraben nötig.

Wallgraben am Hang des Brebachtals vor Vorm Baum. Links der höhere Wall, rechts der niedrigere Wal, dazwischen der breite Zwischenraum
Der höhere Wall von der Seite


Oben auf der Hochfläche hat die Landwirtschaft alle Spuren eingeebnet. Erst hinter Vorm Baum finden wir wieder den Wallgraben, in dem ein Feldweg angelegt wurde. Einzelne Seitenränder des Wegs sind als Landwehrwall zu identifizieren, erst wo der Feldweg in den Wald eintaucht finden wir den Doppelwall wieder in voller Erhaltung. Der Name der Radevormwalder Grenzsiedlung Vorm Baum ist unschwer als Landwehrdurchgang einer Altstraße mit Schlagbaum zu deuten ist. Die sogenannte Schwelmer Straße seit dem Jahr 1400 belegt, Vorm Baum selber seit 1547. Am Baumer Berg wendet sich der Wallgraben nach Süden und steigt nun neben dem Feldweg zum Oberlauf des Brebachs ab, wobei er im Abstand von ca. 50 m erstmal parallel zum Bachlauf verläuft. Kurz vor Erreichen des Talgrunds wendet er sich nun direkt Richtung Südost dem Bach zu und endet an vom ihm gespeisten Fischteichen. Dieser Richtungswechsel scheint anzudeuten, dass der Bach von der Landwehr übersprungen wurde. Oberhalb von der Hofschaft Brebach befindet sich die Landwehr aber eindeutig wieder östlich des Bachs, dazu gleich mehr.

Bei Vorm Baum (im Hintergrund): Der Weg ist auf der Landwehr angelegt worden, das Gebüsch auf der rechten Wegseite wächst auf dem Wall
Im Wald verläuft der Weg neben der Landwerh, daher hat sich der Doppelwall hier gut erhalten
Weiter geht es parallel zum Brebach neben dem Weg durch den Wald
Auch hier ein gestufter Doppel-Wallgraben


Strategisch gesehen wäre dieser Seitenwechsel also nur vom begrenzten Nutzen, da weder ein größeres Gebiet als zu Radevormwald gehörend umfasst wurde, noch der Bach nun als Annäherungshindernis genutzt werden konnte. Der Brebach wendet sich bei der gleichnamigen Hofschaft von Nordosten kommend in einem weiten Bogen in Richtung Norden, im Scheitelpunkt des Bogens liegt Brebach. Wie und auf welcher Seite die Landwehr diesem Bogen gefolgt ist, ist unklar. Für beide Seiten gibt es Indizien. Für einen Verlauf der Landwehr diesseitiger, Radevormwald zugerichteter Seite des Bachs spräche eine Geländekante im sich anschließenden Feld vor Brebach und ein mit einer Baumreihe angedeutete Flurgrenze durch den Hof hindurch, die ebenfalls dem Bogen folgt. Aber auch für ein Verlauf jenseits des Bachs gib es Indizien; So zum einen ein längliches Flurstück entlang der Nordseite des Bachs, in dem das Gelände unbestimmbare Struktur aufweist und eine Geländekante auf dem Feld hinter dem Bogen. Auch scheint das gut erhaltene, als Bodendenkmal geschützte Landwehrstück nördlich von Brebach direkt auf den Bach zuzulaufen, als ob auch hier der Bachlauf übersprungen wurde. In der Tendenz spricht vieles (Landwehr hält an beiden erhaltenen Enden direkt auf den Bach zu, längliches, strukturiertes Flurstück am Bach, Geländekante im Feld) für einen Verlauf jenseits des Brebachs.

Die Geländekante links des Brebachs. Aus dem Wald auf dem Baumer Berg im hintergrund kommt die Landwehr auf den Fotografen zu
Das Flurstück mit den Strukturen rechts des Brebachs


Jedenfalls setzt die Landwehr nördlich von Brebach als hervorragend erhaltener Doppel-Wallgraben wieder ein. Auch hier ist die Aufbau wieder gestuft: Ein kleinerer Wall am heutigenWaldrand, dann bis zu 15 Meter Abstand und anschließend ein hoher Wall mit Graben. Die Bauform erinnert an die am Spreeler Bach vor Vorm Baum. Die Landwehr hält nun zum Brebach wieder mehr Abstand und wendet sich in einer kurve nach süd-ost-ost dem Singerhof zu. Im unmittelbaren Hofbereich ist sie nicht mehr in der breiten Form vorhanden, insbesondere der kleiner Wall wurde von Gebäuden überbaut, aber der große Wall setzt sich auch dort fort. Am anderen Ende des Hofes setzt trotz widriger Umstände (Hofraum, Zugangswege, etc.) auch der kleinere Wall wieder ein. Die Landwehr überspringt hinter dem Hof die Landwehr und ist ein kurzes Stück sogar als vierfaches Wallgrabensystem auszumachen, deren zwei östliche Wälle nach ein paar Metern enden. Eine derartige Verstärkung lässt auf einen Landwehrdurchgang schließen, der dort allerdings nicht belegt ist.

Die Landwehr in ihrer hervorragend erhaltenen Leitform als Doppel-Wallgraben
Bogen zum Singerhof (im Hintergrund)
Am Singerhof selbst ist noch der höhere Wall vorhanden
Hoch nach Radevormwald-Landwehr


Hinter Singerhof setzt die Landwehr sich wieder als Doppel-Wallgraben (hier Schnittbild aufgrund eines querenden wegs) fort. Links die Landwehr mit Dopppelwall, rechts beginnen hier zwei weitere, aber nach wenigen Metern wieder endende Wälle


Als Doppelwallgraben setzt sich die Landwehr durch den Wald in Richtung nord-ost-ost fort und erklimmt die geringe Steigung hoch zu dem Radevormwalder Grenzort mit dem eindeutigen Namen Landwehr an der Bundesstraße 483. Ca. 70 Meter vor der Bundesstraße setzt eine dritter, der märkischen Seite vorgelagerter Wall mit Graben ein, die Gesamtbreite beträgt nun 18,5 Meter. Engels schreibt, dass dieser Wall der höchste in der Anlage war und die anderen um einen halben Meter überragte; diese Feststellung lässt sich heute nicht mehr treffen. Da die durchgehenden Wallgräben in unveränderter Form vorhanden weiterführen, scheint der dritte, vorgelagerte Graben eine nachträgliche Erweiterung zwecks besonderes Absicherung des Landwehrdurchgangs an der heutigen Bundesstraße darzustellen. Das die heutige Bundesstraße einen Durchgang in der Landwehr markiert belegt eben dieser Umstand, dass kurz vor oder hinter der Straße die Landwehr drei bzw. sogar vier Wälle besitzt, also besonders gesichert war. Auch trägt der nächste Ort entlang der Straße in Richtung Schwelm den bezeichenenden Namen Ennepetal-Schlagbaum. Die Straße ist in einer Situationsskizze der Landwehrvermessungskommission aus dem Jahr 1799 als die Landstraße Frankfurt-Elberfeld identifizierbar.

Die Wallgräben enden ein paar Meter vor der Bundesstraße an einem Haus, aber die Fortführung im Wald auf der anderen Straßenseite lässt den Verlauf schräg in nord-ost über die Bundesstraße erkennen.

Von Radevormwald-Landwehr bis zur Ennepetalsperre

Die Landwehr setzt unmittelbar hinter der Bundesstraße B483 im Wald in alter Doppelwallgrabenform wieder ein und nimmt, in einem Bogen von nord-ost nach Osten verlaufend, nach wenigen Metern beeindruckene Ausmaße an. Der dritte und bald darauf ein vierter Wall setzen nach wenigen Metern wieder ein und die Anlage besteht nun aus einer Gesamtbreite bis zu 25 Metern, auf der sich die Wallgräben im weiteren Verlauf in gestaffelter Form anordnen. Je nördlicher der Wall, desto tiefer seine Lage und geringer seine Höhe. Es ergibt sich ein terrassenförmige Niveau der Gräben bzw. Bankette zwischen den Wällen, das nach Norden abfällt. Der tiefste Graben und höchste Wall liegt an der dem Bergischen zugewandten Seite in Süden. Der nördlichste Wall verläuft zudem direkt an einem kleinen Siepen, ein Zufluss des Freebachs und nutzt ihn als weiteres Annäherungshindernis. Mitten in die Landwehr wurde ein Brunnen mit Häuschen errichtet. Diese starke Ausführung des Landwehr lässt darauf schließen, dass der Durchgang an der Landstraße Frankfurt-Elberfeld (die heutige B483) stark gesichert war.

Die Landwehr bei Radevormwald-Landwehr, Blickrichtung B483. Vier Wälle mit dazugehörigen Gräben lassen den starken Schutz des Durchgangs erkennen
Blick in Gegenrichtung. Die Anordnung der vier Walle ist auch in der Höhe gestaffelt, der äußerst nördliche (linke) Graben ist ein natürlicher Siefen


Dieser Vierfachwall, der wohl zu dem ausgeprägtesten Erscheinungsbild der Landwehr zählt, endet an einem kleinen lichten Dreieck, das von zwei weiteren Zuflüssen des Freebachs aufgespannt wird. Auf dieser sehr morastigen Freifläche ist keine Landwehr mehr auszumachen, aus der Situationsskizze der Landwehrvermessungskommission aus dem Jahr 1799 geht aber hervor, dass auch dort Wallgräben vorhaben waren. Diese setzen im Wald dahinter wieder in nord-ost-ost in dreifacher Form durch den Wald fort, die Flur südlich heißt laut der Liegenschaftskarte An der Landwehr. Vermutlich ein Landwirt hat begonnen, den südlichen Graben mit landwirtschaftlichen Abfällen, darunter nicht verkaufte Weihnachtsbäume und Schutt, zu verfüllen. Unterbrochen von einem Siepen zieht sich die Landwehr in gut erhaltener Form durch den Wald, links später an einem Weg entlang verlaufend. Die Höhe des Walls beträgt vom Wegniveau gut zwei Meter. Mit dem Siepen überquert die Landwehr die Stadtgrenze von Radevormwald zu Breckerfeld und verläuft nur auf Breckerfelder Gebiet. Dies steht nicht im Widerspruch zu der Tatsache, dass die bergischen Randgebietslandwehren grundsätzlich hinter der Territirialgrenze auf bergischen Gebiet verliefen, denn erst 1928 wurde durch eine Gebietsreform das Einzugsgebiet der Ennepetalsperre auf Kosten Radevormwalds dem Ennepe-Ruhr-Kreis zugewiesen (vgl. Peter Schöller). Die Territorialgenze zwischen dem märkischen Gerichtsbezirks Schwelm und dem bergischen Amt Beyenburg ist also hier weiter im Norden zu suchen.

