Landwehren im Bergischen Land

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Landwehren im Bergischen Land

Historischer Hintergrund

Die heutige Region Bergisches Land geht auf den mittelalterlichen Herrschaftsbereich der Grafen und ab 1380 Herzöge von Berg hervor. Die bergischen Grafen, die zunächst von der Burg Altenberg in Odenthal (Burg Berge), dann von der Burg Neuenburg (das heutige Schloß Burg in Solingen) und danach von ihrer Residenz in Düsseldorf ihr Territorium regierten, gingen ab dem 11. Jahrhundert aus dem kirchlichen Dienstadel hervor. Sie stellten zunächst Vögte für kirchlichen und klösterlichen Besitz und verwalteten die spärlich besiedelten rechtsrheinischen Gebiete der Erzbischöfe von Köln (aufgrund des Kurfürstentums der Kölner Erzbischöfe auch kurkölnische Gebiete genannt) und der Werdener Abtei. Mit der Zeit nahmen sowohl ihr eigenes Herrschaftsgebiet, als auch ihre Machtstellung zu. Schon vor der Abspaltung der Seitenlinie der Grafen von der Mark im 12. Jahrhundert beherrschten sie den Kernbereich des heutigen Bergischen Landes selbst und streckten ihre Fühler in Richtung Ruhr, Sieg und Lenne aus.

Zu dieser Zeit gab es in den Randbereichen ihres Machtgebietes noch keinen geschlossenen Besitz. Durch Erbe, Belehnung, Pfandnahme, Heirat oder Kauf wurden einzelne Landstriche oder auch nur Einzelhöfe oder Rechte sukzessive in bergischen bzw. märkischen Besitz genommen und es entstand ein Flickenteppich von einzelnen Besitz-, Nutzungs und Eigentumsrechten (Allod), der durchsetzt war von den Rechten anderer Herrscher wie den Kölner Erzbischöfen. 1288 fühlten sich die bergischen Grafen und ihre märkischen Vettern stark genug, um sich in den Limburgischen Erbfolgestreit gegen ihren Lehnsherrn, dem Erzbischof von Köln, einzumischen. In der Schlacht von Worringen besiegte ein Bündnis von Berg, Mark, den Kölner Bürgern und anderen, unmittelbar an den Erbinteressen beteiligte Adeligen den Erzbischof, der in der Folge u.a. die bergischen und märkischen Grafen als gleichberechtigte Territorialherrscher akzeptieren musste. In der Folgezeit nutzten beide Häuser die neuen Herschaftsverhältnisse leidlich aus und vergrößerten ihre Gebiete auf Kosten Kurkölns mit der einen oder anderen Eroberung. Aber auch zwischen Berg und Mark entwickelten sich Konflikte zu einer veritablen Feindschaft, die natürlich auch militärisch mit entsprechenden Gebietsveränderungen in Folge ausgetragen wurde. In diese Zeit fällt die Territorialbildung in bergisch-märkischen Gebietsraum, aus dem Einflussgebiet wurde ein geschlossenes Territorium. In diese Zeit fällt auch der Landwehrbau, der diese Gebiete nach außen sichern sollte. Zur effizienteren Verwaltung wurde das Herrschaftsgebiet in Berg und Mark ab der Mitte des 14. Jahrhunderts in einzeln Ämter unterteilt, die von einem Amtmann in Stellvertretung des Landesherrn verwaltet wurde. Die Ämter wurden gerne auch als Ganzes an finanzkräftige Adelige verpfändet, um die chronisch leeren Staatskasse auffüllen zu können.

Viele bergischen Landwehren verlaufen entlang der Außengrenze dieser Ämter und grenzten das Herzogtum Berg gegen die Grafschaft Mark oder Kurköln ab. Aber auch eigenständige kleinere Herrschaften, wie Gimborn oder Homburg im heutigen Oberbergischen Land wurden durch eine bergische Landwehr umschlossen. Betrachtet man sich den Verlauf dieser Außengebietslandwehren auf einer Landkarte, so kommt man leicht zu der These, es hätte eine geschlossene Linie von dem Rhein bei Duisburg bis zur Sieg gegeben. Tatsächlich sind sehr lange nachgewiesene Landwehrlinien vorhanden und die Lücken zwischen ihnen nicht allzu groß. So kam dann auch der umstrittene Heimatforscher Anton Fahne zu dem Schluß, die bergische Landwehr sei eine durchgehende Nord-Süd Linie des römischen Limes gewesen. Er übersah aber, dass es über weite Strecken aber parallele Landwehrlinien gab, sowie Verbindungen zwischen ihnen. Eine einzelne, durchgehende Landwehr anzunehmen ist sicherlich falsch, auch wenn viele weitere Autoren versucht haben, die bestehenden Lücken durch angebliche Funde unter zum Teil abenteuerlichen Theorien zu schließen.