Hinter der Freifläche findet sich wieder der in der Höhe gestaffelte Dreifach-Wallgraben in ausgeprägter Erscheinungsform. Das Foto bringt es nicht so richtig herrüber, aber die Höhe vom nördlichen (linken) und mittleren Graben zum dazugehörigen Wall beträgt beinahe zwei Meter
Ein paar Meter weiter. Rechts hinter dem südlichen (rechten) Wall hat vermutlich ein ortsansässiger Landwirt begonnen, den Graben mit landwirtschaftlichen Abfällen zuzuschütten
Die Situationsskizze der Landwehrvermessungskommission aus dem Jahr 1799. Sie zeigt den Landwehrverlauf zwischen der Landstraße Frankfurt-Elberfeld und dem Klütinger Schlagbaum. Quelle Landesarchiv Düsseldorf


In Höhe der Hofschaft Feckinghausen ist ein Durchbruch in der Landwehr. Der heutige Waldweg war früher eine der zahlreichen Verästelungen der regional wichtigen Straße von Köln in Richtung Dortmund und kam aus Richtung Obernhof. Auf der Situationsskizze der Landwehrvermessungskommission ist der Durchgang als Feckinghauser Schlagbaum beschriftet. Ein paar Meter hinter dem Durchgang ist die Landwehr noch gut zugänglich, dann führt sie in einem Gehölzstreifen zwischen Feldern hinab zur Hofschaft Schiffahrt. Auch hier ist der nördlichste Wall weniger gut ausgeprägt, der mittlere und südliche dagegen seht stark. Da neben dem südlichen Wall ein Siefen beginnt, beträgt der Höhenunterschied von Wallspitze zu Graben im unteren Bereich vor Schiffahrt mehr als 4 Meter. Der nördliche Wall endet auf halber Strecke an einem Feld und nur noch die beiden ausgeprägten Wälle setzen sich fort, verschleifen sich aber im morastigen Talgrund des Bachs Heilenbecke. Engels spricht 1938 noch von einem erhöhten Damm mit 7,8 Meter Breite, der heute dort nicht mehr ersichtlich ist. Die angrenzende Flur südlich davon trägt wieder den Namen An der Landwehr.

Der Landwehrdurchgang bei Feckinghausen. Hier befand sich ein Schlagbaum an der Altstraße
Detailaufanhme des Walls. Gut ist das aufgeschüttete Material zu erkennen
Rückwärtiger Blick zwischen den Wällen auf dem Feckinghauser Durchgang
Kurz darauf verschwindet die Landwehr in einem dichten und schmalen Fichtenstreifen
Hinter den Fichtenwald. Der nördliche dritte Wall (links) endet hier an einem Feld, der mittlere und südliche gehen weiter
Interessant ist der südliche Graben, der mehr als vier Meter neben dem Wall abfällt. Zunächst beim Feckinghauser Schlagbaum künstlich angelegt, ist er hier ein wasserführender, tiefer Siefen


Die Landwehr setzte sich in gerader Linie fort und überquerte die Heilenbecke. Am anderen Ufer trennt ein Bergsporn die Heilenbecke von ihrem Zulauf Richlinger Bach und die Landwehr folgte in einem Bogen dem Hang nach Norden. Ein paar Meter Wallgraben sind zwischen Bach und Hang noch auszumachen, dann übernehmen Geländeabbruchkanten aus Fels die Hindernisfunktion. Die Situationsskizze der Landwehrvermessungskommission zeigt an dieser Stelle auch nur einen Wallgraben. Die Landwehr umrundete den Bergsporn und wendete sich nun wieder nach Osten. Ein heutiger, nach Oberklütingen ansteigender Waldweg durchbricht nun den Verlauf der Landwehr, die links des Weges auch als verschliffener Doppelwall entlang dem Richlinger Bach wieder einsetzt. Allerdings endet die Wallgrabenstruktur erneut spurlos an einem Feld. Es scheint aber in Höhe der Hofschaft Richlingen die Geländeabbruchkante zu dem Bachlauf den Wall ersetzt zu haben, denn er setzt in gut erhaltener doppelter Form an der Stelle wieder ein, an der die Landwehr den Bachlauf in nord-ost-ost wieder verlässt und schräg - ähnlich wie vor Vorm Baum - am Hang aus dem Tal hinaufsteigt. Der nördliche Wall ist abermals niedriger und weniger stark als der südliche. An einer Stelle entfernt er sich bis zu 30 Metern von dem südlichen Wall, um sich ihn dann wieder anzunähern.


Beim Bach Heilenbecke. Ein Einzelwall setzt unmittelbar hinter dem Bach ein
Zunächst aufgeschüttet, nähert sich der Wall einer Feldkante an und wird von dieser als Hindernis abgelöst. Ein schönes Beispiel für die Ausnutzung natürlicher Gegebenheiten bei der Trassierung
Nach der Querung des Wegs übernimmt die Kante zum Richlinger Bach die Funktions des Doppelwalls; hier fanden vermutlich nur leichte Erdebewegungen statt und die Landwehr bestand nur aus der Kante zum Bach und dem Gebück/Gedörn. Die Trasse der Landwehr hat sich aber noch erhalten
Nach der Querung des Wegs übernimmt die Kante zum Richlinger Bach die Funktions des Doppelwalls; hier fanden vermutlich nur leichte Erdbewegungen statt und die Landwehr bestand nur aus der Kante zum Bach und dem Gebück/Gedörn. Die Trasse der Landwehr hat sich aber noch erhalten


Oben auf der Höhenlage ist ein weiter Landwehrdurchgang zu vermelden. Der Klütinger Schlagbaum sperrte hier die Altstraße von Hückeswagen nach Dortmund, heute ein Waldweg. Dieser Durchgang scheint von märkischer Seite eine gewisse Wichtigkeit zugedacht gewesen zu sein, denn hier findet sich auf märkischer Seite in Höhe Herminghausen-Hölken eine der seltenen märkischen Wegsperren, die einen Durchgang auch von märkischer Seite kontrollieren sollten. Diese märkische Wegsperre zieht sich mit einer Länge von ca. 120 Meter ca. 125 Meter nördlich von der bergischen Landwehr parallel zu ihr durch den Wald. Sie besteht aus einem 3 Meter breiten Wall mit Graben auf bergischer Seite.

Der Landwehrdurchgang (Doppelwall) am Klütinger Schlagbaum. Bild vom Weg aufgenommen
Auf der anderen Seite


In gut ausgeprägter Doppelwallform mit 13,9 Meter Breite nähert sich die Landwehr in Richtung Osten verlaufend den Feldern nördlich Oberklütingens und steigt an einer Ecke in Feld zum Klütinger Bach/Siepen hinab, überquert ihn auf 18,6 Meter Breite angewachsen und wendet sich ansteigend in süd-ost. Auch hier heißt die angrenzende Flur südlich davon An der Landwehr. Nach wenigen Metern wendet sich der nördliche Wall ab bzw. folgt nicht der Kurve des südlichen Walls und endet nach 12 Metern unmittelbar. Die Landwehr zieht sich anschließend als Einzelwall mit einer Breite von 7,2 Metern in Kurven wieder nach Osten und wird von einem Waldweg zwischen Filde und Rüggeberg unterbrochen. Entlang dem Waldweg finden sich quer zur Landwehr verlaufende, ca. 120 Meter lange wallähnliche Strukturen in Richtung Filde, deren Herkunft noch zu klären ist. Engels deutet sie als die Straße zum Durchgang kanalisierende, begleitende Landwehren, die die Umgehung der Kontrollstelle verhindern sollten.

Hinter dem Klütinger Bach endet der zweite Wall und der südliche Wall zieht sich nun alleine im Bogen durch den Wald
Der zweite Bogen der S-Kurve
Der Durchgang bei Filde
Auf der anderen Seite


Anschließend steigt sie über eine seit dem Stum Kyrill gerodete Fläche in Richtung süd-ost hinab zu dem tiefen Bachtal des Bachs Wüllenbecke. Der Wallgraben ist über großer Strecke mit Totholz bedeckt, das aus der Rodung nach Kyrill bei den Waldarbeiten dort verblieb. Die Flur südlich trägt wie der Bach den Namen Wüllenbecke, möglicherweise eine Ableitung der Bezeichnung Wallbach (Wüllen = Wall, Becke = Bach). Der Wall hat diese Arbeiten bislang relativ unbeschadet überstanden. An Talgrund quert wieder ein Waldweg die Landwehr, die sich anschließend als Wallgraben bis kutz vor dem Bach fortsetzt. Auf der anderen Talseite führt der Wall ca. 50 Meter den steilen Hang hinauf und endet abrupt im Gelände. Über den weiteren Verlauf geben indirekt nur Flurgrenzen Aufschluß; so führt die Flur weiter in Richtung süd-ost den Hang bis zu einem Feld auf der Höhenlage hinauf und wendet sich dort nach Osten. Auf der Höhe hinter dem Feld ist ein stark verschliffener Wallgraben auszumachen, der erst in seiner Fortführung als tieferer Graben vor einem Waldweg sich als Landwehr zu bestätigen scheint. Der Graben läuft auf den Waldweg zu und scheint ihn in Höhe des Wasserwerks der Ennepetalsperre zu überqueren. Auf der anderen Wegseite setzt in schöner Form wieder ein Doppellwallgraben ein, der nun wieder talwärts nach süd-ost auf einen Zulauf der Ennepe zuhält. Vor dem sumpfigen Bach endet der Wall, setzt aber in Hang dahinter wieder für ca. 50 Meter ein, anschließend verliert sich erneut jede Spur des Wallgrabens, der einen Verlauf parallel zur Ennepe in den Höhen zustrebt. Die Flur westlich davon heißt Auf der Mark; die Bedeutung des Begriffs Marke als Grenze mag hier eine Rolle gespielt haben.

Der Wall auf der von Kyrill gerodeten Waldfläche...
... zieht sich talwärts zum Wüllenbecker Bach/Siepen
Nach der Querung des Wegs übernimmt die Kante zum Auf der anderen Seite den Bachs. Am Standort des Fotografen verschwindet jegliche Spur des Wallgraben
Auf der Höhenlage fallen Spuren des stark verschliffenen Wallgrabens nur dann auf, wenn man weiß, dass er hier zu finden ist
Am Wasserwerk zieht sich der Wallgraben den Hang hinab zum Taggrund
Auf der anderen Seite ist noch ein Stück Wall auszumachen, dann verschwindet er wieder spurenlos


Abermals hilft der Blick auf die Flurgrenzen und die Urkatasterkarten. Die Grenze zieht sich im oberen Bereichs des Hangs zum Ennepetal in Richtung süd-süd-ost, wendet sich in einem engen Bogen nach süd-west-west und kurz darauf wieder absteigend nach süd-süd-ost und hält auf einen schmalen bewaldeten Streifen zwischen zwei Feldern im Talgrund eines weiteren Zuflusses der Ennepe in der Nähe der Hofschaft Hürxtal zu. Ca. 50 Meter oberhalb des Talgrunds wird die Vermutung der Flurgrenze als Landwehrflurgrenze durch die Tatsache Gewissheit, dass hier wieder ein Wall einsetzt. nach wenigen Metern verzweigt er sich zu einem Doppelwall, der den Hang hinab durch den Waldstreifen verläuft und dort den Bach quert. Auf der anderen Seite geht der Doppelwall wieder steil den Hang hinauf - der Bergsporn zwischen dem Bach und der Ennepe wird Wolfsnocken genannt - und wird von der Straße zur Staumauer der Ennepetalsperre unterbrochen. Auf der anderen Straßenseite ist es nur ein gut sichtbarer Wallgraben, der nach Wechsel in Richtung süd-ost auf die Höhe des Wolfsnocken hinaufführt, um dann in gerader Linie wieder in gut erhaltener Form auf der anderen Seite abzusteigen. Der Wallgraben endet an der Uferstraße der Talsperre.

Im Hang des Ennepezuflusses bei Hürxtal setzt der Wallgraben wieder ein und spaltet sich kurz darauf sogar in zwei Wälle
Klassischer Wallgraben, allerdings stark verschliffen
Das schmale Flurstück in der Talquerung. Auch hier wieder ein Doppelwall
Auf der anderen Seite den Hang zum Wolfsnocken hoch


Ennepetalsperre

Der weitere Verlauf der Landwehr ist nun durch die bis 1904 errichtete Ennepetalsperre unterbrochen, einzig das Urkataster und auch die ein paar Jahre später (1833) gezeichnete Karte der Bürgermeisterei Radevormwald gibt über den Verlauf Auskunft. Ca. 150 oberhalb der Staumauer erreichte die Landwehr bei einem Rohstahlhammer die Ennepe und folgte nun ihrem Lauf am linken, dem bergischen Ufer flussaufwärts bis zur Holler Mühle. Laut der Karte hatte sich die Ennepe in Teilen in die Landwehr verlagert. Bei der Holler Mühle wurde die Straße Radevormwald-Breckerfeld überschritten.

Nordöstlicher Ausschnitt aus der Karte der Bürgermeisterei Radevormwald, 1833 (Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland). Der Landwehrverlauf von Feckinghausen bis zur Bever ist auf der Karte eingezeichnet.

Von der Ennepetalsperre bis Kettlershaus

In Höhe der Hofschaft Böckel verlässt die Landwehr das Ennepetal und steigt wieder auf die südlichen Höhenzüge hinauf, auf dem oberhalb der Quellen der zahlreichen Ennepezuflüsse auch bis Kettlershaus meist bleibt. Die exakte Stelle, wo sie die Uferlinie überschreitet ist nicht mit letzter Sicherheit auszumachen, leichte Andeutungen einer verschliffenen Walls sind aber bei einer kleinen Landspitze heute noch zu erkennen und ältere Ausgaben der TK25 (Messtischblatt 4710 - Radevormwald) vor und nach dem Talsperrenbau zeigen ebenfalls diesen Verlauf auf. An dieser Stelle befindet sich eine markante Felsklippe, Höllerstein genannt, die teilweise heute unter dem Wasserspiegel liegt, teilweise sich den Hang hinaufzieht. Eben diese Felsklippe, die bis zu mehrere Meter steil nach Nordosten abfällt hat die Landwehr als Annäherungshindernis genutzt.

Knapp oberhalb des Wasserspiegels auf der anderen Seite des Uferwegs befindet sich eine rechteckige Lichtung. Die Felsklippe befindet sich auf deren nordöstlichen Seite und zieht sich die gesamte Länge der Lichtung entlang. Die Oberseite der Klippe ist ebenfalls aus Fels und mit einer dünnen Humusschicht bedeckt; es finden sich dort auf den ersten Blick keine Anzeichen für eine zusätzlich Aufschüttung. Südöstlich der Lichtung findet die Klippe ihr Ende und in direkter Fortsetzung setzt nun übergangslos ein ca. 1,5 Meter hoher Steinwall von 4,5 Meter Breite und kurz darauf ein ausgeprägter Wallgraben ein, wie er als Bauform der Landwehr allzu bekannt ist. Der Graben ist klassisch der märkischen Seite zugewendet und über weite Strecken auffallend tief, der Wall der bergischen. Man sieht an dieser Stelle sehr schön, dass natürliche Gegebenheiten,wie eben diese langgezogene Felsklippe, wo es möglich war als Annäherungshindernis in den Verlauf der Landwehr eingebunden wurde. Alleine dieses belegt auch eine sorgfältige planerische Tätigkeit, die dem Landwehrbau vorrausging. Die Landwehr verläuft in südöstliche Richtung im Wald, ca. 200 Meter oberhalb der Lichtung wird der Wald zur rechten Seite von Agrarflächen abgelöst. Ab hier übernimmt die Landwehr für eine längere Strecke die Funktion als heutige Stadtgrenze zwischen Breckerfeld und Radevormwald, wobei nicht die Landwehr sich nach dem Grenzverlauf gerichtet hat, sondern neuzeitliche Landvermesser 1928 bei der Grenzverschiebung (siehe Abschnitt Landwehr-Ennepetalsperre) das bereits vorhandene Erdwerk als sich anbietende Grenzlinie übernommen haben.

Teil des Höllersteins. Hier stieg die Landwehr aus dem Ennepetal auf
In der rückwärtigen Ansicht ist der verschliffener Wall erkennbar


Die Felskante des Höllerstein ist teilweise mehrere Meter hoch, hier ein weniger ausgeprägter Ausläufer
Die Landwehr machte sich die Felskante als natürliches Hindernis zunutze


Auch wenn es wie ein Wall aussieht, der Boden ist gewachsener Fels. Es verwundert nicht, dass diese natürliche Gegebenheit in den Landwehrbau eingebunden wurde
Die Felskante endet weiter östlich und wird von einen wohlbekannten doppelten und gestaffelten Wallgraben abgelöst


Einschub Wallanlage bei Bökel

Wallanlage bei Bökel: Bevor wir den weiteren Landwehrverlauf besprechen, bleiben wir zunächst in dem Wald zwischen der Feldflur Im Hohl und der Lichtung oberhalb der Talsperre. Dort ist ein weiterer Wall auszumachen, der die Landwehrlinie im rechten Winkel schneidet, zunächst nach Südwest verläuft, sich auf der südlichen Seite der Lichtung im rechten Winkel nach Südosten wendet, dann auf deren südlichen Seite paralell zu ihr im Wald als gut erkennbarer Wall verläuft und schließlich dort ausläuft. Dieser Wall liegt auf einer Flurgrenze, die sich bald drauf wieder nach Südwesten wendet. Folgt man dieser Flurgrenze, so trifft man auf einen weiteren Wall, der aus südöstlicher Richtung, den Hang hinabsteigend kommt und dann im rechten Winkel in südwestliche Richtug der Flurgrenze folgend bis zu seinem Auslauf am Waldrand zu einer Geländekante wird. Der aus südöstlicher Richtung kommende Wall nimmt beim Anstieg den Hang hinauf mit einer Breite von gut 3 Metern und einer Höhe bis zu ca. 1,5 Metern erstaunliche Ausmaße an, die der Landwehr in nichts nachsteht. Dieser Wall führt geradewegs den Hang zum Waldrand hinauf, trifft auf eine Ecke der dahinterliegenden Weide und folgt nun in einem Bogen dem Waldrand nach Süden und hält geradeweg auf die Radevormwalder Hofschaft Born zu. An eine Weg endet dann auch dieser Wall, dahinter liegen weitere agrarische Flächen. Eine erste Deutung als mögliche Ackereinfriedung liegt nahe, dennoch ist eine ackerbegrenzende Wallhecke mit diesen Ausmaßen eher ungewöhnlich. Möglicherweise stehen diese Erdwerke im Zusammenhang mit der Landwehr, was gesondert untersucht werden muss.


Wall ca. 30 Meter auf der anderen Seite der Lichtung parallel zur Landwehrlinie
Wall senkrecht zur Landwehrlinie
Wall ca. 80 Meter parallel zur Landwehrlinie. Die Höhe des mächtigen Walls beträgt gute 1,5 Meter
Zum oberen Feld hin läuft er aus


Wenden wir uns wieder der Landwehr zu. Neben der Nutzung als Stadtgrenze zwischen Breckerfeld und Radevormwald markiert nun im weiteren Verlauf meist den Übergang von Wald zu Agrarflächen. In der Karte der Bürgermeisterei Radevormwald von 1833 ist ist die alte Grenze und auch der Landwehrverlauf bis zur Bever eingezeichnet.

Östlicher Ausschnitt aus der Karte der Bürgermeisterei Radevormwald, 1833 (Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland). Der Landwehrverlauf ist auf der Karte gut erkennbar.

So folgt sie dem Waldrand, immer wenige Meter im Forst verlaufend, der sich einen sanften Bogen zunächst nach Osten, dann wieder nach Südosten wendet. Hier ist der einzelne Wallgraben in einen sehr schönen Zustand erhalten, was hoffentlich durch die bereits erfolgte Schutzstellung als Kulturdenkmal auch so bleiben wird. Die Stadtgrenze wurde erst 1928 nach einer Gebietsreform auf die Trasse der Landwehr gelegt, um das Einzugsgebiet der Ennepetalsperre auf das Gebiet einer Stadt zu bündeln, zuvor markiert die Ennepe im Tal die Grenze, die Landwehr auf der Höhe war wie zumeist auf bergischer Seite ein Stück von ihr zurückgenommen. In einem Bogen verläuft die Landwehr ein Stück innerhalb des Waldes; der Wald ragt hier mit einer Ecke in die Felder hinein. Die Waldflur nördlich der Landwehr trägt den Namen Lichte Schlag, was wohl aber weniger auf einen Schlagbaum, sondern mehr auf eine Rodungstätigkeit hindeutet. Sie passiert anschließend die Hofschaft Wellershausen, das man mit nur wenig Fantasie schnell als Haus am Wall deuten kann. In Höhe Wellershausen wird die Landwehr durch mehrere moderne Forstwege durchbrochen.