Die Limesthese war daher ebenso wenig haltbar, wie die Annahmen späterer Forscher, die in dem Erdwerk eher ein Grenzbollwerk zwischen den fränkischen und sächsischen Volksstämmen aus dem 7. und 8. Jahrhundert sahen, die sich tatsächlich in dem späteren Grenzraum zwischen Berg und Mark jahrhundertelang gegenüber standen bzw. ihn von ihrer jeweiligen Seite her besiedelten. Erst der Remscheider Schulrektor Wilhelm Engels räumte mit seinen Forschungen diese Thesen auf und veröffentlichte 1938 das Standardwerk "Die Landwehren in den Randgebieten des Herzogtums Berg", in dem er die einzelnen bekannten Landwehrverläufe beschrieb, Skizzen der Bauformen anfertigte, Quellenstudien betrieb und den hoch- und spätmittelalterlichen Ursprung für ausgewählte Stücke nachwies. Danach wurde es in der Landwehrforschung abgesehn von vereinzelten Beiträgen in den regionalgeschichtlichen Reihenwerken wieder etwas stiller, bis Gerd Helbeck sich im dritten Jahrtausend dem Thema in verschiedenen Beiträgen wieder annahm und weitere Erkenntnisse hinzufügte.

Neben den Landwehren in den Randgebieten finden sich weniger gut erforschte Landwehren in inneren des Herzogtums, darunter auch wegbegleitende Landwehren, Höhensperren und Wehren, deren Zweck im Dunkel der Geschichte verloren gegangen ist. Vereinzelt sind auch märkische Bauwerke zu vermelden, die der bergischen Landwehr gegenüber liegen. Geschlossene märkische Landwehrlinien sind aber nur in anderen Landesteilen vorhanden, nicht aber an der Grenze zu Berg.

Bergische Landwehren

Folgende Landwehrlinien sind im Bergischen Land und den Grenzgebieten nachgewiesen (unvollständige Auswahl):

Bezeichnung nach Engels

  • Barmer Landwehrlinie von Wuppertal-Hatzfeld zur Beyenburg
  • Elberfelder Landwehrlinie vom Ostersbaum in Wuppertal nach Marienheide-Krommenohl. In der Literatur wird diese Linie oft unterteilt in die Elberfelder Linie, die Radevormwalder Linie und die Linie Kottmannshausen - Krommenohl. Die Landwehrlinie ist aber auf ganzer Länge durchgängig und weist die gleichen baulichen Eigenschaften auf, so dass eine künstliche Teilung nur bei der Betrachtung der einzelnen Abschnitte, auch im historischen Kontext, hilfreich ist, nicht jedoch als Definition eines unabhängigen Bauwerks gelten kann.
  • Abzweig von der Elberfelder Landwehrlinie im Disseltaler Busch in Wuppertal Ronsdorf
  • Abzweig von der Elberfelder Landwehrlinie vom Ibachtal zum Leppetal
  • Landwehr am Lämmerbusch in Burscheid Hilgen
  • Landwehrlinie Radevormwald-Ispingrade zum Horpetal. Diese Linie wird ebenfalls künstlich in die Linien Ispingrade - Stoote und Stoote - Horpetal aufgeteilt.
  • Abzweig von der Landwehrlinie Radevormwald-Ispingrade zum Horpetal bei Hönderbruch
  • Verbindung zwischen der Elberfelder Linie und der Landwehrlinie Radevormwald-Ispingrade zum Horpetal
  • Looper Landwehr
  • Huckinger Landwehr in Duisburg bis Großenbaum
  • Landwehrlinie zwischem dem Hohenstein und dem Löhberg bei Frielingsdorf
  • Landwehrlinie Altensturmberger Busch zur Berger Wiese
  • Landwehrlinie an der Lorkenhöhen und bei Oderscheid
  • Die Landwehr bei Herweg und Bechen
  • Landwehrlinie Marienheide - Oberwipper - Ballenbrügge
  • Landwehrlinie an der Ostgrenze des Amtes Gimborn - Neutstadt
  • Landwehrlinie an der Südwestgrenze des Amtes Gimborn - Neutstadt
  • Landwehrlinie Ahesiepen - Oberderschlag - Balkenberg - Hecke
  • Landwehrlinie Hespert - Erdingen - Schalenbach
  • Landwehr bei Denklingen
  • Landwehr im Westen des Eckenhagener Gebiets
  • Landewehren im Osten des Kirchspiels Much
  • Landgraben zwischen dem Stranzenbach und dem Limbachsseifen
  • Landwehren zwischen Eitorf und Kircheid
  • Landwehren bei Uckerath
  • Landgraben bei Ittenbach
  • Sperre an der Zeithstraße
  • Holenfelder Grengel
  • Sperren zwischen Weyerbusch und Leuscheid
  • Stockener Landgraben
  • Landwehr bei Küdinghoven
  • Landgraben bei Honnef
  • Wildenburger Gebück bei Rittershagen
  • Kölsches Heck
  • Landwehrlinie Velau (in Velbert) - Heiligenhaus - Haus Landsberg (Ruhr)
  • Hardenberger Landwehren
  • Landwehr in den Honschaften Flandersbach und Rützkausen
  • Landwehren im Gebiet von Mülheim an der Ruhr
  • Lintorfer Landwehr
  • Werdener Landwehr
  • Märkische Höhensperre bei Beyenburg
  • Märkische Höhensperre bei Beyenburg (Hölzerne Klinke)

Landwehrlinien nach anderen Forschern

  • Höhensperre bei Ente (Wipperfürth)

Erdwerke, die Landwehren sind/sein könnten, aber nicht in der Literatur genannt werden

  • Landwehrstück bei Hückeshagen-Wiehagen
  • Wegsperre Schmiedestraße-Eichenhofer Weg (Wuppertal-Nord)
  • Wallanlage an der Herbringhauser Talsperre