Ab Wellershausen verläuft die Landwehr weiter in südöstliche Richtung am Waldrand entlang, der Wallgraben ist aber in einem schlechteren Zustand als zuvor und auch stark mit Ilex und anderen Buschwerk bewachsen. Vor der Hofschaft Schlechtenbeck wendet sie sich in fast rechtem Winkel nach Süden, läuft als einfacher, verschliffener Wall ohne deutlichen Graben durch den Wald auf den Hof zu und endet an dessen Güllebecken. Dahinter schließen sich wieder Wiesenflächen an. Laut Engels ist oberste Teich auf der Wiese auf der Landwehr angelegt worden und der Stadtgrenzenverlauf entspricht auch exakt dieser Annahme. Dahinter liegt eine Waldinsel, an deren östlicher Seite möglicherweise noch Wallgräben sein könnte, der Zugang zu dem Gelände ist jedoch durch einen Zaun verwehrt. Nordöstlich von Schlechtenbeck sind in der Grundkarte weitere Wallgrabenstrukturen verzeichnet, die noch zu erkunden wären.

Doppelwall an der oberen Kante des Ennepetals bei Wellershausen
Der Doppelwallgraben ist noch im guten Zustand erhalten...


... und setzt sich hinter Wellershausen (Haus am Wall) fort.
Doppelwall


Hier verläuft der Wallgraben zwischen einer Weide und einem Waldweg ...
... und ist, da auf langer Strecke mit Ilex bestanden, in großen Teilen schlicht unzugänglich. Man bekommt eine Anhnung wie effizient das Gedörn den Durchgang verhinderte


Vor Schlechtenbeck bildet der Landwehrverauf einen beinahe rechten Winkel ...
... und verläuft als Einzelwall geradewegs auf den Hof zu


Nahe dieser Waldinsel befand sich bis in die 1920er Jahre eine Hofschaft namens Schlagbaum. Auch die Waldflur südlich davon trägt diesen Namen. Wir nähern uns einem wichtigen Landwehrdurchgang der Altstraße Radevormwald-Borbeck-Osenberg-Breckerfeld, die bei Borbeck die Landwehr durchquerte. 1921 ist auf der TK25 auch noch ein nach Süden verlaufender Graben auf der Weide zwischen der Waldinsel und den Wald südlich davon eingezeichnet, der in den Folgejahren untergepflügt wurde. Heute ist auf der Wiese eine Kante wahrzunehmen, die aber in dieser erkennbaren Form auch der in jüngerer Zeit erfolgte unterirdische Verlegung einer Telefonleitung geschuldet sein könnte.

Südlich von Schlechtenbeck setzt die Landwehr an einer Waldecke (Flur Schlagbaum) wieder ein und folgt erneut dem Waldrand. Der Zustand ist mittelmäßig, starker Bewuchs und strukturelle Schäden haben die Landwehr in Mitleidenschaft gezogen. Sie folgt der heutigen Stadtgrenze weiter in südliche Richtung, macht einen Bogen nach Südosten und ist im Quellbereich des Bachs Schlagbaumer Siepen für wenige Meter unterbrochen. Kurz vor der Unterbrechung besitzt sie wieder zwei Wälle, ein Hinweis auf die besondere Sicherung des Durchgangs. Anschließend führt sie als Doppelwallgraben mit 2 bis 6 Meter Abstand zueinander in einem rechten Winkel kurz nach Südwesten, dann schnell wieder nach Süden einen ansteigenden Hang hinauf - immer noch am Waldrand auf der Stadtgrenze verlaufend. Die Waldlflur östlich trägt den Namen Hagen. Bei einem Wegdurchbruch kurz vor dem Weiler Borbeck gesellt sich ein dritter Wall hinzu und die Anlage nimmt eine Breite von mehr als 12 Metern ein.

In dieser Dreifachform führt sie östlich an Borbeck vorbei (die Stadtgrenze wendet sich hier von der Landwehr ab) und endet abrupt bei einem weiteren Wegdurchbruch. Von der stattlichen Anlage ist südlich des Weges nicht mehr auszumachen, auf der TK25 sind auch auf aktuellen Ausgaben Grabenstrukturen verzeichnet, die so in der Landschaft nicht mehr vorhanden sind. Engels spricht noch von einem Einzelwall, der sich aber auch schnell verschliff. Die Grabenstrukturen geben uns aber den Hinweis auf den weiteren Verlauf, auch ist dieser auf der Katasterkarte/Grundkarte als bis zu 30 Meter breites Flurstück noch erkennbar. Die Landwehr taucht in den Wald ein, verlief zunächst in südliche Richtung und wendet sich bei der Quelle des Holter Siepens nach Südost, dann in einem Bogen nach Südwest, wobei sie ein kurzes Stück auf der Stadtgrenze zu Halver ist, und läuft auf eine Wiesenfläche des Kottens Jägershaus zu. Die Flur endet hier, aber der Verlauf kann anhand einer weiteren schmalen Flur hinter Köttershaus interpoliert werden. So sind ein neueres Wirtschaftsgebäude von Jägerhaus sowie beide Wohnplätze der nahen Siedlung Köttershaus mitten auf der Landwehr angelegt worden. Beim zweiten Wohnplatz südlich von Oberschmittensiepen setzt wieder eine Landwehrflur ein, die zunächst in süd-west-west und dann in nord-west-west verläuft. Die Waldflur südlich davon trägt auch den Namen Landwehr.

Trasse der Landwehr auf der Weide bei Schlechtenbeck
Dahinter im Wald der bekannte Doppelwallgraben


Wieder ein rechter Winkel im Landwehrverlauf, diesmal Richtung Borbeck
Man sieht, was man weiß. Der Wegdurchbruch durch die Landwehr bei Borbeck (Blickrichtung Wallgräben) und wüsste man nicht um den Dreifachwall, der im Gebüsch abrupt endet, es würde einem auch nicht auffallen


Die Flur endet an einer Wiese; nur die südwestlich der Wiese laufende Flurgrenze deutet den Verlauf an. So führt der Landwehrverlauf auf die Straße zwischen Klaukenburg und Oberschmittensiepen zu, wendet sich bevor die Straße erreicht wird in einem engen Bogen nach Südosten, quert die Straße in einem sehr spitzen Winkel und führt schließlich auf einer Wiese - hier wieder an schmales Flurstück erkennbar - nördlich von der Straße unmittelbar angrenzend und parallel zu ihr auf Klaukenburg zu. Die Feldflur nördlich davon trägt wieder den Namen An der Landwehr. An der Stelle, wo sie die Straße überquert, hat sich eine winzige Waldinsel erhalten, deren zwei handvoll Bäume gefällt wurden. Dort hat sich ein knapp 15 Meter langer Wall noch erhalten.

Diese unscheinbare Waldinsel inmitten der Wiese bei Oberschmittensiepen (im Hintergrund) ist ausweislich der alten Karten Teil der Landwehrtrasse
Ein Wallrest ist dort erhalten


Der nördliche Teil der an der Straße gelegene Bebauung Klaukenburgs ist ebenfalls auf der Elberfelder Landwehrlinie errichtet worden, bis 1921 verzeichnet die TK25 dort noch einen Graben. Hinter dem Ort zeigt wieder ein Flurstück den Verlauf auf, der sich im spitzen Winkel in Richtung südwest der Straße zugewendet hat und sie in Höhe der Kreuzung mit zwei Wirtschaftswegen überquert. Die TK25 von 1921 gibt über den weiteren Verlauf ebenfalls Auskunft. Die Landwehr wendete sich nach Süden und verlief in gerader Linie auf Wintershaus zu, der Verlauf liegt exakt mittig in einer Schneise durch den Wald. Bis 1921 handelte es sich laut der TK25 sogar um einen doppelten Wallgraben, Engels konnte 1938 noch bescheidene Reste ausmachen, die Flur westlich davon heißt laut der Liegenschaftskarte einmal mehr An der Landwehr. In Wintershaus überquerte sie die heutige Bundesstraße 229, die auf der Trasse einer Altstraße angelegt wurde. die benachbarte Hofschaft Kettlershaus könnte ihren Namen möglicherweise aus dem Landwehrdurchgang oder einer jüngeren Zollstelle ableiten, der/die mit einer Kette versperrt werden konnte. Auch die Flur westlich Wintershaus/Kettlershaus namens Vorm Baum weist auf den Durchgang hin.

Einschub Radische Landwehr

Radische Landwehr: In diesem Zusammenhang sind zwei interessante Toponyme etwas abseits des bekannten Landwehrverlaufs zu diskutieren. Zum einen die Feldflur Hagen westlich von Klaukenburg und zum anderen die Hofschaft Waar nördlich davon, die laut der Karte von Ploennies (1725) und Wiebeking (1789) früher Warth hieß. Für die Elberfelder Landwehr macht eine Warte an dieser Stelle keinen Sinn, denn sie ist zu tief gelegen, um das Gelände zu überblicken; dennoch ist der Name interessant. Hier gerät der oben zitierte Bericht über den Verlauf der Landwehren im Amt Beyenburg aus dem Jahr 1763/64 in den Blickpunkt, denn er gibt einen Verlauf von Borbeck zu Stoote an, der im Widerspruch zu dem nachgewiesen weiteren Verlauf der Elberfelder Landwehr steht. In weiteren Urkunden wie dem Barmer-Beyenburger Lagerbuch von 1597-1743 wird dieser Verlauf aber bestätigt, dort heißt es sinngemäß:
Die Radische Landwehr hat ihren Anfang bei den Stooter Höfen am Kirspel Wipperfürth. Hiervon zahlen die Stooter Erben jahrs 28 Albus. Item zahlen von der übrigen Landwehr durch die Rader Mark jetzund nachbekannte Personen als Wilhelm Umminghausen auf Halmanns Hönde, Peter zu Mühlensiepen, Margaret zu Levenhaus, Peter Christian zu Kotten, ohann Christian Wendel und Johannes Beller ad 56 Albus

Die sogenannte Radische Landwehr schützte vermutlich das bergische Amt Steinbach vor 1300 gegenüber dem kurkölnischen Radevormwald und wurde nach der Eroberung des Kirchspiels durch Berg, da nun überflüssig, nun aufgegeben. Diese Radische Landwehr hätte die Lücke zwischen der bei Stoote verlaufenden Landwehrlinie Ispingrade-Horpetal und der bei Borbeck verlaufenden südlichen Teil der heutigen Elberfelder Landwehr geschlossen, die nach der Eroberung in Richtung Elberfeld unter Aufgabe dieses Astes einfach hätte fortgesetzt werden können.

Möglicherweise handelte es sich aber auch um einen Teil eines umgebenden Landwehrrings der Stadt Radevormwald, der die umgebenden Feldfluren großräumig schützte. Es gibt rund um Radevormwald herum weitere Toponyme, die einen solchen Landwehrring zumindest diskussionswürdig erscheinen lassen. So der Hof Grafweg (= Grabenweg) oder Laake östlich btw. südöstlich des Ortes. Laake wird laut dem bergischen Ortsnamensforscher Heinrich Dittmaier als ein Toponym von Landwehr gedeutet, nach Gustav Löns bedeutet Laak Grenzbaum, Schanze, besonders befestigter Ort, vgl. auch Lackbaum (= Schlagbaum). Südlich von Radevormwald finden wir dann die Flur und heutige Straße Laakbaum, ein deutlicher Hinweis auf einen Schlagbaum. Nördlich von Radevormwald haben wir die Flur Hagebuche, den Weiler Im Hagen und wieder ca. 500 Meter nördlich davon die Flur Landwehr. Auch die Flur Mühlhagen bei Wellringrade (auch hier möglicherweise wieder das Wort Wall oder gar Wallring erkennbar) im Nordosten sind in diesem Zusammenhang anzumerken.

Der mögliche Verlauf der Radischen Landwehr ist durch keine Bodenfunde belegt, der in der Rentmeisterrechung erwähnte Grimmelsberg findet sich als Kremelsberg bei Winterhaus wieder. Die Rader Mark (auch Rödermark) war der Markenwald im südöstlichen Radevormwald zwischen der Bever und B229 und ist auf der Karte von Ploennies (1715) als solcher eingezeichnet.

Von Kettlershaus zur Bever

Auf den Wiesen südlich von Kettlershaus ist kein Verlauf in der Landschaft und auf heutigen Flurkarten ersichtlich, aber schon nach 500 Metern beginnt wieder ein Flurstück, das nach dem Urkataster dem Landwehrverlauf entspricht. Es setzt am Rande eines Wäldchens ein und wendet sich in langgezogenen Bögen nach süd-süd-ost und anschließend nach süd-süd-west. Im Scheitelpunkt des Bogen sind in einem gerodeten Waldstreifen noch stark verschliffene Wallreste zu erkennen. Am Ende des Waldstreifens wird der Flurstreifen als Wiese genutzt, die wieder von einem Stück Wald am als Deponie verfüllten Einschnitt der stillgelegten Bahnstrecke Radevormwald-Halver abgelöst wird. Flure in diesem Bereich: Landwehr und Beim hohlen Graben. Vom Waldrand bis zu dem Einschnitt ist wieder ein stark verschlifferner Wall in der Mitte des nach Südwesten abbiegenden Landwehrflurstücks auszumachen. Auf der anderen Seite der Bahntrasse finden sich zunächst keine Spuren des Landwehr mehr, das Urkatataster gibt aber darüber Aufschluss, das die Landwehrflur den heutigen Weg von Buschsiepen nach Kettlershaus überquerte und östlich davon verlief. Am östlichen Rand des Weges findet sich vor Buschsiepen tatsächlich eine Andeutung von einem Wall im Wald, der aber auch dem Wegbau geschuldet sein könnte. So oder so, der verlauf ist durch die Katasterkarte eindeutig. Die Flur östlich davon heißt laut der Liegenschaftskarte einmal mehr An der Landwehr.

Gerodetes Tannenwäldchen südlich von Kettlershaus ca. 100 Meter nördlich dem als Deponie verfüllten Einschnitt der Wuppertalbahn
Hier befinden sich stark verschliffene Wallreste


Hier läuft der Wall nördlich der alten Bahntrasse auf den Waldrand zu
Der Wall ist schon stark verschliffen und auf dem Foto kaum auszumachen


Nördlich von Buschhausen begleitet dieser Wall den Weg
Wall neben dem Weg


Bei Buschsiepen verlief die Landwehr über die Kuppe und wendete sich knapp östlich von Buschsiepen (bei Engels noch als Bonrathshäuschen bezeichnet) geradeweg auf den Quellbereich des Kottmannshauser Siepen zu, der früher den Namen Wolfssiepen (vgl. Wolfskuhlen an Landwehren) trug. Im Oberlauf des Bachs setzt der Wall in gut erkennbarer Form wieder ein und begleitet ihn in einen südostlichen Bogen, den Siepen stets als Annäherungshindernis nutzend, auf der bergischen (westlichen) Seite bis knapp vor dem Fahrweg nördlich von Kottmannshausen, wo der Wall endet. Die Flur östlich davon heißt laut der Liegenschaftskarte Auf der Landwehr. Der exakte Verlauf von hier bis zu der knapp 200 Meter entfernten, südlich gelegenen Bever ist unklar, vermutlich ist die Landwehr über die Straße auf den kleinen Hügel nordöstlich von Kottmannshausen gelaufen und hat direkt wieder hinab zur Altstraße (heutiger Feldweg) zwischen Kottmannshausen und Untergraben geführt, an der eine Zollstelle belegt ist, die vermutlich in späteren Zeiten die nicht mehr als Territorialschutz benötigte Landwehr als Wegsperre nutzte. Unmittelbar südlich der Altstraße fließt die Bever, spätestens die Anlage des dort abzweigenden Obergrabens der Kottmannshauser Mühle hat alle Spuren der Landwehr beseitigt.

Im Wolfsiepen, heute Kottmannshauser Siepen genannt, führt der Wallgraben zur Bever
Der Siepen wird als Annäherungshindernis mustergültig von dem Landwehr genutzt


Von der Bever über Egen und Gardeweg bis zur Neye

Von der Bever zieht sich der Landwehrverlauf in südliche Richtung, dabei immer leicht die Richtung alternierend, den bewaldeten Hang zum Gipfel des Hambergs hinauf und überquert ihn. Dann schwenkt sie im weiten Bogen nach Südwesten und läuft auf den Weideflächen, hier ebenfalls leichte Bögen schlagend, auf Birkenbaum und die Straße dort zu, erreicht bei Birkenbaum mit ca. 40 Metern die größte Annäherung an die Straße und wendet sich dann wieder leicht von ihr ab. Die benachbarte Feldflur zwischen Hohenbüchen und Birkenbaum trägt hier erneut den Namen Landwehr. Anschließend hält sie halbwegs geradlinig auf den Quellbereich des nördlich von Egen entspringenden Bachs Güttensiepen zu. Der exakte Verlauf geht gut aus dem Urkataster als langer Flurstreifen, bestehend aus drei Einzelfluren, hervor und ist auch noch auf der heutigen Grundkarte zum Teil als langer Flurstreifen bzw. Flurgrenze, bestehend aus mehren schlauchförmigen Einzelfluren auszumachen. Die Länge der Einzelfluren liegt dabei von der Bever bis Egen zusammen bei ca. 1,4 Kilometern. Das diese Flurstücke tatsächlich der Landwehrverlauf darstellen zeigt auch der Auszug aus dem Original Katatster Karten der Bürgermeisterei Wipperfürth Klüppelberg des Kataster-Bureaus Cöln aus dem Jahr 1843, auf dem diese drei Flurstücke, da noch durchgängig, eindeutig als Landwehr beschriftet sind.

Auf dieser Strecke gelingt es nur drei mal kurze Bodenstrukturen im Gelände auszumachen. Zum einen im oberen Bereichs des Hambergs eine ca. 15 Meter lange Andeutung von einem verschliffenen Wall beim Übergang vom Wald zur Weidefläche in Höhe Hohenbüchen. Diese Spuren sind aber mit großer Skepsis zu betrachten, denn dieser Hangwald war laut Aussage der Anwohner während des zweiten Weltkriegs Aufmarsch- und in den Nachkriegsjahren teilweise Übungsgebiet der Allierten, die in dem Wald mit schweren Kettenfahrzeugen herumfuhren und Erdbewegungen vornahmen. Die Erdwerke dort sind also nicht eindeutig der Landwehr zuzuordnen, alleine deren Lage in der Mitte des Flurstreifens qualifiziert diesen Wall als möglicher Landwehrrest. Eindeutiger ist dagegen ein Wallrest knapp hinter Birkenbaum. Die Landwehrflur trifft auf eine dünne Waldspitze, die in die Weiden hineinragt, und setzt sich durch diese fort. Zu Beginn dieser Spitze sind im schmalen Waldstück tatsächlich verschliffene Wallgräben auszumachen.

Hinter Birkenbaum in der Waldspitze sind wieder schwache Wallreste auszumachen
Auf dem Foto sind sie wie so oft schlechter zu erkennen als in Wirklichkeit


Vor Egen steigt die Flur wieder etwas in das Tal hinab und endet dort. In der gedachten Fortsetzung liegt nun ein Waldweg auf der Trasse. Bei der Einmündung dieses Weges in einen zweiten lassen sich erneut gut ausgeprägte Wälle ausmachen, die nicht zwangsläufig, aber wahrscheinlich der Landwehr zugehörig sind. An dieser Stelle schwenkt die Landwehr laut dem Urkastater scharf nach Süden, erklimmt den Hang nach Egen hoch und verläuft dicht am alten Schulhaus vorbei nach süd-süd-ost. Egen lag also unmittelbar an der Landwehr.

Über die Anhöhe südlich von Egen hält der Landwehrverlauf auf den südlich Egens gelegenen Wald zu. In Höhe eines Kottens taucht ein aufgegebener Weg in den Wald ein; dort setzt unmittelbar im Wald östlich neben dem Weg der Wallgraben in einer gut erhaltenen und mächtigen Form wieder ein. Von beiden Seiten wurde ein Breitwall aufgeschüttet, der sich in Südost neben dem Weg, eine alte Verbindung zwischen Egen und Platzweg, zum Hohenbuchener Bach hinabzieht und, nur kurz vom Gewässer durchbrochen, ihn dort überquert. Auf der anderen Seite läuft er noch ein par Meter weiter und verschleift sich. Ab hier ist der Landwehrverlauf nicht mehr exakt nachzuvollziehen. Engels fand noch einen stattlichen Wall am Waldrand bei der Straße südlich von Gardeweg, heute sind davon keine Spuren mehr auszumachen.

Am Waldanfang südlich von Egen beginnt ein breiter Wallgraben Richtung Südost
Vom Waldrand betrachtet


Im Wald zieht sich der Wall hinab zum Hohenbuchener Bach
Hier in seiner ausgeprägtesten Form


Auf der anderen Bachseite wendet der Wall sich im Bogen nach Osten...
... und verschleift sich bald darauf


Die Straße durch Gardeweg, heute die Kreisstraße K13, war im Mittelalter als eine alternative Teilstrecke des bedeutenden Heer-, Handels- und Pilgerwegs von Köln nach Dortmund eine sehr wichtige Verbindung zwischen Hückeswagen/Wipperfürth und Breckerfeld und dürfte zu Landwehrzeiten schon bestanden haben, Alfred jung datiert sie sogar auf vorgeschichtliche Zeit. Daher dürfte es hier auch einen Landwehrdurchgang gegeben haben, die benachbarten Flure Landwehr Polde und Landfuhrpot (= Landwehrpforte) belegen dies auch etymologisch. Gardeweg könnte die Wachstation an dem Durchgang gewesen sein (vergl.: Garde in der Bedeutung von Wachtruppe, Gardeweg daher Bewachung des Weges).

Östlich von Gardeweg verliert sich zunächst die Spur der Landwehr auf einer Weide, auch Engels vermochte sie nicht aufzufinden, nahm aber einen Verlauf in Richtung der abgegangenen Gardeweger Mühle an. Sie setzt im Wald ein Stück östlich der Neye II wieder ein und zieht sich den Hang hoch zum Quellbereich des Bachs Landwehrdelle, der auf einer Erhebung in den Waldfluren Unter der Landwehr und An der Landfuhr entspringt. Dort verschleift sich der Wall wieder. Als gut erhaltener Wallgraben setzt sie ein paar Meter weiter doch wieder ein, wird von einem Waldweg unterbrochen und zieht sich entlang einem Siefens den Hang hinab zur Neye I.

Wall südlich von Forste zwischen der Neye II und der Neye I
Hier bei einem Wegdurchbruch


Die Seitenansicht
Mächtiger Wall auf dem Weg hinab zum Bach Neye I


Von der Neye über Kreuzberg und Kupferberg nach Wipperfürth-Dahl (mit Abzweig der Linie Dahl-Remshagen)

Auch dieser zunächst mächtige Wall verschleift sich rasch, im Talgrund ist nicht mehr auszumachen. Hier setzt aber die 1783 vom Solinger Stadt- und Landvermesser I.P. Stamm gezeichnete "Grenzcarte des Bergischen Amts Steinbach und der Grafschaft Mark" (Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, Karten Nr. 2641a) ein, die den Landwehrverlauf bis Wipperfürth-Ohl eindeutig verzeichnet.

Die Grenzcarte des Bergischen Amts Steinbach und der Grafschaft Mark von I.P. Stamm, 1783. Der Landwehrerlauf ist rot hervorgehoben. (Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, Karten Nr. 2641a)


Bei der textlichen Beschreibung der kartografierten Verhältnisse widmete sich der Landvermesser in einem Abschnitt auch dem Verlauf der Landwehr. In seinem Text von 1783 heißt es (Landesarchiv NRW, Abteilung Rheinland, Karten Nr. 2641c, Blatt 28 bis 31, Transkription Norbert Bangert):

Die Landwehr nimmt ihren Anfang ohnweit des Neyebach bei [Markierungspunkt] C wo sie in einer Richtung 19 gr. (Winkelgrad) von Westen nach Süden 45 Ruthen (Preußische Ruthen: 1 Ruthe = 3,76 Meter) weit fortgehet.

Von da lencket sie südlich, aber immer mit nördlicher Neigung durch Kreuzberger Busch 130 Ruthen weit, also in die krümme laufend, daß sie zuletzt ostnördliche Richtung hat, sodann wendet sie 22 gr. östlich nach Kreuzberg, da sie ost-Südlich 59 Ruthen durch Kreuzberger Länderey, ferner östlicher Seitz neben Wiesen und Westlich neben dahin gehörigen Busch bis am groß Kreuzberger, dem Pet. und Caspar Biesenbachs gehörigen Busch fortläufet.

Von hier lenket sie in ihrer Hauptrichtung bis an Gerhard Schröders und Caspar Dahlhauss Weizen 25 gr. vom osten nach süden, durch die Kreuz- und Kupferberger Büsche mit Wechselkrümmungen 215 Ruthen fort. Von da 26 gr. von Süden nach Westen, neben den Weizen hinunter 27 ½ Ruth, da das in 2 1/2 Ruthen ostsüdlich auf die Bach, dann aber wieder in voriger Richtung, auf die Bach sind Christian Müllers Weizen zwei Länge vor 17 Ruthen bis bey den Kupferberger Steg hieran laufet.

Von diesem Punkt wendet sie in ihrer Haupt Richtung 41 gr. von Süden nach osten, aber in Krümme durch die Kupferberger und Nieder-Engsfelder Büschen 105 Ruthen, ferner 18 gr. von Süden nach Westen in gerader Linie 50 Ruthen über die Hüninger Bach durch Kupferberger Busch, ferner in südöstlicher Richtung aber mit Wechselkrümmungen durch [unleserlich] Dörpekus, Wittwe Diergardens und wieder Engsfelder Büsche 175 sind noch, bis an die Hoheits Linie n. 19

Von hier geht sie in gleicher Richtung mit der Hoheits Linie 21 Ruthen bis n. 20 fort. Nun gehet sie von groß Linie ab, durch die Wiegener und Dahler Büsche ihre Haupt-Richtung immer südöstlich haltend, aber mit Krümmung und Wechselwinkeln 346 Ruthen fort, bis an die mit südwestlicher Direktion anstoßende Landwehr.

Von hier lenket sie in die Wendung gegen Osten zum gogartens Potthoffs und Wippers Wiesen. 46 Ruthen, da sie 5 Ruthen weit gegen Süden bis bis auf die Ibeker Bach gehet, dann 35 Ruthen der Bach nach hinauf gegen Osten, allde aber von des Bach ab südwestlich hinlaufet und mit gegen Süden neigende Krümmung durch die Dahler Büsche bis an Pasbergs Land 64 Ruthen weit fortgehet.

Von hier laufet sie in nämlicher Richtung durch groß Vastenrathe und Spekenbache Land 283 Ruthen, neben dem Röhnsaler Kirch-weg her, da sie selbigen verläßt und südwestlich durch groß Vastenraths Land und Busch 107 Ruthen fortrüket ferner westlich in Entfernung von 55 Ruthen auf die Kerspe bach fällt.

In nämlicher Richtung gehet sie genannten bach nach hinab, da sie südwestlich ablenket, und in einer Weite von 60 Ruthen auf die Wipper stößet. Gleich über die Wipper fänget selbige wieder an und gehet der selben nach hinauf 62 Ruthen als sie südwestlich 51 Ruthen in einem Abstand von 10-11 Ruthen von der Wipper hinstreicht wo sie wieder neben selbigen deren Lauf gemäß 1/5 Ruthen gehet, wo der fluß sich abermal in einigem abstand von ihrer fortsetzenden Direktion entfernet bis nach einer Weite von 140 Ruthen beide wieder zusammen kommen, aber auch gleich der fluß wieder nach osten dirigiert, sie aber durch Krummen- ohler Busch Land und Hof 85 Ruthen bis wieder auf dem Wipperfluß kommt und allhier endiget.

Im Neyetal wendete sich die Landwehr nach Norden, übersprang die heutige Kreisstraße zwischen Forste und Kreuzberg und führt entlang des Baches am Fuß des Hangs ca. 200 Meter nach Norden. Die Flur nördlich trägt den Namen In der Landwehr. Dann wendete sie sich nach Osten und führte auf einer Länge von 550 Meter im leichten Bogen an Ritterlöh vorbei zur Höhenstraße in Kreuzberg, der früheren Altstraße. Die Landwehrtrasse, ein 15 Meter breiter Wald- und Wiesenstreifen, von der Neye I bis Kreuzberg ist noch heute als schmales Flurstück auf den Liegenschaftskarten verzeichnet und somit nachvollziehbar, die Flur südlich heißt wieder mal An der Landwehr. Die Linie stimmt auch mit der Karte des I.P. Stamm überein. Ritterlöh (= Wald einer Ritters) soll ein Adelssitz gewesen sein. Ein Wallgraben ist aber auf der Strecke nicht mehr auszumachen.

Einschub Wallgräben bei Forste und bei Anschlag

Wallgräben bei Forste und bei Anschlag: Neben der Elberfelder Landwehrlinie gibt es in dem Bereich Forste und der Flur Unter der Landwehr weitere Landwehrwälle, die aber in keinem Zusammenhang mit der Elberfelder Linie zu stehen scheinen. So beginnt ein paar Dutzend Meter nördlich des Lndwehrstück aus dem Tal der Neye II hinauf ein zweiter, parallel verlaufender Wallgraben, der sich auf der Höhe im rechten Winkel nach Norden wendet und in Richtung Forste verläuft. Dort läuft er am Übergang vom Wald zu einem Feld aus. Westlich von Forste existiert ein weiterer Wall, der von der Kreisstraße steil ca. 30 Meter den Hang nach Westen Richtung Forste verläuft. Am Rand des hochgelegenen Feldes endet auch dieser abrupt.

Im weiteren Umfeld existieren auf Halveraner Stadtgebiet z.B. bei Wiebusch-Hedfeld noch weitere Landwehrstücke, die vermutlich im Zusammenhang mit der wichtigen Altstraße durch Anschlag (=Zoll veranschlagen, also mit Schlagbaum versehene Kontrollstelle) stehen und diesen Kontrollpunkt sichertern. Diese Straße, heute die Verbindung Wipperfürth-Kreuzberg-Anschlag-Halver, war die Haupttrasse der oben bei Gardeweg erwähnte Altstraße, die sich bei der Wupperfurt in Wipperfürth in drei Äste teilte, die sich bis Breckerfeld wieder vereinten. Weitere Landwehrstücke sind zwischen Halver und Anschlag im Wald Bommert zu finden.

Im Kreuzberg übersprang die Landwehr die Altstraße, ein Durchgang darf angenommen werden. Auch auf der Ostseite der Straße ist aufgrund der Bebauung keine Erdwerk mehr vorhanden, mit etwas Scharfblick sind aber zwei Geländekanten in der Wiese nördlich der Straße Am Kalvarienberg auszumachen, die genau auf der von I.P. Stamm verzeichneten Trasse liegen. Engels konnte auf der Trasse noch einen kleinen Gartenstreifen namens Die Lamfert folgen; das ist heute nicht mehr möglich. Sie verlief durch den oberen Bereiches des Kreuzberger Kalvarienbergs, ein serpentinenförmiger Kreuzweg mit schön ausgeführten Stationen. Auf dem weiteren Trassenverlauf bis zum Heinken-Henkfelder Bach an der Landesstraße L284 sind keine Spuren mehr auszumachen, zu sehr haben Bebauung oder die Landwirtschaft die Landschaft gestaltet. Vom oberen Teil des Kalvarienbergs führt die Landwehrtrasse gerade in südöstliche Richtung auf den alten Kupferberger Bahnhof zu. Engels merkt die erhöhte Lage der Landwehr und den guten Übersichtsblick in Richtung Märkisches Land an. Die von ihm noch vorgefundenen längeren Wallreste vor dem Bahnhof sind heute verschwunden.

Vor dem Kalvarienberg in Kreuzberg. Der Landwehrverlauf wird in Form der Geländekante (von Links-Unten bis Bildmitte) auf der Wiese angedeutet


Auf der anderen Seite der Landesstraße fand auch Engels nichts mehr, denn die Anlage des Hohler Hammerteiches am Heinken-Hedfelder Bach hatte alle Spuren beseitigt. Der Teich war aber schon zu Engels Zeiten aufgelassen und heute findet sich an der Stelle nur eine Wiese zwischen Landesstraße und Wald. Die Landwehr wendete sich dort nach Südwesten und verlief ein Stück parallel zum Bach im Wald an dessen Rand. Die Flure östlich tragen den Namen Im Hagen. Vor einem alten Steinbruch im Wald setzt der Wallgraben aber ein kurzes Stück wieder ein, endet aber hinter dem Bruch. Hier zog sie sich laut der Vermessungskarte den Bergausläufer zwischen Kupferberg und Niederengsfeld hoch und führte auf der anderen Seite wieder hinab zur Hönnige. Zwischen dem Steinbruch und der Hönnige sind heute keine Reste der dort beschriebenen Wälle zu finden.

Wallgräben parallel zur Landesstraße L284 vor dem Steinbruch bei Kupferberg
Wallgräben parallel zur Landesstraße L284 vor dem Steinbruch bei Kupferberg


Anders auf der anderen Seite der Hönnige. Eine unscheinbare Geländekante, die sich zu einem kleinen Wall ausweitet weist auf den Verlauf noch heute hin. Hinter einem Waldweg setzt sich der gut erkennbare Einzelwall an der Südseite eines Siefens mehrere hundert Meter ihm stetig folgend ansteigend fort, verschleift sich aber an einer Waldlichtung.

Graben im Gelände hinter südlich der Hönnige
Zu dem Graben gesellt sich kurz darauf ein Wall


Hier läuft der Wall auf einen Waldweg zu
Hinter dem Waldweg finden wir wieder die klassischen Form vor: Ein Siefen als Annäherungshindernisse, dann dem Siepen bergwärts folgend an der dem Bergischen zugewandeten Seite ein breiter Wallgraben


Folgt man der Trasse aus der Karte von I.P. Stamm weiter, so findet man kurz vor dem Ende des Waldes auf der Höhenlage der 395,4 Meter (NHN) hohen Erhebung zwischen Wiegen und Dörpinghausen ein kurzes Stück Wall in einer Mächtigkeit, wie er zuletzt im Waldstück Unter der Landwehr zu sehen war. Nach dem Waldende ist der Wall auf dem Feld naturgemäß eingeebnet. Bemerkenswert ist noch, dass die Trasse auf der Höhe ein paar Meter die Stadtgrenze zwischen Halver und Wipperfürth bildet.

Kurz vor der Höhe bei zwischen Dörpinghausen und Wiegen taucht unvermittelt ein mächtiger Wallrest auf
Seitenansicht


Und von oben gesehen
Nach wenigen Metern endet der Wall wieder vor dem Waldrand


Auf dem Höhenzug zwischen Dörpinghausen und Wiegen findet sich ein Höhenweg, der die Landwehr durchbricht. Verstärkte Wallanlagen in diesem Bereich werden von Engels als befestigte Wallanlage zur Kontrolle des Durchlasses gedeutet. Von hier zieht sich der Wallgraben durch den Wald die andere Talseite hinab nach Süden zum Quellbereich des Wiegener Siepens. Dort endet der Wall an einem weiteren Waldweg Richtung Wiegen, der in der Topographischen Aufnahme der Rheinlande von 1824 dort als Hauptweg verzeichnet ist. Zwei Quellrinsale besitzt der Wiegener Siepen und laut der Karte des I.P. Stamm verlief die Landwehr östlich des östlichen der beiden Rinnsale, also auf der Wiegen zugewandten Seite des Bachs. Ein Graben oberhalb eines weiteren Waldwegs, der auch von dem Rinnsal durchflossen wird, kann möglicherweise von der Landwehr stammen, ein Wall ist nicht mehr auszumachen.

Der Landwehrwall ist hier schon stark verschliffen
Das Rinnsal im Graben


Einschub Eine (mögliche) Schanze bei Wiegen

Eine (mögliche) Schanze bei Wiegen: Die Landwehr trennt hier das bergische Dörpinghausen von dem unmittelbar an der Landwehr liegenden märkischen Wiegen. Zwei Waldwege durchqueren hier die Landwehrtrasse, die im Wald links und rechts daneben durch breite und tiefe Hohlwegbündel begleitet werden. Offenkundig handelt es sich bei diesen Hohlwegen um eine stark genutzt Altstraße, deren Bedeutung neben der Verstärkung der Elberfelder Landwehr auch durch einen mächtigen Wallgraben angedeutet wird, der heute noch erkennbar den Hof Wiegen auf drei Seiten umgibt - einzig die dem Weg abgewandte Seite ist ohne Spuren dieses Walls. Engels vermutet in diesem Erdwerk eine märkische Schanze zur Sicherung eine wichtigen Straßendurchgangs an der Grenze der Territorien.

Die tatsächliche Bedeutung dieser Altstraße ist ungeklärt. Einerseits scheint sie von der Wegführung nur ein kurzer Verbindungsweg zwischen zwei bekanntermaßen wichtigen Altstraßen zu sein, die ihrerseits vermutlich bereits sogar in vorgeschichtlicher Zeit genutzt wurden. Zum einen im Westen der Heerweg bzw. die Königstraße von Köln nach Soest, die hier von Wipperfürth über Dievesherweg, Kreuzberg und Anschlag nach Halver verläuft und andererseits im Osten die Handelsstraße von Frankfurt über Kierspe und Halver nach Dortmund. Beide Straßen haben als sicherlich bedeutende Fernwege ihren Niederschlag in Urkunden und Karten gefunden oder haben abschnittsweise auf ihren Trassen deutliche, noch heute sichtbaren Spuren in Form von Hohlwegen in der Landschaft hinterlassen. Der die Landwehr durchbrechende Weg verbindet diese beiden Altstraße zwischen Wasserfuhr über Dörpinghausen, Wiegen, Voswinkel, Schlachtenrade und Niederhedfeld.

In seiner Untersuchung über das Halveraner Altstraßennetz kommt Alfred Jung zu dem Schluss, dass dieser Weg zwar einerseits formal ein untergeordneter Verbindungsweg zu sein scheint, die schanzenartige Befestigung des Landwehrdurchgangs und die lokale Bezeichung als Königsweg im 19. Jahrhundert aber darauf schließen lassen, dass er zumindest Zeitweise auch als Hauptweg diente. Die Gesamtsituation wird in folgende Google Earth Datei mit folgender Legende zusammengefasst:

Orange Linie Der Verlauf der Landwehrlinie
Rote Linie Durch Bodenfunde vorort nachgewiesene Wälle/Gräben
Blaue Linie Der den Hof Wiegen umgebende Wallgraben (Schanze?)
Hellgrüne Linie Hohlwege
Ansicht einiger der Hohlwege im Wald
Südlich davon trennt der mächtige Wallgraben Wiegen von der Altstraße


Er umgibt den Hof auf drei Seiten ...
... und endet südlich davon mitten auf einer Weide

Bemerkenswert ist der Umstand, dass die Landwehr östlich des Bachs verläuft und nicht westlich, wie man es bei Nutzung des Wiegener Siepens als Annäherungshindernis erwarten würde. Laut der Grenzkarte des I.P. Stamm muss sie zunächst auf dem nach Südosten führenden Waldweg und später zwischen diesem und dem Bach am Osthang verlaufen sein. Eine mögliche Erklärung für diese ungewöhnliche Seitenwahl begründet sich in der Lage des nahen, am Bach gelegenen Dahls, das so noch deutlich innerhalb des Schutzbereichs lag. Der Vollständigkeit halber sei noch eine ca. 20 Meter lange, wallartige Aufschüttung am Bach selbst (und zwar am Westufer) zu erwähnen, deren Lage aber dem Landwehrverlauf in der Karte des I.P. Stamm widerspricht. Im gesamten Osthang und auch westlich des Bachlaufs sind keine Spuren eines Wallgrabens auszumachen gewesen.

Nach dem Zufluss des Hülsener Siefen kurz vor Dahl zieht sich eine Flurgrenze im Osthang nach Süden. Da alte Landwehrverläufe häufig als Liegenschafts- und Flurgrenzen heute noch nachvollziehbar sind, da sie sich als bestehende Markierung in der Landschaft bei der Einteilung der Flure anboten, war eine Untersuchung entlang dieser Grenze sinnvoll. Diese Flurgrenze ist in der Landschaft in Form von Grenzsteinen und einer charakteristischen Baumreihe (Buchen und Eichen) auch gut auszumachen. In der Tat knickt in Höhe von Dahl diese Flurgrenze fast im rechten Winkel nach Westen ab; exakt so wie es die Landwehr laut der Karte des I.P. Stamm auch getan haben soll. In diesem Knick ist tatsächlich ein Wallrest erhalten geblieben, der sich ca. 20 bis 25 Meter nach Westen wendet und sich dann wieder verschleift.

Vor Dahl folgt eine Flurgrenze dem Wall
Das Wallstück ist nur kurz


Beim Zusammenfluss der Wiegener Siepens und des Ibachs (oder auch Voßwinkeler Bach) hinter Dahl läuft der Hügelzug zwischen beiden Wasserläufen spornartig aus. Die Landwehr verlief im Bogen fast auf Talniveau rund um diesem Ausläufer. Diese Stelle ist interessant, weil hier eine weitere Landwehrlinie, die bis Remshagen bei Engelskirchen führte, abzweigte. Von dem Abzweig ist durch die Umgestaltung um Wiesengelände nichts mehr erhalten, ein kurzes Stück wallgrabenähnliches Erdwerk kann auch einen alten Weg um den Sporn herum geschuldet sein. Überhaupt sind in diesem Bereich einige deutliche Wälle aufgeschüttet worden, die aber wohl nicht im Kontext mit der Landwehr stehen, sondern vermutlich auf land- und forstwirtschafliche Einflüsse zurückgehen.

Von Wipperfürth-Dahl zur Wupper bei Wipperfürth-Ohl

Am Zusammenfluss von Wiegener Siepen und dem Ibach folgte die Landwehr letzterem (auch Voßwinkler Bach genannt) auf der "falschen", also der dem Märkischen zugewandten rechten Seite bachaufwärts. Dies setzt den "falschen" Verlauf seit den Quellen des Wiegener Siepens fort; nach wenigen dutzend Metern wird dieser Umstand aber korregiert, in dem die Landwehr einen Sprung auf die andere, der linken und dem Bergischen zugewandten Bachseite macht. Auch wenn die eigentliche bergisch-märkische Territorialgrenze noch einige hundert Meter weiter nordwärts verläuft, so wird damit der Sinn der Landwehr als Barriere gegen ein Eindringen von märkischer Seite wieder deutlich; der Bach bildet nun wieder ein geeignetes Annäherungshindernis, der vorher ungünstige Verlauf auf der "falschen" Seite erfährt eine Korrektur zur strategisch sinnvolleren Seite.

Unmittelbar hinter der Sprungstelle über den Ibach setzt ein einzelner Wall wieder ein, der direkt am Bachufer dem Lauf des Gewässer mehrere hundert Meter folgt. Wenn man nicht aus der Grenzkarte wüsste, das dies der Landwehrverlauf ist, so würde man diesem Wall mit dem leichten Graben auf der bachabgewandten Seite kaum als solchen wahrnehmen können. An einem kleinen, von links einmündenden Siefen verläßt der Wallgraben das Ufer des Ibachs, quert dem Siefen folgend den dortigen Waldweg und steigt links neben einen weiteren Waldweg schräg den Hang hinauf. Hier findet sich der breite Wallgraben in einer stattlichen, kaum zu übersehenden Form wieder. Er setzt sich oben in einer Tannenschonung fort, in der ein leichter Knick nach Westen stattfindet und endet an der Wiese vor der Kreisstraße zwischen Engstfeld und Rönsahl nahe Speckenbach. Ab hier ist lange Zeit kein Erdwerk mehr auszumachen. Nach der Grenzkarte von I.P. Stamm verläuft die heutige Kreisstraße Richtung Südost, der alte Rönsahler Kirchweg, ziemlich genau auf der Trasse der Landwehr. Im abgesperrten Wald nördlich der Straßen sind ebensowenig Spuren der Landwehr auszumachen wie auf der Wiese südlich davon.

Der mächtige Wall steigt vom Ibach hoch nach Speckenbach an
Blick in Gegenrichtung talwärts


In gerader Linie ist die Linie der Landwehr und die Kreisstraße im Gleichlauf, einzig um Großfastenrath machte sie einen leichten Bogen Richtung Kerspetalsperre, um dem Wohnplatz etwas mehr Raum zu geben, setztz sich dann aber wieder auf alter gerade Linie in ursprünglicher Richtung fort. Hinter Großfastenrath wird die Kreisstraße von einer lockeren Reihe von Bäumen begleitet; an der letzten Gruppe davon vor Kerspe schwenkt die Linie im Bogen um 90° nach Südwesten und läuft über die die Wiesen auf ein kleines Wäldchen zu. Dort findet sich die Landwehr wieder als breiter Einzelwall auf einer Länge von ca. 100 Metern, der in Richtung des Bachs Kerspe absteigt und sich dem Gewässer dabei tangential annähert. Hier ist der Landwehrwall nicht mit dem Deich neueren Ursprungs zu verwechseln, der geradelinig der Kerspe folgt. Hinter dem Wäldchen ist der Landwehrwall dann auch schon wieder zu Ende und eine Baumreihe am Feldrand oberhalb eines Sumpfgeländes markiert den weiteren Verlauf. Von links kommt dann die Kerspe hinzu; hier sprang die Landwehr über den Bach und lief schräg auf die ersten Häuser am Ortseingang von Ohl an der Bundesstraße B237 zu. In gerader Linie wurde dann dort direkt auch die Wupper gequert.

Die Landwehr steigt von Großfastenrath zum Kerspebach hinab
In einer kleinen Waldinsel hat sich der Wallgraben erhalten


Landwehrdurchgänge

Landwehrdurchgänge sind belegt

  • An der Einmündung Kohlstraße / Uellendahler Straße (Flurname Am Schlagbaum im Urkataster)
  • Auf dem Ostersbaum (Ostersbaum ist eine Ableitung von Mosterts Schlagbaum)
  • Am Haspel (Haspel ist ein Drehkreuz zum Personendurchlass)
  • Auf der Kohlenstraße auf dem Freudenberg (In Gemarkenkarte von Johann von der Waye eingezeichnet, heutige L418)
  • An der Straße von Kapellen nach Cronenberg (In Gemarkenkarte von Johann von der Waye eingezeichnet, heute Feldweg)
  • Südlich des Hofs Bauer (Bericht über den Verlauf der Landwehren im Amt Beyenburg aus dem Jahr 1763/64)
  • Im Kreuzungsbereich Staubentaler Straße / Oberbergischer Straße zwischen Jägerhof und Wolfskuhle, möglichlicherweise ohne Schlagbaum (Situtionsskizze des Beyenburger Amtmanns Wülfing von 1800)
  • Auf dem Paulsberg im Herbringhauser Wald (Gewannamen Am Schlagbaum)
  • Schlagbaum an der Altstraße Köln-Dortmund oberhalb Beyenburgs
  • Durchgang an der Straße Beyenburg-Remlingrade in Höhe der Mündung des Spreeler Bachs
  • Durchgang in der Altstraße bei Vorm Baum
  • Die Landstraße Frankfurt-Elberfeld (Heutige B483)
  • Durchgang am Feckinghauser Schlagbaum in Höhe Radevormwald-Feckinghausen an der Landstraße von Köln nach Dortmund
  • Der Klütinger Schlagbaum an der Landstraße von Hückeswagen nach Dortmund
  • Die Straße Radevormwald-Breckerfeld bei der Holler Mühle
  • Landwehrdurchgang der Straße Radevormwald-Borbach-Osenberg-Breckerfeld
  • Durchgang bei Wintershaus/Kettlershaus
  • Beim Durchgang bei Kottmannshausen ist eine Zollstelle belegt.
  • Bei Gardeweg, belegt durch den Flurnamen Landfuhrpot (= Landwehrpforte)
  • In Kreuzberg
  • Auf dem Höhenzug zwischen Dörpinghausen und Wiegen.

Literatur

  • Wilhelm Engels: Die Elberfelder Landwehr, In: Mitteilungen des Bergischen Geschichtsvereins, Bd. 1 (1932) S. 40
  • Wilhelm Engels: Die Landwehren in den Randgebieten des Herzogtums Berg. In: Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins, Bd. 66 (1938) S. 63 - 253
  • Hermann Kießling: Landwehren an der Grenze zwischen Barmen und Elberfeld
  • Gerd Helbeck, Beyenburg - Geschichte eines Ortes an der bergisch-märkischen Grenze und seines Umlandes, Band I (Das Mittelalter: Grundlagen und Aufstieg), ISBN 978-3-9811749-1-5, S. 131ff
  • Gerd Helbeck: Die bergischen Landwehren zwischen Wupper, Ennepe und Bever. In: Romerike Berge. Solingen. 2003. Heft 3, Seite 2 ff.
  • Gustav Löns: Landwehren in Wuppertal, 1968
  • Anton Fahne: Die Landwehr oder der Limes Imperii Romani am Niederrhein. In: Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins, Band 4, 1867, S. 30-32
  • Peter Schöller: Die rheinisch-westfälische Grenze zwischen Ruhr und Ebbegbirge
  • Alfred Jung: Halver und Schalksmühle. Untersuchungen und Gedanken zur Siedlungsgeschichte des Amtes Halver, eines alten Kirchspiels im sächsisch-fränkischen Grenzraum. In: Altenaer Beiträge. Arbeiten zur Geschichte und Landeskunde der ehemaligen Grafschaft Mark und des Märkischen Kreises, Band 13, Freunde der Burg Altena e.V., Altena, 1978

Kartenwerke

  • Urkatasterkarten von 1805-1825
  • Stadtplan von Wuppertal aus dem Jahr 1930 in dem Bergischen Städteatlas 2004 (Verlauf als Flurstück bei Dorn und im Blombachtal)
  • Preußische Neuaufnahme und deren Fortführung, Messtischblätter
  • Landvermesserkarte Bereich Erbschlöer Bach / Blombach von Johann Peter Pauls, 1811, HStAD Karten Nr. 2596
  • Forstkarte aus dem Jahr 1799 des Sondernbuschs, HStAD Karten Nr. 0369
  • 1783 vom Solinger Stadt- und Landvermesser I.P. Stamm gezeichnete "Grenzcarte des Bergischen Amts Steinbach und der Grafschaft Mark", HStAD Karten Nr. 2641a

Quellen

  • Bericht über den Verlauf der Landwehren im Amt Beyenburg aus dem Jahr 1763/64 (HStAD-JB IIIR/Hofkammer, Amt Beyenburg 1749-1804,, Beyenburger Rhentmeisterey-Rechnung 1763 in 1764, Nr. 15
  • Rentmeistereirechnung Beyenburg-Barmen von 1771/72
  • Herzoglicher Kommisionsbericht zur Landwehrvermessung von 1799

Weblinks